Graffitirohr von CASCADE mi der Aufschrift H2-inside, Foto: Gascade

Deutschlands Wasserstoff-Rückgrat wächst.

„HYBOR schließt Lücke im Kernnetz – HYROW stärkt Nordost-Anbindung“

Deutschland baut sein Wasserstoffnetz weiter massiv aus – mit zwei Schlüsselprojekten, die das nationale Energienetz als Teil der ehrgeizigen Flow – making hydrogen happen-Strategie enger verknüpfen und die Versorgungssicherheit stärken sollen.

HYBOR: Wichtiger Lückenschluss im Osten

Mit HYBOR entsteht derzeit eine neue Wasserstoff-Pipeline zwischen Bobbau in Sachsen-Anhalt und Rückersdorf in Thüringen. Die Leitung verbindet künftig zwei zentrale Transportstränge des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes, die auf Wasserstoffbetrieb umgestellt werden – die JAGAL- und STEGAL-West-Routen. Ohne diesen Lückenschluss würde eine direkte Verbindung fehlen, die den Transport von Wasserstoff in der Region erleichtert und zu wichtigen Abnehmern wie Industriezentren und Speichern möglich macht.

Der Name „HYBOR“ ist ein Akronym aus HY (Hydrogen), BO (Bobbau) und R (Rückersdorf). Die neue Leitung wird von GASCADE Gastransport GmbH gebaut und soll Teil des deutschen Kernnetzes werden. Die geplanten technischen Eckdaten sind eindrucksvoll:

  • Rund 120 Kilometer Länge
  • Durchmesser DN 500 (50 cm)
  • Regelmäßige Absperrstationen im Abstand von 10–18 Kilometern
  • Start des Genehmigungsverfahrens im Frühjahr 2027
  • Bauphase 2028 bis Ende 2029
  • Inbetriebnahme geplant für Dezember 2029

Die Pipeline bietet entlang des Trassenverlaufs Gemeinden in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen die Möglichkeit, Wasserstoff nicht nur zu transportieren, sondern – bei geeigneten Anschlüssen – auch Versorgungskapazitäten zu nutzen.

Öffentliche Voruntersuchungen zur Flora, Fauna und Bodenbeschaffenheit beginnen bereits im Herbst und Winter 2025/2026, um mögliche Auswirkungen auf Umwelt und Natur möglichst gering zu halten.

geplante Wasserstoffleitung von Sachsen-Anhalt bis Thüringen, Grafik: CASCADE

HYROW: Nord-Ost-Knoten für den Wasserstoff-Transport

Parallel dazu entsteht im Nordosten Deutschlands das Projekt HYROW – ein rund **115 Kilometer langer Wasserstoff-Transportstrang von Rostock bis Wrangelsburg. Auch dieses Projekt wird von GASCADE als integraler Bestandteil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes umgesetzt und trägt maßgeblich zur Versorgungssicherheit bei.

HYROW steht für HY (Hydrogen), RO (Rostock) und W (Wrangelsburg). Die Leitung soll Wasserstoff vor allem vom Rostocker Hafen – einem wachsenden Import- und Produktionsknoten – entlang des Flow-Netzes in Richtung Süden transportieren und dort in die leistungsfähige Nord-Süd-Achse einspeisen.

Die Bau- und Planungsdaten zeigen einen ehrgeizigen Zeitplan:

  • Geplante Genehmigungsverfahren starten Frühjahr 2026
  • Bauphase: Herbst 2027 bis Ende 2028
  • Inbetriebnahme Ende 2028
    Technisch sind u. a. ein 1 Meter Durchmesser (DN 1000) und regelmäßige Absperrstationen vorgesehen.

Auch bei HYROW laufen bereits vorbereitende Baugrunduntersuchungen, und zahlreiche Informationsveranstaltungen haben stattgefunden, um Bevölkerung und Stakeholder frühzeitig einzubeziehen.

Teil eines großen Ganzen: Flow – making hydrogen happen

Beide Projekte – HYBOR und HYROW – sind Mosaiksteine im Flow-Programm, einem der größten deutschen Infrastrukturvorhaben für den Wasserstoff-Hochlauf. Ziel ist es, ein leistungsfähiges, 1.600 Kilometer langes Wasserstoff-Transportsystem von der Ostseeküste bis nach Baden-Württemberg aufzubauen.

Flow setzt nicht nur auf den Bau neuer Leitungen, sondern auch auf die Umstellung bestehender Erdgasleitungen zur schnelleren Nutzung für Wasserstoff, um Emissionen zu senken und Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Erste Umstellungen sind bereits im Jahr 2025 erfolgt.

Mit HYBOR und HYROW rückt Deutschland seinem Ziel näher, ein robustes, flächendeckendes Wasserstoffnetz zu schaffen, das Produktion, Import, Industrie und Speicher effizient verbindet. Diese Projekte sind nicht nur technologische Großprojekte, sondern auch strategische Bausteine für die Energiewende und die Stärkung der Versorgungssicherheit in Europa.

Gunnar Redmer

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