Dienstleistungswirtschaft, Foto: AdobeStock_653716147

3,3 Prozent mehr Unternehmen: Dienstleistungswirtschaft ist Rückgrat im Süden Sachsen-Anhalts

Halle (Saale), 18. Dezember 2025. Die Dienstleistungswirtschaft zeigt sich als Rückgrat der regionalen Wirtschaft im südlichen Sachsen-Anhalt. In sechs Jahren legte die Branche um 3,3 Prozent zu. Zum Stichtag 31. Dezember 2024 gehörten 27.079 Dienstleistungsunternehmen der IHK an – das sind 51 Prozent aller Mitgliedsunternehmen und 898 mehr als im Jahr 2018. Das geht aus den Ergebnissen des aktuellen Dienstleistungsreports hervor, der gerade von der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) veröffentlicht wurde.

„Die Dienstleistungswirtschaft ist der zentrale Stabilitätsanker unserer regionalen Wirtschaft – innovativ, vielfältig und wachstumsfähig. Sie ist breit aufgestellt, aber stark kleinunternehmerisch geprägt“, erklärt Antje Bauer, IHK-Geschäftsführerin Starthilfe und Unternehmensförderung. Damit die vielen Einpersonen- und Kleinunternehmen ihre Chancen bestmöglich heben können, brauchen sie ein besseres Umfeld mit weniger Bürokratie, einem besseren Zugang zu Finanzierungen und größeren Digitalisierungsschub. Gerade in den Wachstumsfeldern IT, Informations- und Unternehmensdienstleistungen kann zusätzliche Wertschöpfung gehoben werden – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

Die Ergebnisse des IHK-Dienstleistungsreports im Detail


57 Prozent der Dienstleister arbeiten überwiegend für Unternehmen (B2B), 32 Prozent sind überwiegend personenbezogene Dienste (B2C), elf Prozent Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Die Branche ist kleinteilig: Sie besteht zu 69 Prozent aus Einpersonenunternehmen ohne Beschäftigte, 68 Prozent sind als Kleingewerbe ohne Handelsregistereintrag angemeldet, 65 Prozent als Einzelunternehmen tätig. 58 Prozent der Unternehmen sind in mehreren Branchen aktiv. Besonders positiv: Die Zahl der Zweigniederlassungen und Betriebsstätten stieg seit 2018 um 14 Prozent.

Gewinner- und Rückgangssegmente geben Aufschluss zur Branchendynamik

Zu den Wachstumsfeldern zählen Informationsdienstleistungen (+58 Prozent), Finanzdienstleistungen (+54 Prozent) sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten (+33 Prozent). Rückläufig entwickelten sich dagegen u. a. die Telekommunikation (-24 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (-19 Prozent).

Unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Regionen

Am stärksten wuchs der Burgenlandkreis (+10 Prozent), während die Stadt Dessau Roßlau einen Rückgang verzeichnete (-4 Prozent).

Konjunktur und Resilienz stabilisieren in der anhaltenden Krisenzeit

Nach den Auswirkungen von Pandemie, Inflations- und Energiepreissteigerungen zeigt sich die Dienstleistungswirtschaft seit 2023 in einem resilienteren, stabilisierten Zustand, der aktuell auch von Digitalisierungsschüben und neuen Geschäftsmodellen getragen wird. Gleichzeitig belasten steigende Arbeitskosten die Unternehmen weiterhin.

Ertrag und Ausbildung: viele Nebenerwerbler und engagierte Ausbilder

Im Kleingewerbe liegt der Nebenerwerbsanteil, gemessen an der Ertragskraft, bei 54 bis 60 Prozent. Dabei erzielen 44 Prozent weniger als 5.200 Euro Jahresertrag. 486 Dienstleister bilden aus – das entspricht 23 Prozent aller Ausbildungsunternehmen im Kammerbezirk Halle-Dessau.

Forderungen an die Landes- und Bundespolitik

„Einpersonen- und Kleinunternehmen spielen eine immer wichtigere Rolle als tragende Säule unserer Wirtschaft. Jedoch werden ihre Bedürfnisse beim Blick auf die Gesamtwirtschaft durch ihre Kleinteiligkeit und starke Differenziertheit zu Unrecht oft übersehen. Dabei sind sie durch diese Eigenschaften noch viel stärker von zu viel Bürokratie betroffen und könnten von der Digitalisierung ihrer Prozesse zugleich auch stärker profitieren“, fasst Antje Bauer zusammen. Um für die Branche ein besseres Umfeld zu schaffen, leite sich daraus großer Handlungsbedarf für Politik und Verwaltung ab. Dazu gehörten neben einem spürbaren Bürokratieabbau auch vereinfachte Verfahren (u. a. bei Steuer-, Melde- und Nachweispflichten), bessere Finanzierungskanäle (z. B. Mikrokredite, Bürgschaften), ein konsequenter Breitbandausbau, die Förderung digitaler Tools, flexiblere Rechtsformen und entsprechende Umwandlungsregeln sowie Entlastungen bei den Lohnnebenkosten.

Der vollständige „IHK-Dienstleistungsreport 2025“ sowie die „Wirtschaftspolitische Agenda zur Entlastung und Förderung von EKU“ sind bei der IHK Halle-Dessau auf Nachfrage erhältlich.

IHK Halle Dessau

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