Wasserstoffoffensive in Leuna – Sachsen-Anhalt beschleunigt die Energiewende
Energieminister Prof. Dr. Armin Willingmann überreichte am 13. August einen Förderbescheid in Höhe von knapp 4,3 Millionen Euro an die Industriegasgruppe Linde. Damit soll eine neue Elektrolyseanlage mit 5 Megawatt Leistung am Standort Leuna (Saalekreis) entstehen – als entscheidender Baustein für den regionalen Ausbau der grünen Wasserstoffwirtschaft.
Produktion, Klimaschutz und Infrastruktur – alles im Fokus
Die neue alkalische Elektrolyseanlage wird mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben und soll bereits bis Ende 2026 jährlich rund 450 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen. Dieser wird über existierende Pipelines an industrielle Abnehmer geliefert, ersetzt fossile Energieträger und führt zu einer Einsparung von rund 4.500 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Willingmann betonte die Bedeutung dieses Projekts für den nationalen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. „Sachsen-Anhalt macht Tempo beim grünen Wasserstoff. Die Investition von Linde stärkt die nachhaltige Transformation unserer Industrie und sendet wichtige Signale für Innovation und wirtschaftlichen Aufbruch“, erläuterte er. Zugleich warnte er vor geplanten Kürzungen bei Förderprogrammen: „Wer den Wasserstoffhochlauf heute ausbremst, riskiert morgen industrielle Rückschritte.“
Ein nationaler Leuchtturm wird weiter ausgebaut
Damit ist Sachsen-Anhalt wieder Vorreiter: Der Standort Leuna beherbergt derzeit bereits einen 24‑Megawatt-Elektrolyseur, der im Rahmen früherer Wasserstoffstrategie-Förderungen realisiert wurde. Zusammen mit der neuen Anlage wächst die installierte Leistung im Land auf rund 60 Megawatt – ein wichtiger Schritt für die regionale Versorgungssicherheit.
Pipeline und Wasserstoffnetz: Schnittstellen werden ausgebaut
Parallel zur Produktion werden auch Verteiler- und Transportwege ausgebaut. So wird das sogenannte Green Octopus Mitteldeutschland-Projekt umgesetzt – eine zentrale Pipeline-Infrastruktur, die das Chemiedreieck, Leipzig‑Halle, Magdeburg und schließlich Salzgitter vernetzt. Insgesamt rund 300 Kilometer, davon etwa 200 Kilometer im Sachsen-Anhalt-Abschnitt, mit einem Investitionsvolumen von 83 Millionen Euro – gefördert zu rund 70 % durch den Bund (circa 43 Millionen Euro) und 30 % durch das Land (18 Millionen Euro). Bis Ende 2028 soll der Großteil der Leitungen betriebsbereit sein, flankiert vom Aufbau eines Wasserstoffspeichers mit 50 Mio. m³ Arbeitsgasvolumen.
Willingmann hatte hierzu erklärt: „Sachsen-Anhalt wird sich in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Kraftzentrum der nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft entwickeln.“
Mit grüner Energie Wachstum schaffen
Die Kombination aus Produktionsanlagen, Speicher- und Transportnetz sowie infrastruktureller Einbettung macht Sachsen-Anhalt zu einem zentralen Standort der Wasserstoffstrategie. Eine Studie des Kölner Energieberatungsunternehmens r2b Energy Consulting prognostiziert für das Land bis 2045 rund 27 000 zusätzliche Arbeitsplätze und eine jährliche Wertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro.
Standortentwicklung und politische Weichenstellung Hand in Hand
Der heutige Förderbescheid reiht sich ein in eine Reihe politisch-strategischer Weichenstellungen. Bereits 2024 wurde die Landes-Wasserstoffstrategie vorgestellt – mit klaren Zielen: Ausbau der erneuerbaren Energien, Aufbau von Elektrolyseleistung und Netzstruktur, Stärkung der institutionellen Rahmenbedingungen (z. B. Landeskoordinierungsstelle bei LENA, Landesdialog Wasserstoff).
Die erfolgreiche Einbindung von Forschung und Technologie zeigt sich auch am Hydrogen Lab Leuna, einer Fraunhofer-Forschungseinrichtung zur Marktnähe innovativer Wasserstofftechnologien – ebenfalls gefördert durch Willingmann. Damit stärkt das Land nicht nur Technologie- und Forschungsstandorte, sondern setzt gezielt auf Fachkräfte, Aus- und Weiterbildung und Innovationsförderung.
Sachsen-Anhalt auf Kurs zur Wasserstoffzukunft
Die Fördermaßnahme ist mehr als ein symbolischer Akt – es ist ein konkreter Schritt, der zeigt, dass Sachsen-Anhalt in der Wasserstoffwirtschaft nicht nur ein Mitspieler ist, sondern eine treibende Rolle einnimmt. Von der Produktion über Transport bis zur Speicherung: Die Region entwickelt eine umfassende Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff. Damit gewinnt der Strukturwandel nicht nur ökologische Relevanz – er schafft Wachstum, Beschäftigung und internationale Sichtbarkeit.
Gunnar Redmer





