Übergabe des Fördermittelbescheides an das DLR durch Bundesminister für Verkehr Patrick Schnieder. (v.l.n.r.) Prof. Dr. Karsten Lemmer, DLR-Vorstand für Innovation und Transfer, Sven Schulze, Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Meike Jipp, Bereichsvorständin Energie und Verkehr, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr, Foto: Gunnar Redmer


DLR erhält 157 Millionen Euro für Betrieb der Technologieplattform Power-to-Liquid

Leuna wird globales Zentrum für E-Fuels

Mit weiteren 157 Millionen Euro Bundesförderung setzt der Chemiestandort Leuna seine über 100-jährige Geschichte als Energie- und Innovationsstandort fort. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhält die Mittel, um die Betriebsphase der Technologieplattform Power-to-Liquid-Kraftstoffe (TPP) bis 2035 abzusichern. Damit entsteht die weltweit größte Forschungs- und Demonstrationsanlage zur Entwicklung klimafreundlicher, strombasierter Kraftstoffe.

Am 25. November 2025 übergab Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder den Förderbescheid an das DLR – begleitet von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der das Projekt als „Fortsetzung einer stolzen technologischen Tradition“ würdigte. Die Entscheidung markiert den Übergang in eine entscheidende Phase: Erstmals können synthetische Kraftstofftechnologien unter realen industriellen Bedingungen erprobt und weiterentwickelt werden.

Von der Idee zur Großanlage: Leunas Weg zum Hotspot der E-Fuel-Forschung

Die nun bewilligte Förderung ist das Ergebnis eines mehrjährigen Entwicklungsprozesses:

2023 – Leuna wird Standort der TPP

In einem bundesweiten Wettbewerb setzte sich Leuna als idealer Standort durch – dank industrieller Infrastruktur, Energieanbindung und chemischer Expertise. 5,48 Millionen Euro flossen in die Planung.

2024 – Baubeginn und Investitionen in Rekordhöhe

130 Millionen Euro ermöglich­ten den Aufbau der Anlage. Mit dem offiziellen Spatenstich wurde sichtbar, dass Leuna sich zum Zentrum moderner Energie- und Verfahrenstechnologien entwickelt.

2025 – Betriebsphase bis 2035 gesichert

Mit 157 Millionen Euro Förderung ist der Forschungs- und Demonstrationsbetrieb von 2028 bis 2035 finanziell vollständig abgedeckt. Die Fertigstellung der Anlage ist für 2027 geplant.

Das Ergebnis: Die erste vollintegrierte PtL-Forschungsanlage weltweit, die sämtliche Prozessschritte – von Elektrolyse bis fertigem Kraftstoff – im semi-industriellen Maßstab vereint.

Stimmen zur Förderung

Prof. Meike Jipp, DLR-Bereichsvorständin Energie und Verkehr
„Das DLR leistet mit der TPP einen wichtigen Beitrag, um den Wandel der Sektoren Energie, Mobilität und Industrie zu gestalten. Strombasierte Kraftstoffe erhöhen die Versorgungssicherheit und reduzieren Abhängigkeiten von fossilen Rohstoffen.“

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
„Die TPP ist die weltweit erste vollintegrierte Forschungsanlage über die gesamte Prozesskette. Sie schlägt die Brücke zwischen Labor und Praxis und ist zentral für die nationale Klimastrategie.“

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff
„Was einst mit fossilen Treibstoffen begann, wird nun mit grünen Molekülen fortgeführt. Die TPP steht für Stabilität und Zukunftsfähigkeit in Sachsen-Anhalt.“

Was die TPP einzigartig macht

  • Semi-industrieller Maßstab – Produktion mehrerer tausend Tonnen E-Fuels pro Jahr
  • Vollständige Prozessintegration – Elektrolyse, CO₂-Abscheidung, Synthese, Aufbereitung
  • Modularer Aufbau – verschiedene Technologien parallel testbar
  • Betrieb unter Realbedingungen – Lastwechsel, Materialströme, Temperaturschwankungen
  • Kampagnenbetrieb – Einzelmodule oder Gesamtsystem flexibel testbar

Damit wird Leuna zum offenen Innovationslabor für Unternehmen, die Technologien zur Marktreife bringen wollen.

Aktueller Blick auf die Baustelle vom 25. November 2025, Foto: DLR

Warum strombasierten Kraftstoffen eine Schlüsselrolle zukommt

Strombasierte Kraftstoffe gelten als unverzichtbarer Bestandteil einer klimaneutralen Mobilitäts- und Energiestrategie. Sie werden überall dort relevant, wo Batterien oder gasförmiger Wasserstoff an technische oder wirtschaftliche Grenzen stoßen. Besonders deutlich zeigt sich das in der Luftfahrt: Flugzeugturbinen benötigen hochenergetische flüssige Kraftstoffe, und synthetisches PtL-Kerosin lässt sich chemisch nahezu identisch zu fossilem Kerosin herstellen. Dadurch kann es unmittelbar in bestehenden Triebwerken und Tanksystemen genutzt werden – ein entscheidender Vorteil für die schnelle Reduktion von CO₂-Emissionen im internationalen Flugverkehr.

Auch die weltweite Schifffahrt ist auf flüssige Energieträger angewiesen. Für Containerschiffe und Tanker fehlen praktikable elektrische Alternativen, weshalb E-Fuels mit ihrer hohen Energiedichte und globalen Transportfähigkeit eine realistische Perspektive für klimafreundliche maritime Logistikketten eröffnen. Im Schwerlastverkehr wiederum spielen Reichweite, Nutzlast und kurze Tankzeiten eine übergeordnete Rolle. Hier können dieselähnliche PtL-Kraftstoffe ohne grundlegende Änderungen an Motoren oder Infrastruktur eingesetzt werden, was eine besonders schnelle und pragmatische CO₂-Minderung ermöglicht.

Hinzu kommt, dass Europa über große Bestandsflotten in Verkehr, Landwirtschaft und Industrie verfügt, die noch über Jahre hinweg im Einsatz sein werden. Strombasierte Kraftstoffe bieten die seltene Möglichkeit, diese bestehenden Systeme klimafreundlich weiterzubetreiben, ohne sie austauschen oder umfassend umrüsten zu müssen. So schließen E-Fuels eine zentrale Lücke der Energiewende und stärken zugleich die technologische Souveränität Deutschlands, indem sie Versorgungssicherheit, Skalierbarkeit und Flexibilität miteinander verbinden.

Industrie, Innovation und Wertschöpfung: Leunas strategischer Vorteil

Mit der Technologieplattform Power-to-Liquid gewinnt der Chemiestandort Leuna weit über die Region hinaus an Bedeutung. Die Anlage schafft neue industrielle Wertschöpfung, indem sie Prozesse wie CO₂-Abscheidung und -Nutzung, Elektrolyse, Syntheseverfahren und die Qualitätssicherung von E-Fuels an einem Ort vereint. Dadurch entstehen vollständig neue Prozessschritte, die bestehende Industrien stärken und zusätzliche Akteure anziehen, die sich auf die Produktion erneuerbarer Moleküle spezialisieren wollen.

Gleichzeitig wächst Leunas technologische Kompetenz. Unternehmen und Forschungseinrichtungen erhalten eine einmalige Infrastruktur, um innovative Verfahren unter realen Bedingungen zu testen, zu optimieren und zur Marktreife zu bringen. Diese Kombination aus Forschungstiefe und industrieller Praxis schafft ein Umfeld, das international sichtbar ist und Investoren überzeugt. Die klare Unterstützung des Bundes sendet zudem ein starkes Signal: Leuna ist ein verlässlicher Standort für Zukunftstechnologien und langfristige industrielle Engagements.

Mit dem Aufbau der TPP entstehen schließlich auch zahlreiche Arbeitsplätze der Zukunft. Fachkräfte aus Verfahrenstechnik, Chemieingenieurwesen, Digitaltechnik, Energiewirtschaft oder Automatisierung finden hier ein attraktives Umfeld, in dem moderne Technologien nicht nur erforscht, sondern unmittelbar angewendet werden. Damit trägt das Projekt wesentlich dazu bei, Leuna als zentralen Arbeits- und Innovationsstandort der Energiewende zu etablieren.

Blick auf 2028 – Was der Forschungsbetrieb leisten soll

Mit Start des Betriebs werden jährlich mehrere Kampagnen durchgeführt. Ziele sind;

  • Senkung der Produktionskosten
  • Steigerung der Prozess- und Energieeffizienz
  • optimale Integration von CO₂- und Stromquellen
  • internationale Wettbewerbsfähigkeit
  • Mitgestaltung zukünftiger E-Fuel-Standards

Die TPP wird als Referenzprojekt für internationale Partnerschaften dienen – und die weltweite Aufmerksamkeit auf Leuna lenken.

Leuna wird Herzstück einer klimaneutralen Energiewelt

Mit der gesicherten Betriebsphase bis 2035 erhält Leuna eine Schlüsselrolle in Deutschlands E-Fuel-Strategie. Die TPP verbindet Forschung und Industrie, beschleunigt den Strukturwandel und macht Mitteldeutschland zu einem Motor der Energiewende.

Die Investition von 157 Millionen Euro zeigt deutlich: Deutschland setzt langfristig auf strombasierten, klimafreundlichen Kraftstoff – und Leuna steht im Zentrum dieser Transformation.

Gunnar Redmer

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