Innospec beschreitet energieeffiziente Wege
Nicht ein einziges Mal standen bei Innospec seit Beginn der für die deutsche Industrie so harten Jahre die Anlagen still. Obwohl wie allen Unternehmen auch dem Hersteller von Kraftstoff-Additiven, Industrie-Wachsen und Plastik-Zuschlagstoffen deren Auswirkungen im Nacken sitzen, sagt Matthias Schmidt, Leiter des Bereichs Einkauf, »haben wir nie die Produktion drosseln müssen, konnten wir unsere Kunden immer beliefern, haben wir alles gut gemeistert in den letzten zwei Jahren.« Und er meint damit zuallererst den extremen Preisanstieg bei Rohstoffen und Energie. Aber auch die Tatsache, dass hier und da Lieferketten gerissen sind.
Zweifellos stehen dahinter gewaltige Anstrengungen. Aber auch ein gutes unternehmerisches Konzept und Mitarbeiter, von denen Innospec-Geschäftsführer Dietrich von der Wense sagt, er sei stolz auf ihre Kreativität, Einsatzfreude und Loyalität der Firma gegenüber. Das heftigste Problem derzeit ist für das energieintensive Unternehmen der Strompreis. Denn Strom ist das, was Innospec neben Erdgas und Dampf am meisten braucht.
Die Produktionsanlage, die jährlich an sieben Tagen der Woche 24 Stunden arbeitet, hat quasi Dauerhunger. Und der ist groß. »Der Verbrauch entspricht dem einer Stadt wie Leuna«, macht Schmidt deutlich. »Das ist gigantisch, das macht uns das Leben jetzt schwer.« Überall am Chemiestandort ist es zu merken: Der Preis ist extrem gestiegen – vor allem in den letzten zwei Jahren. Doch ist das international bei weitem nicht überall so.
Energieverfügbarkeit und ihr Preis – beides längst entscheidende Kriterien im internationalen Wettbewerb. Während die IG BCE davon ausgeht, dass in den USA oder in China der Strompreis pro Kilowattstunde künftig bei 3 Cent liegt, bewegt er sich in Deutschland laut Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft aktuell um 26 Cent (2022 über 50 Cent inkl. Steuern und Abgaben), in Frankreich zwischen 10 und 15 Cent. Längst fordern die energieintensiven Unternehmen (vor allem Stahl- und Chemieindustrie) einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis von 6 Cent pro Kilowattstunde. »Das würde uns sehr helfen«, so Schmidt, »aber wir können jetzt nicht damit planen, sondern müssen uns aktuell selbst kümmern.«

Und das tut Innospec. Mit Erfolg. Nicht nur eine optimierte Lagerhaltung und die Konzentration auf europäische Zulieferer trägt Früchte. So wird der Wertschöpfungsprozess des international aufgestellten Unternehmens auch mehr und mehr nach Leuna verlegt. Im November geht beispielsweise die Pastellieranlage – eine siebenstellige Investition – in Betrieb. Damit ist Innospec in der Lage, ein eigenes Produkt selbst zu veredeln, das bis dato anderswo bearbeitet wurde. Auch und gerade in Sachen Energieeffizienz stehen Projekte an. So wird künftig die Abwärme, die aus dem Verbrennungsprozess der Produktionsabfälle entsteht, in den betrieblichen Kreislauf zurückgeführt. Zudem geht demnächst eine Entspannungsturbine in Betrieb, die die Energie, die bei der Transformation von Hoch- auf Niederdruck entsteht und bislang entschwand, aufnimmt und in den internen Stromkreislauf einspeist.
Diese Idee übrigens ist gewachsen aus dem Erfahrungsaustausch und dem »best practice« des Netzwerks Energieeffizienz Mitteldeutschland, zu dessen Gründern Innospec gehört. »Diese Zusammenarbeit ist total sinnvoll «, stellt Silvio Kammer, Leiter des Bereichs Technik bei Innospec, fest. Gute Erfahrungen hat das Unternehmen auch mit dem Lastspitzen-Management gemacht. Demzufolge spürt eine Software Reserven auf, so dass gezielt Anlagenteile temporär abgeschaltet werden können.
All diese Maßnahmen, die freilich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können, helfen schon, wie Schmidt erklärt. »Wir wollen Energie sparen und so insgesamt den CO2-Abdruck verringern. Wir haben letztlich prinzipiell ja alle Interesse daran, die erneuerbaren Energien zu forcieren. Und wir hoffen, dass die Stromversorger künftig das zu günstigen Preisen tun können.« Er hoffe, sagt er, dass Rohstoff und Energiekosten auf ein Maß finden, »das man managen kann«. Und er hofft auf die Stabilität des Marktes. Auf einen Ausgleich der Preise in Europa und auf einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis.
Christine Färber





