Kooperationsvereinbarung stärkt Forschung, Nachwuchsförderung und Technologietransfer in der Chemieregion
Merseburg. Das Center for the Transformation of Chemistry (CTC) und die Hochschule Merseburg bauen ihre Zusammenarbeit deutlich aus. Eine neue Kooperationsvereinbarung schafft den langfristigen Rahmen für gemeinsame Aktivitäten in Forschung und Lehre, Technologietransfer sowie Nachwuchsförderung. Zugleich wird das CTC erstmals dauerhaft auf dem Campus der Hochschule präsent sein. In drei Büros entstehen bis zu zehn Arbeitsplätze für CTC-Mitarbeitende.
Die Vereinbarung sieht gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die Einwerbung von Drittmitteln sowie einen intensiveren Austausch von Forschenden und Lehrenden vor. Auch gemeinsame Veranstaltungen und Qualifizierungsangebote sind geplant. Für Studierende eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten, frühzeitig an aktuellen Forschungsprojekten mitzuwirken – etwa über Praktika, Projekt- und Abschlussarbeiten oder Promotionen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Wirtschaft und Gesellschaft. Hochschule und CTC wollen Innovationen und wissenschaftsbasierte Gründungen unterstützen und die Zusammenarbeit mit Unternehmen und weiteren Partnern in der Region intensivieren. Damit soll die Kooperation zugleich einen Beitrag zur Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte und zur Attraktivität Merseburgs als Wissenschafts- und Innovationsstandort leisten.
CTC wird auf dem Campus sichtbar
Besondere Bedeutung hat die dauerhafte räumliche Präsenz des Großforschungszentrums. Die neuen Büros sollen kurze Wege zwischen CTC, Hochschule, Forschenden und Studierenden ermöglichen. Langfristig ist deutlich mehr geplant: Bis 2031 soll auf dem Merseburger Campus ein modernes Forschungsgebäude entstehen, das Platz für rund 300 Forschende und Mitarbeitende bietet. Merseburg bildet gemeinsam mit Delitzsch einen der beiden dauerhaften Standorte des CTC.


Die Zusammenarbeit ist dabei nicht völlig neu. Bereits in den vergangenen Monaten gab es zahlreiche gemeinsame Aktivitäten. Dazu zählen Schülerlabore, der CTC-Bürgerdialog mit mehr als 70 Gästen im März sowie Mitmachangebote beim Merseburger Schlossfest. Im Juli 2026 wurden zudem bei einem ersten Stakeholder-Treffen Perspektiven für die weitere Entwicklung des Campus diskutiert. Die Kooperationsvereinbarung gibt diesem Austausch nun einen langfristigen institutionellen Rahmen.
Impulse für die gesamte Chemieregion
Für die Region zwischen Merseburg und Leuna besitzt die Partnerschaft besondere Bedeutung. Forschung, akademische Ausbildung und der Transfer neuer Technologien rücken enger zusammen. Gerade bei der Transformation der chemischen Industrie hin zu nachhaltigeren Prozessen und einer Kreislaufwirtschaft können daraus neue Impulse für die Unternehmen am traditionsreichen Chemiestandort entstehen.
Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß, kommissarischer Rektor der Hochschule Merseburg, sieht in dem CTC einen wichtigen Zukunftsfaktor für die gesamte Chemieregion Merseburg und Leuna. Die Hochschule bringe ihre Forschungsaktivitäten und ihre praxisnahe Lehre in die strategische Partnerschaft ein. Daraus sollen neue Möglichkeiten für Forschung, forschungsnahe Lehre und den Wissenstransfer in die regionalen Unternehmen entstehen.
Auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs ergeben sich neue Perspektiven. CTC-Geschäftsführer Prof. Dr. Dr. h.c. Peter H. Seeberger betont, dass die Transformation der Chemie neben neuen wissenschaftlichen Ansätzen starke Partnerschaften und Menschen brauche, die den Wandel gestalten. Durch die Kooperation könnten Studierende und Nachwuchswissenschaftler frühzeitig an aktuellen Forschungsfragen beteiligt werden.
Das CTC wurde Ende 2025 gegründet und ist das erste Großforschungszentrum Deutschlands, das sich der Kreislaufwirtschaft in der Chemie widmet. Bis 2038 soll es auf bis zu 1.000 Mitarbeitende wachsen. Mit seinen Standorten in Merseburg und Delitzsch soll das Forschungszentrum zugleich einen wesentlichen Beitrag zum Strukturwandel in Mitteldeutschland leisten.
Falk Morgenstern





