Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt und Dr. Dirk Biermann, COO der 50Hertz Transmission GmbH bei der Vertragsunterzeichnung, Foto: InfraLeuna

Bau von Power-to-Heat-Anlage vereinbart

Der Netzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH und die InfraLeuna GmbH haben im Beisein von Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, einen Vertrag über den Bau und Betrieb einer Power-to-Heat-Anlage (PtH) auf dem Chemiestandort Leuna unterzeichnet. In der Anlage soll nach dem Prinzip „Nutzen statt Abregeln“ Ökostrom aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen in Prozessdampf umgewandelt werden.

InfraLeuna plant, baut und betreibt die Anlage, 50Hertz übernimmt die Investitionskosten in Höhe von 13,6 Millionen Euro und bezieht sie in das Management von Stromnetzengpässen ein. Statt Wind- oder Solaranlagen abzuregeln, kann künftig überschüssiger Ökostrom in die PtH-Anlage fließen und dort in Prozessdampf umgewandelt werden.

Die innovative PtH-Anlage besteht aus einem Elektrodenkessel mit einer elektrischen und thermischen Leistung von jeweils ca. 35 Megawatt, in dem Wasser durch Strom erhitzt wird. Pro Stunde werden 45 Tonnen überhitzter Prozessdampf erzeugt und in das Dampfnetz des Chemiestandortes eingespeist. Das dabei erreichte Druckniveau von 47 barü wird mit dieser Technologie europaweit zum ersten Mal erreicht. Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: „Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir intelligente technologische Lösungen. Die Errichtung der Power-to-Heat-Anlage hier am Chemiestandort Leuna ist ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Industrie in Sachsen-Anhalt. Strom, der ansonsten abgeregelt werden müsste, wird künftig direkt in Wärme umgewandelt und genutzt.

Gerade in Zeiten hoher Energiepreise und aufgrund der Notwendigkeit, unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden, zeigen Projekte wie dieses, wie wir wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz erfolgreich miteinander verbinden können. Insbesondere am Chemiestandort Leuna, in dem Wärmeenergie in großen Mengen benötigt wird, ermöglicht die Technologie eine erhebliche Reduktion von CO₂-Emissionen und stärkt zugleich die Resilienz der Unternehmen gegenüber volatilen Energiemärkten.

Der Chemiestandort Leuna gehört zu den Vorreitern beim Thema Nachhaltigkeit. Hier wird seit langem und mit Hochdruck an der Transformation der Chemieindustrie gearbeitet – hin zu erneuerbaren Energien und nachwachsenden Rohstoffen. Die Power-to-Heat-Anlage passt sehr gut in dieses Profil.

Nach mehr als zwei Jahren Konzeptarbeit geht es nun in die Umsetzung.

„Der Elektrodenkessel mit den bisher unerreichten Parametern 47 barü und 320 °C ist maßgeschneidert für unser Hochdruck-Dampfsystem. In Kombination mit unseren hochflexiblen Gas- und Dampfturbinenkraftwerken schaffen wir in Leuna ein einzigartig reaktionsfähiges Energiesystem“, erklärt Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna.

Die Kraftwerke der InfraLeuna können immer dann zurückgefahren werden, wenn die PtH-Anlage Ökostrom aufnimmt und in Wärmeenergie umwandelt. So kann bei steigendem Anteil regenerativ erzeugten Stroms der Einsatz von Erdgas weiter reduziert und ein großer Schritt in Richtung CO2-Neutralität des Standortes gemacht werden.

Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt und Dr. Dirk Biermann, COO der 50Hertz Transmission GmbH bei der Vertragsunterzeichnung, Foto: Lothar Teschner

Gas- und Dampfturbinenkraftwerk 2, Foto: Lothar Teschner

Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Dirk Biermann, COO der 50Hertz Transmission GmbH, Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung im Gas- und Dampfturbinenkraftwerk 2, Foto: Lothar Teschner

Der Baubeginn ist für Mitte dieses Jahres geplant, die Inbetriebnahme wird im ersten Quartal 2026 erwartet.

„Gerade in der aktuell sehr angespannten Situation der chemischen Industrie hilft uns dieser Kessel. Denn mit diesem zukunftsweisenden Power-to-Heat-Projekt reduzieren wir Netzengpässe, nutzen überschüssigen Strom, sparen wertvolles Erdgas und sichern die verlässliche Prozessdampfversorgung unserer Kunden am Chemiestandort Leuna“, so Christof Günther.

Dirk Biermann, Geschäftsführer Operations (COO) von 50Hertz: „Unsere 50Hertz-Systemführung bei Berlin kann die PtH-Anlage für das sogenannte Engpassmanagement einsetzen. Das entlastet das Stromnetz doppelt – durch zusätzlichen Stromverbrauch in der Power-to-Heat-Anlage und gleichzeitig geringere Strom- und Wärmeproduktion im Kraftwerk. Anstatt Entschädigungen für nicht produzierten Strom zu bezahlen, erhalten wir zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität mit dieser Anlage ein wirksames Instrument an die Hand.

Der mitteldeutsche Raum bietet für dieses Konzept gute Voraussetzungen, weil es hier sowohl zentrale Wärmeversorgungssysteme als auch ein hohes Aufkommen an Windstrom und inzwischen auch große Freiflächensolaranlagen gibt. Um in Zukunft Netzengpässe zu entschärfen, ist der Ausbau der Stromübertragungsnetze als wichtigste Maßnahme erforderlich. Ergänzend müssen unterschiedliche Speichersysteme hinzukommen, dazu können auch PtH-Anlagen in der Industrie und in Kommunen mit Fernwärmenetzen und ggf. Wärmespeichern beitragen.“

Infra Leuna

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