Merseburg/Delitzsch – 13. Mai 2025 – Sachsen-Anhalt stellt die Weichen für ein ambitioniertes Zukunftsprojekt mit nationaler Strahlkraft: Der Aufbau des Großforschungszentrums „Center for the Transformation of Chemistry“ (CTC) schreitet mit großen Schritten voran. Mit dem Kabinettsbeschluss zur Gründung der Trägergesellschaft CTC gGmbH nimmt das Projekt entscheidende Hürden – und öffnet das Tor für Innovation, Technologietransfer und eine nachhaltige Industriepolitik.
CTC gGmbH als Grundstein für Eigenständigkeit
Am Dienstag verabschiedete das Kabinett Sachsen-Anhalts auf Vorschlag von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann einen richtungsweisenden Beschluss: Die Gründung der gemeinnützigen Trägergesellschaft CTC gGmbH soll bis spätestens Juni 2025 erfolgen. Diese neue Struktur verleiht dem CTC eine eigenständige rechtliche Grundlage – ein wichtiger Schritt, um Personal eigenverantwortlich einzustellen, Verträge zu schließen und eigenständig zu wirtschaften.
Als Gesellschafter treten der Bund sowie die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt auf. Damit spiegelt sich die überregionale Bedeutung des CTC wider: Das Zentrum ist kein rein landespolitisches Projekt, sondern ein Baustein der bundesweiten Strukturwandelstrategie nach dem Kohleausstieg.
Innovationsstandort Merseburg – Grundstück, Raum und Visionen
Ein knapp drei Hektar großes Grundstück auf dem Campus der Hochschule Merseburg wird dem CTC kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dort soll bis 2030 ein modernes Forschungsgebäude entstehen, das Platz für bis zu 300 Forschende bietet. Weitere angrenzende Flächen ermöglichen perspektivisch Erweiterungen – darunter Ansiedlungen von Startups und technologieorientierten Ausgründungen.
„Das CTC wird zu einem Kristallisationspunkt für zukunftsweisende Forschung und industrielle Transformation in Mitteldeutschland“, erklärte Minister Willingmann. „Von Merseburg aus werden entscheidende Impulse für die nachhaltige Neuausrichtung der Chemieindustrie ausgehen – und das weit über die Region hinaus.“
CTC als Wegbereiter der Kreislaufwirtschaft
Die inhaltliche Ausrichtung des CTC könnte aktueller kaum sein: Ziel ist es, innovative Lösungen für eine Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, die die derzeit auf fossilen Rohstoffen basierende Chemieproduktion in eine nachhaltige Zukunft überführt. Im Fokus stehen insbesondere biobasierte Rohstoffe, chemisches Recycling und neue Produktionsverfahren.
Das Zentrum vereint dabei interdisziplinäre Expertise: Chemie, Materialwissenschaften, Ingenieurwesen, Umwelttechnik, aber auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sollen zusammenarbeiten, um ganzheitliche Ansätze zu entwickeln. Dieser integrative Forschungsansatz gilt als Schlüssel, um die Transformation nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich erfolgreich zu gestalten.
Milliardenförderung für nachhaltige Arbeitsplätze
Der Bund unterstützt den Aufbau des CTC im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes für Kohleregionen mit bis zu 1,1 Milliarden Euro – bis zu 330 Millionen davon fließen nach Sachsen-Anhalt. Hintergrund ist der geplante Kohleausstieg bis spätestens 2038, der den betroffenen Regionen tiefgreifende Veränderungen abverlangt.
Mit dem CTC soll nicht nur Wissen entstehen, sondern auch Wertschöpfung: Insgesamt bis zu 1.000 hochwertige Forschungsarbeitsplätze sollen an den Standorten Delitzsch (Hauptsitz) und Merseburg geschaffen werden – davon allein 300 in Sachsen-Anhalt. Schon jetzt arbeiten 52 Personen in Übergangsquartieren in Delitzsch und bei der InfraLeuna GmbH in Leuna.
Der Mann hinter dem CTC
Die wissenschaftliche Leitung liegt in den Händen von Prof. Dr. Peter Seeberger, einem international renommierten Chemiker und Direktor des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam. Unter seiner Führung nahm das CTC Anfang 2023 die operative Arbeit auf.
Seeberger steht für eine neue Generation von Wissenschaft, die sich nicht im Elfenbeinturm versteckt, sondern aktiv Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen erarbeitet. Mit seiner Erfahrung im Technologietransfer bringt er zudem das nötige Know-how mit, um aus Forschung konkrete Innovationen für die Industrie zu machen.
Merseburg und Mitteldeutschland – Vom Industriestandort zum Innovationsmotor
Der Standort Merseburg blickt auf eine lange industrielle Tradition zurück – vor allem im Chemiebereich. Mit dem CTC bekommt die Region die Chance, sich als moderner Wissenschafts- und Innovationsstandort neu zu erfinden. Diese strategische Neupositionierung steht exemplarisch für den Strukturwandel in den ostdeutschen Braunkohlerevieren.
Minister Willingmann hebt hervor:
„Der vollständige Neuaufbau eines solch groß angelegten Forschungszentrums ist absolutes Neuland. Aber er bietet auch eine einmalige Chance, industriellen Wandel aktiv zu gestalten – gerade bei uns in Sachsen-Anhalt.“
Forschung als Fundament für die Industrie von morgen
Mit dem CTC entsteht in Mitteldeutschland nicht nur ein neues Forschungszentrum, sondern ein Schrittmacher für nachhaltige industrielle Transformation. Die Kombination aus interdisziplinärer Spitzenforschung, massiver öffentlicher Förderung und regionaler Verankerung verspricht ein Modellprojekt von nationaler Bedeutung.
Der Aufbauprozess ist komplex, doch die Richtung ist klar: Das CTC wird ein Ort sein, an dem Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam an Lösungen für eine klimaneutrale Zukunft arbeiten – ein Leuchtturm für das neue industrielle Zeitalter.
Gunnar Redmer





