Treffen mit der Geschäftsführung des tschechischen Industriekonzerns AGROFERT in Prag, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, Agrofert-Geschäftsführer Petr Cingr und SKW Piesteritz Geschäftsführer Carsten Franzke (v.l.n.r.), Foto: Staatskanzlei Sachsen-Anhalt

AGROFERT investiert 120 Millionen Euro: Schulze stärkt Chemiestandort Sachsen-Anhalt in Prag

Prag/Wittenberg. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze hat bei einer Delegationsreise nach Prag erfolgreich für den Industriestandort seines Bundeslandes geworben. Im Mittelpunkt eines Treffens mit der Führung des tschechischen Industriekonzerns AGROFERT stand die Zukunft der Chemieindustrie – mit konkreten Ergebnissen für Sachsen-Anhalt: Der Konzern kündigte zusätzliche Investitionen in Höhe von insgesamt 120 Millionen Euro am Standort Lutherstadt Wittenberg an.

Demnach sollen rund 50 Millionen Euro in die SKW Stickstoffwerke Piesteritz fließen, eines der größten Düngemittelwerke Deutschlands. Weitere 70 Millionen Euro will der ebenfalls zu AGROFERT gehörende Backwarenhersteller Lieken in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten investieren. Beide Maßnahmen sind für das Jahr 2026 geplant.

Schulze wertete die Zusagen als starkes Signal: „Die Chemieindustrie ist Rückgrat unserer Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Unternehmen wie die SKW sichern Wertschöpfung, Innovation und viele Arbeitsplätze“, erklärte der Ministerpräsident. Die neuen Investitionen seien ein Beleg für das Vertrauen des Konzerns in den Standort.

Industrie unter Druck – Politik verspricht Unterstützung

Das Gespräch in Prag machte zugleich deutlich, unter welchem Druck die Branche steht. Hohe Energiekosten, internationale Überkapazitäten und wachsende regulatorische Anforderungen belasten die europäische Chemieindustrie erheblich. Auch die SKW Stickstoffwerke Piesteritz sind davon betroffen.

Schulze verwies auf bereits erzielte politische Fortschritte, etwa den Wegfall der Gasspeicherumlage und die stärkere Berücksichtigung von Chemieparks beim Industriestrompreis. Zugleich kündigte er an, sich weiterhin für bessere Rahmenbedingungen einzusetzen – unter anderem bei CO₂-Zertifikaten, beim Bürokratieabbau und auf europäischer Ebene.

„Gerade in der aktuellen Situation ist es entscheidend, dass Politik und Industrie im engen Dialog bleiben“, sagte Schulze. Ziel sei es, die Grundstoffchemie im Land zu sichern und gleichzeitig neue Investitionen zu ermöglichen.

Schlüsselbranche mit großer regionaler Bedeutung

Die Chemieindustrie zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Sachsen-Anhalts und erwirtschaftet rund ein Fünftel des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Der Agro-Chemie Park Piesteritz in Wittenberg ist dabei ein zentraler Standort: Rund 2.500 Menschen arbeiten direkt vor Ort, insgesamt hängen etwa 10.000 Arbeitsplätze in der Region von ihm ab.

Der AGROFERT-Konzern ist seit Jahren ein bedeutender Investor in Wittenberg. Seit 2005 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 1,6 Milliarden Euro in den Standort investiert. Die nun angekündigten Mittel unterstreichen die langfristige Perspektive – trotz der aktuellen Herausforderungen für die Branche.

Falk Morgenstern

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