Abschied: Siegrun Greiff hat bei Caprolactam und Plaste ihren Berufsweg begonnen und beendet ihn nun bei Innospec
Es sind die letzten Tage, die Siegrun Greiff noch bei Innospec tätig ist. Im August beginnt der Ruhestand. Der wohlverdiente, wie es immer heißt. Und so ist es. Trotzdem… „Das wird mir schon fehlen“, sagt sie. Und sie meint damit neben der Atmosphäre im Unternehmen und der Arbeit selbst wohl zuallererst die Kollegen, mit denen sie Tag für Tag zusammenarbeitete. „Das gute Miteinander“, wie sie es ausdrückt. „Wir sind nicht verwöhnt, da fallen auch mal raue Töne. Es hängt ja auch viel dran.“
Nie, sagt sie, hätte sie jemanden hängenlassen. „Wir haben es immer zusammen geschafft.“ So kennen sie ihre Kollegen. Und so schätzen sie sie. Auch Geschäftsführer Dietrich von der Wense. Für ihn ist Siegrun Greiff ein „Paradebeispiel für die wunderbaren Mitarbeiter, die wir in Leuna haben. Die mit beeindruckender Loyalität und Einsatzfreude ihre Arbeit machen“. Er verabschiede sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge, gibt er zu. „Das darf auch ein Chef mal so sagen. Der Abschied ist verdient, aber es ist ein Abschied von einer Frau, die jahrzehntelang tolle Arbeit geleistet hat.“ Das bestätigen die Kollegen. Obwohl, wie sie selbst sagt, sie das nicht als etwas Besonderes sieht. „Das war meine Arbeit. Und ich hab mich hier wohlgefühlt.“
Siegrun Greiff hat ihr ganzes Arbeitsleben in dieser Anlage gearbeitet, die in der DDR Caprolactam und Plaste hieß und nach der Wende als Leuna Polymer GmbH fungierte, um nach deren Insolvenz 2004 in die Innospec Leuna GmbH überzugehen. Dabei lag die Entscheidung für Leuna für sie nach der Schule auf der Hand. Da lockte nichts Pathetisches oder Exotisches. „Da fuhr der Bus hin“, sagt sie. „Man musste ja hinkommen zur Arbeit.“ Und was sie dort erwarten würde, dass konnte sie bestenfalls ahnen. Berufsberatung oder Praktika? Sie schüttelt den Kopf und lächelt. Sowas gab es nicht.
Doch hatte sie es sehr gut getroffen. Weil sie gern die Dinge selbst in die Hand nimmt und die Praxis sie begeistert, war sie hier genau richtig. „Ich musste alles machen in der Anlage – Kompressoren fahren, Extruder bedienen und mehr, bis ich am Reaktor stand. Ich hatte viele Prüfungen. Aber es hat mir immer Freude gemacht.“
Ein Einschnitt war die Wende. Plötzlich hielt sie bei Caprolactam und Plaste wie Hunderttausende andere im Osten 1996 die Kündigung in der Hand. Doch das Blatt sollte sich wenden. Über Nacht. Sie erinnert sich: Ein Kollege hatte ihr gesagt, Siegrun wir gehen erst nächste Woche aufs Amt. „Tja, da konnten wir plötzlich die Kündigung zerreißen, da war ein Eigentümer für die Anlage gefunden“, erzählt sie. „Ich war noch nie auf dem Arbeitsamt.“ Das empfindet sie als ein Glück.
Siegrun Greiff, die wegen ihrer damals kleinen Tochter aus dem Schichtsystem ausstieg, war seit 2008 im Musterversand beschäftigt. Sie ist der Firma treu geblieben. Und hat sie mitgetragen durch alle Höhen und alle Tiefen. Nie sei für sie infrage gekommen, anderswo arbeiten zu wollen, sagt sie. In Kleinkorbetha wird sie sich jetzt Haus und Garten widmen. Bald auch zusammen mit ihrem Mann. Die Verbindung zu Innospec bleibt. Da ist sie sich ganz sicher. Ihre Tochter hat nicht nur hier gelernt, sie hat gerade ihren Arbeitsvertrag unterschrieben.
Christine Färber





