DOMO Chemicals in Leuna, Foto: DOMO

DOMO Chemicals Deutschland: Anlagen gehen in den Notbetrieb

Die deutschen Standorte der DOMO-Chemicals-Gruppe werden mit sofortiger Wirkung heruntergefahren und in einen Notbetrieb versetzt. Hintergrund ist das Scheitern der Verhandlungen mit den Gläubigern über ein kurzfristiges Massedarlehen. Ohne die dringend benötigten finanziellen Mittel zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs sieht sich der vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther gezwungen, die Produktion umgehend stillzulegen.

„Der Kontostand der insolventen Gesellschaften liegt bei annähernd null, und die Aussicht auf eine notwendige Zwischenfinanzierung hat sich heute zerschlagen“, erklärte Flöther. „Das bedeutet, dass wir leider den Plan B aktivieren müssen, den wir in den vergangenen Tagen gemeinsam mit der Geschäftsführung vorbereitet haben. Oberste Priorität hat nun die Gewährleistung der Anlagensicherheit.“

Unmittelbar nach dem Scheitern der Finanzierungsgespräche informierte der vorläufige Insolvenzverwalter die Beschäftigten sowie die zuständigen Behörden. In den vergangenen Tagen hatte Flöther intensiv mit den Gläubigern verhandelt, um eine Freigabe gepfändeter Konten in Form eines sogenannten Massedarlehens zu erreichen. Ziel war es, den Geschäftsbetrieb zumindest bis zum Monatsende fortführen zu können. Voraussetzung hierfür wäre die einstimmige Zustimmung aller beteiligten Sicherungsgläubiger gewesen.

„Wir haben bis zuletzt dafür gekämpft, doch diese Einstimmigkeit konnte leider nicht erzielt werden“, so Flöther weiter.

Welche Folgen die Stilllegung für die Anlagen und deren spätere Verwertung haben wird, ist derzeit offen. „Wir unterstützen die Geschäftsführung dabei, die Anlagen sicher herunterzufahren. Ob sie sich später ohne Schäden wieder anfahren und weiter nutzen lassen, ist ungewiss“, sagte Flöther. „Für die Anlagen selbst, den gesamten Chemiestandort und nicht zuletzt für die Gläubiger wäre ein dauerhafter Ausfall eine Katastrophe.“

Die drei deutschen Tochtergesellschaften der DOMO-Chemicals-Gruppe hatten am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt, nachdem auf Gruppenebene Gespräche über eine weitere Finanzierung gescheitert waren. Betroffen sind die DOMO Chemicals GmbH in Leuna mit rund 35 Beschäftigten, die DOMO Caproleuna GmbH ebenfalls in Leuna mit etwa 480 Beschäftigten sowie die DOMO Engineering Plastics GmbH in Premnitz mit rund 70 Beschäftigten. Andere Unternehmen der internationalen DOMO-Gruppe sind von den Insolvenzverfahren nicht betroffen.

Die DOMO Caproleuna GmbH produziert organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol und Aceton sowie Polyamid 6 als Hauptprodukt, besser bekannt als Nylon 6. Der vielseitige technische Kunststoff findet unter anderem Anwendung in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern.

Am Standort Premnitz stellt die DOMO Engineering Plastics GmbH ebenfalls Polyamid 6 sowie sogenannte Compounds her. Dabei handelt es sich um technische Kunststoffe, bei denen Polyamid gezielt mit Zusatzstoffen kombiniert wird, um Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit oder Schlagzähigkeit präzise einzustellen. Diese Materialien werden vor allem in der Automobil-, Elektro- und Konsumgüterindustrie eingesetzt.

In der DOMO Chemicals GmbH sind die administrativen Funktionen der drei deutschen Gesellschaften gebündelt. Wie es mit den Standorten weitergeht, bleibt vorerst offen.

Falk Morgenstern

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