Die Torte ist ein Traum – farblich wie geschmacklich und architektonisch. Das muss man einfach mal so sagen. Denn was Antje Pinkert aus Kötzschlitz unlängst im traditionellen Zöschener Wettbewerb um den besten Kuchen gezaubert hat, das ist eine super sommerliche Kreation in Rot (Erdbeeren), Weiß (Buttercreme) und Gelb (Bisquit) – aufgetürmt in Schichten. Damit ist die 52-Jährige die Nachfolgerin der Kuchenkönigin Peggy Bransdor aus Markranstädt geworden.
Diese Fraisier, eine französische Erdbeertorte, ist nicht nur optisch eine Augenweide, sie ist auch kulinarisch ein Highlight. Und wer an Ort und Stelle in Zöschen davon kosten konnte, der hatte echt Glück. Denn Nachfrage und Angebot kamen freilich nicht überein. »Ich hätte mehr machen können«, sagt die neue Kuchenkönigin erfreut. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Herstellung braucht ihre Zeit: Sage und schreibe zehn Stunden hat Antje Pinkert investieren müssen, bis das Schmuckstück fertig war.
Und das war nachts um zwei Uhr. Doch wer jetzt denkt, das habe die Hobbybäckerin für alle Zeiten verschreckt, der irrt. »Die werde ich jetzt öfter machen.« Die Zubereitungszeit, erklärt sie, ist deshalb so lang, weil jede einzelne Schicht der Torte auskühlen muss, bevor die nächste draufkommen kann. Sonst würde die süße Sünde garantiert in sich zusammenfallen.
Die gelungene Fraisier-Torte und der Titel »Kuchenkönigin« sind für sie ein neuer Start ins Leben, meint Antje Pinkert, die seit Jahren gegen eine Krankheit kämpft. Mit der Bewerbung für den Wettbewerb, von dem sie über Facebook erfahren hat, habe sie sich selbst in die Pflicht genommen – ein Zurück sollte es nicht geben. Und letztlich sei das ganz und gar ein bisschen wie eine Therapie gewesen. Damit hat sie für sich einen großen Schritt gewagt.
Nun wird die gelernte Krankenpflegerin auch Mitglied im Verein »Kuchenessen Zöschen«, wo sie mit neuen Leuten, die demselben Hobby fröhnen, zusammenkommen wird. Darauf freut sie sich. Ein schöner Start in ein neues Leben! »Das war das Beste, was ich gemacht habe«, sagt sie, »ich habe nicht aufgegeben.« Backen und Kochen sind die Hobbys der Frau, die jetzt für ein Jahr Krone und Schärpe des Zöschener Vereins trägt.
An Backofen und Herd kann sie so richtig entspannen und zugleich vieles ausprobieren, verrät sie. »Ich esse gern und gut.« Ist das Jahr als Kuchenkönigin um, muss sie die Krone abgeben. So ist die Vereinsregel. Doch da hat sie schon das übernächste Jahr im Blick. Wer weiß, mit welcher süßen Überraschung sie dann antreten wird? Ob es wieder etwas aus dem Lande der Gourmets, aus Frankreich, werden wird? Für den aktuellen Wettbewerb übrigens stand ursprünglich eine Apfeltarte – ebenfalls ein französisches Gebäck – auf ihrer Rezeptliste.
Doch die muss warm gegessen werden. Das aber einzuhalten, war im Wettbewerb nicht möglich, erzählt sie. Deshalb fiel die Wahl auf die Fraisier-Torte. Diesem Umstand sei Dank, denn jetzt wird diese bestimmt auf vielen Kaffee-Tafeln in der Region stehen. Antje Pinkert wird nun vor allem repräsentative Aufgaben im Namen des Vereins übernehmen, ihn bei verschiedenen Veranstaltungen vertreten. Und da gab es gleich die erste am Tag der Titelverleihung: Die neue Kuchenkönigin führte den Umzug des Kuchenessen-Festes durch Zöschen an.
Christine Färber





