Der Bahnhof Borna (b Leipzig) im Regionalbereich Südost, Foto: Deutsche Bahn AG, Christian Bedeschinski

Bürgermeister fordern dichteren S-Bahn-Takt: 30 Minuten für die S6 zwischen Leipzig und Leuna

Markranstädt/Bad Dürrenberg/Leuna. Die Bürgermeisterin der Stadt Markranstädt sowie die Bürgermeister der Städte Bad Dürrenberg und Leuna drängen auf eine zeitnahe Einführung eines durchgängigen 30-Minuten-Takts auf der S-Bahn-Linie S6. In einem gemeinsamen Schreiben fordern die drei Kommunalspitzen eine deutlich bessere Verbindung zwischen Leipzig, Markranstädt sowie Bad Dürrenberg und Leuna, da die derzeitige Bedienung „den heutigen und zukünftigen Anforderungen“ an Mobilität, Klimaschutz und regionale Entwicklung nicht mehr gerecht werde.

Im Mittelpunkt steht dabei die Strecke über den Leipziger City-Tunnel bis ins Umland – eine Achse, die aus Sicht der Kommunen nicht nur für Pendlerinnen und Pendler entscheidend sei, sondern auch für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die nachhaltige Zukunft der gesamten Region.

Hoher Pendlerdruck und wachsendes Einzugsgebiet

Die drei Städte zählen gemeinsam über 42.000 Einwohner – zusammen mit umliegenden Gemeinden entstehe ein erhebliches Einzugsgebiet für den Schienenpersonennahverkehr. Gleichzeitig seien die Pendlerverflechtungen Richtung Leipzig stark ausgeprägt. Leipzig wiederum ist laut den Bürgermeistern ein zentraler Wirtschafts- und Bildungsstandort: Offizielle Pendlerdaten belegten, dass über 100.000 Menschen täglich in die Stadt einpendeln.

Auch Leuna spielt dabei eine Schlüsselrolle: Der dortige Chemiestandort umfasst rund 15.000 Arbeitsplätze, was zusätzliche Verkehrsströme erzeugt. Eine attraktive Bahnverbindung mit hoher Taktung sei daher essenziell, um den Umstieg vom Auto zu fördern.

Kritik aus der Bevölkerung: „Faktisch schlechter geworden“

Deutliche Worte findet das Schreiben mit Blick auf Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger. Besonders in Markranstädt habe sich die Situation aus Sicht vieler Fahrgäste verschlechtert. Zwar gebe es weiterhin schnelle Regionalexpress-Verbindungen – doch die Zeitlagen zwischen S-Bahn und RE seien oft so ungünstig, dass „keine relevanten Zeitvorteile“ entstünden. Der RE könne daher keinen verlässlichen S-Bahn-Halbstundentakt ersetzen.

Auch Bad Dürrenberg steht unter Druck: Dort werde vor allem die weggefallene Direktanbindung nach Thüringen stark kritisiert. Die neue S6 könne diese Lücke derzeit nicht kompensieren – insbesondere, weil eine Taktverdichtung bisher ausbleibe.

Hinzu kommt: Durch das Deutschlandticket seien zuletzt die Fahrgastzahlen gestiegen – gleichzeitig sei das Angebot aus Sicht der Städte „faktisch schlechter geworden“. Viele Menschen würden deshalb wieder auf den Pkw ausweichen.

Mobilität und Klimaschutz als gemeinsames Ziel

Die Forderung nach einem 30-Minuten-Takt ist für die Städte nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern der strategischen Entwicklung. Markranstädt ist bereits Mitglied im Grünen Ring Leipzig, Bad Dürrenberg und Leuna planen den Beitritt. Damit rückt ein nachhaltiges Verkehrskonzept in den Mittelpunkt.

Ein dichterer S-Bahn-Takt sei – so die Argumentation – eine klimapolitische Investition, denn er könne:

  • CO₂-Emissionen reduzieren,
  • den Autoverkehr in sensiblen Landschaftsräumen verringern,
  • die Verkehrsbelastung Richtung Leipzig mindern,
  • und kommunale sowie landesweite Klimaziele unterstützen.

Zudem betonen die Städte, dass Leipzig bereits heute durch Verkehr aus dem westlichen Umland stark belastet sei. Mehr Angebote auf der Schiene könnten hier zu einer spürbaren Entlastung beitragen.

Nahverkehrsplan liefert aus Sicht der Kommunen die Argumente

Besonders kritisch setzen sich die Bürgermeister mit dem Entwurf des Nahverkehrsplans 2025–2030 des ZVNL (Stand 15.09.2025) auseinander. Die dort genannten Pendlerzahlen und Potenziale zeigten aus ihrer Sicht eindeutig: Kommunen wie Markranstädt hätten vergleichbare oder sogar höhere Pendlerströme nach Leipzig als Orte, die längst im Halbstundentakt bedient werden – etwa Taucha oder Schkeuditz.

Zudem sehe der Nahverkehrsplan selbst im Verdichtungsraum eine Mindestbedienung durch einen 30-Minuten-Takt bei S-Bahn-Linien vor. Dass Markranstädt als Grundzentrum dennoch nicht entsprechend berücksichtigt werde, sei aus Sicht der Städte „willkürlich“.

Vergleich mit anderen Städten: Warum nicht auch hier?

Ein weiteres Argument: Zahlreiche Orte im mitteldeutschen S-Bahn-Netz würden bereits im Halbstundentakt bedient – etwa Borna, Grimma oder Wurzen – und seien zusätzlich durch Regionalexpress-Verbindungen ergänzt. Für Markranstädt, Bad Dürrenberg und Leuna sei ein vergleichbares Angebot mindestens ebenso notwendig, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern.

Der aktuell überwiegend geltende Stunden-Takt der S6 reiche angesichts der Pendelmengen nicht aus, heißt es. In Stoßzeiten komme es zu Überlastung, schlechteren Anschlüssen und einem sinkenden Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Auto.

Drei konkrete Forderungen

Die Bürgermeister formulieren klare Erwartungen an die Verantwortlichen:

  1. Einführung eines flächendeckenden 30-Minuten-Takts auf der S6
    zwischen Leipzig (inklusive City-Tunnel) und Markranstädt, Bad Dürrenberg bis Weißenfels/Naumburg.
  2. Falls dies nicht sofort möglich ist:
    zumindest Teilstrecken-Verdichtung (z. B. Leipzig ↔ Markranstädt ↔ Bad Dürrenberg) oder ein Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten.
  3. Eine Nachbesserung des Nahverkehrsplans, insbesondere mit Blick auf Pendlerströme und wirtschaftliche Potenziale.

„Mobilität muss sich an echten Pendlerströmen orientieren“

Zum Abschluss ordnen die Städte ihre Forderung auch raumplanerisch ein: Markranstädt liegt laut Landesentwicklungsplan in einem Verdichtungsraum, Bad Dürrenberg und Markranstädt befinden sich zudem auf der Entwicklungsachse Leipzig/Halle. Alle drei Städte seien Teil der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und würden einen Beitrag zur Entlastung der Großstädte Leipzig und Halle leisten.

Doch diese Funktion sei nur erfüllbar, wenn das Wohnen im Umland mit einer guten Erreichbarkeit verbunden bleibe – und die Verkehrsverlagerung auf die Schiene tatsächlich gelinge.

„Ein attraktiver SPNV steigert die Standortattraktivität, unterstützt die Fachkräftegewinnung und stärkt die soziale Teilhabe auch ohne eigenes Auto“, heißt es sinngemäß. Entscheidend sei, dass das Angebot an den realen Nutzungs- und Pendelströmen ausgerichtet werde – nicht an überholten Strukturen.

Die Bürgermeister bieten zugleich Dialogbereitschaft an: Man bitte um eine wohlwollende Prüfung der Forderung und stehe für weitere Gespräche jederzeit zur Verfügung

Falk Morgenstern

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