Besuch der Bundesministerin Katherina Reiche am Chemiestandort Leuna, im Gespräch mit der Presse, Foto: B. Brockmann

Bundesministerin Katherina Reiche informiert sich am Chemiestandort Leuna

Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH mahnt bei Ministerbesuch klare Industriepolitik an.

Leuna, 28. Juli 2025 – Im Rahmen ihrer Sommerreise hat Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, den traditionsreichen Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt besucht. Gemeinsam mit Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und Wirtschaftsminister Sven Schulze tauschte sich Reiche mit dem Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, Dr. Christof Günther, über die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Chemiebranche aus. Im Mittelpunkt des Besuchs stand ein deutliches Signal aus der Industrie: Ohne politische Kurskorrektur droht ein weiterer Rückbau zentraler industrieller Wertschöpfung in Deutschland.

Herausforderungen in der chemischen Industrie spitzen sich zu

In einem ausführlichen Gespräch schilderte Dr. Günther der Ministerin die alarmierende Lage: Steigende Energiepreise, internationaler Wettbewerbsdruck und ein Übermaß an Regulierung setzen der chemischen Industrie massiv zu. Die Branche sei in einem kritischen Zustand – sowohl wirtschaftlich als auch strukturell. Besonders betroffen sei dabei auch das mitteldeutsche Chemiedreieck, zu dem der Standort Leuna zählt.

„Die Auslastung vieler Chemieanlagen liegt aktuell deutlich unter 70 Prozent, teils sogar wesentlich darunter“, so Günther. Zwar profitiere Leuna vereinzelt von Produktionsverlagerungen infolge von Stillständen an anderen Standorten, doch auch hier laufen Kostensenkungsprogramme, die Unruhe und Unsicherheit schüren. Bereits zum fünften Mal in Folge verzeichnet die Branche einen Rückgang bei den Beschäftigtenzahlen – ein Negativtrend, wie ihn die Industrie seit zwei Jahrzehnten nicht erlebt hat.

Appell an die Politik: Industriepolitik muss jetzt handeln

Dr. Günther nutzte den Besuch der Bundesministerin, um eine klare industriepolitische Weichenstellung einzufordern. „Die chemische Industrie ist systemrelevant – und gleichzeitig an einem kritischen Punkt angekommen“, erklärte er. Bezahlbare Energie, wettbewerbsfähige Steuern, ein Abbau bürokratischer Hürden und Investitionsanreize seien unverzichtbar, um den Standort Deutschland zu sichern. Die Politik müsse rasch handeln, um nicht nur bestehende Strukturen zu erhalten, sondern auch die Transformation in eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen.

Katherina Reiche zeigte Verständnis für die Sorgen der Branche und würdigte die Rolle des Standorts Leuna als Motor für Innovation und Transformation. „An Innovationskraft mangelt es hier nicht“, betonte sie. „Aber damit Transformation gelingt, braucht es Zeit, Kapital – und stabile, verlässliche Rahmenbedingungen.“

Leuna als Vorbild für nachhaltige Chemieproduktion

Trotz der Herausforderungen setzt der Standort Leuna auf Zukunftstechnologien und Nachhaltigkeit. Besonders im Fokus: Die Transformation von fossilen Produktionsketten hin zu biobasierten Lösungen. Paradebeispiel dieser Entwicklung ist die Ansiedlung des finnischen Unternehmens UPM Biochemicals, das in Leuna derzeit eine weltweit einzigartige Bioraffinerie auf Laubholzbasis in Betrieb nimmt. Die Bundesministerin nutzte ihren Besuch, um sich vor Ort ein Bild dieses Leuchtturmprojekts zu machen.

Die Bioraffinerie gilt als Meilenstein in der nachhaltigen Chemieproduktion. Sie reduziert nicht nur CO₂-Emissionen signifikant, sondern schafft zugleich neue Wertschöpfungsketten und fördert Forschung, Entwicklung und Folgeinvestitionen am Standort.

Zukunft braucht politische Verlässlichkeit

Der Besuch der Bundesministerin in Leuna war mehr als ein symbolischer Akt. Er war ein direkter Austausch zwischen Industrie und Politik – mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig zu machen. Dr. Günther machte dabei deutlich: Leuna ist bereit für den Wandel. Doch ohne politisches Handeln droht der Verlust industrieller Substanz.

„Wenn wir die Transformation wirklich wollen, müssen wir die Grundlagen dafür legen – heute, nicht morgen“, resümierte Günther. Seine Botschaft an Berlin ist klar: „Die Zeit zum Handeln ist jetzt.“

Falk Morgenstern

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