AOK Sachsen-Anhalt und Klinikum Magdeburg starten ganzheitliches Versorgungsprogramm für Langzeit-Rückenschmerz-Patienten
Rückenschmerzen sind in Deutschland eine echte Volkskrankheit. Mehr als 26 Millionen Menschen, fast ein Drittel der Bevölkerung, befinden sich deswegen in ärztlicher Behandlung. Die AOK Sachsen-Anhalt und das Klinikum Magdeburg bieten jetzt daher ein gemeinsames Versorgungsprogramm für Langzeit-Rückenschmerz-Patienten an. In einem eigens eingerichteten Rückenzentrum werden sie mit einem ganzheitlichen Ansatz behandelt, bevor die Schmerzen chronisch werden. Letztlich soll das Programm helfen, Rückenoperationen zu vermeiden.
„Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen“, sagt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Betroffenen besonders hoch. 2022 litten laut Gesundheitsatlas der AOK über 36 Prozent der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt unter chronischen Rückenproblemen. Das ist der zweithöchste Anteil bundesweit. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen (39 Prozent) als Männer (33 Prozent).
Die Körperlichen und psychischen Belastungen für die Betroffenen sowie die volkwirtschaftlichen Folgen seien beachtlich. „Daher unterstützt die AOK ihre Versicherten mit langanhaltenden Rückenschmerzen und bietet umfangreiche Angebote zur Vorbeugung und Behandlung“, so Corinna Beutel. In Zusammenarbeit mit dem Klinikum Magdeburg entwickelte die Gesundheitskasse ein neues Versorgungsprogramm, das Ende 2024 an den Start ging. Das Programm verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bezieht also Experten verschiedener Fachrichtungen mit ein. So werden Rückenschmerzen effektiv und nachhaltig behandelt, bevor sie chronisch oder operiert werden müssen.
Ganzheitlicher Ansatz gegen chronische Rückenschmerzen
Am Klinikstandort Magdeburg-Olvenstedt entstand dafür im vergangenen Jahr ein spezialisiertes Rückenzentrum, von denen es in der Art deutschlandweit bisher nur vier weitere gibt. Das Klinikum Magdeburg investierte rund 600 000 Euro, um moderne Therapieräume zu schaffen. Ein interdisziplinäres Behandlungsteam aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Schmerztherapeuten kümmert sich in dem Programm um die Rückenkranken. Neben dem Vermitteln von Gesundheitswissen setzt es den Fokus auf das Erlernen von Eigenübungen und Selbstmanagement. Das neue Versorgungsprogramm zielt darauf ab, nachhaltig Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit der Patientinnen und Patienten zu verbessern und ihnen zu einem aktiven Alltag zu verhelfen – Schritt für Schritt und ohne unnötige operative Eingriffe.
Interdisziplinäres Team für maßgeschneiderte Behandlung
Das Versorgungsprogramm besteht im Wesentlichen aus zwei Bausteinen. Der erste Schritt ist ein mehrstündiger Untersuchungstermin, bei dem die Beschwerden von Orthopäden, Schmerztherapeuten, Psychologen und Physiotherapeuten genau analysiert werden. Auf Grundlage dieser Befunde wird eine maßgeschneiderte Therapieempfehlung erstellt und mit den Betroffenen die weiteren Therapieschritte abgestimmt. Die bisher behandelnden Fachärzte sind dabei in den Prozess eingebunden und können entsprechend Einfluss nehmen. Bei Bedarf bietet das Rückenzentrum dann beispielsweise ein ganzheitliches Therapieprogramm an.
In jeweils vierwöchigen Durchgängen absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer montags bis freitags, fünf Stunden lang täglich, ein körperliches und mentales Training. Anschließend wird ein zehnwöchiges Nachsorgeprogramm angeboten mit dem Ziel, das Erlernte zu festigen und eine aktive Routine für den Alltag zu entwickeln. Das AOK-Projekt mit dem Klinikum Magdeburg wird nach den Bedürfnissen der Betroffenen stetig weiterentwickelt. Neben der Teilnahme am Vollzeitmodul sind auch andere Behandlungsoptionen möglich.


Patienten berichten: Neue Hoffnung für Rückengeplagte
Reinhard Pecher ist voll des Lobes. Als selbstständiger Fliesenleger, der seit 49 Jahren auf Baustellen arbeitet, ist er ein „klassischer Kandidat“ für Rückenprobleme. Seit 30 Jahren hat er Beschwerden. Zwei Bandscheibenvorfälle, ein eingeklemmter Nerv und ein verletzter Rückenwirbel stehen in seiner Krankenakte. Drei Monate lang war er bereits krankgeschrieben, als er die Gelegenheit zur Teilnahme an dem neuen Programm ergriff. Die tägliche Fahrt aus Thale im Harz nach Magdeburg nimmt er gern in Kauf. Seine Firma hat so lange Pause. „Gesundheit geht vor“, sagt der 64-Jährige. Die ersten Tage der Therapie seien schmerzhaft gewesen. „Der Körper kannte das Training nicht. Inzwischen fällt das Aufstehen leichter. Ich fühle mich wohler“, beschreibt er nach zwei Wochen sein Befinden.

Auch für Uta Napiontek hat sich die Teilnahme spürbar gelohnt. „Für mich ist es die erste Therapie, die wirklich etwas gebracht hat“, sagt die Krankenschwester, die in ihrer langen Leidensgeschichte schon einiges mit- und durchgemacht hat, um ihre chronischen Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen. Sie leidet unter angeborener Skoliose, einer Wirbelsäulenverkrümmung und ist auch beruflich körperlich gefordert. Im Unterschied zu den beiden „herkömmlichen“ Reha-Maßnahmen, die sie bereits hinter sich hat, stehe im Rückenzentrum der einzelne Patient im Mittelpunkt. „Hier wurde intensiv auf mich eingegangen“, sagt Uta Napiontek.
Ganz wichtig für sie: „Das ganze Team ist motiviert.“ Das gelte sowohl für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als auch für Ärzte und Therapeuten. „Unser Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten zu aktivieren“, sagt Elisabeth Röhrmann, Fachärztin für Orthopädie und Leiterin des Rückenzentrums am Klinikum Magdeburg. Das scheint auch bestens zu gelingen. Alle sind voll bei der Sache, egal ob Krankengymnastik, Alltagstraining, manuelle Therapie oder Entspannungsübungen auf dem Programm stehen. Besonders beliebt ist die Tanztherapie. Hier kommt der Spaß an der Sache am stärksten zum Ausdruck. Zusätzlich zu den aktivierenden Therapieelementen wird den Patienten die Vielseitigkeit des chronischen Schmerzes nähergebracht.
Bedarfsorientierte Bildung in ärztlichen, psychologischen und physiotherapeutischen Bereichen sollen helfen, die Selbstwirksamkeit jedes einzelnen Patienten zu verbessern. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der präventiven Therapie, um eine eventuell nötige Operation möglichst zu verhindern. Eine postoperative Behandlung soll den Betroffenen ermöglichen, schneller in die körperliche und mentale Normalität zurückzukehren.
Wer kann teilnehmen? Voraussetzungen und Anmeldung
Das Programm richtet sich an alle volljährigen Versicherten der AOK Sachsen-Anhalt, die ein erhöhtes Risiko für eine Rückenoperation haben. Auch AOK-Versicherten, deren Rückenbeschwerden zu langer andauernder Arbeitsunfähigkeit führen, soll dadurch ermöglicht werden, schneller gesund zu werden. Für sie übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Behandlungskosten.
Informieren und anmelden können sich Versicherte der AOK Sachsen-Anhalt online www.deine-gesundheitswelt.de .
AOK Sachsen-Anhalt





