Luftbildaufnahme vom Energiepark Bad Lauchstädt, Foto: Tom Schulze

Energiepark Bad Lauchstädt auf der Zielgeraden: Grüner Wasserstoff wird Realität

Ein weiterer Meilenstein für die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland ist erreicht: Mit der Anlieferung der ersten Elektrolyse-Stacks schreitet der Aufbau des Energieparks Bad Lauchstädt zügig voran. In wenigen Monaten soll die 30-Megawatt-Anlage ihren Betrieb aufnehmen und erstmals klimaneutralen Wasserstoff im industriellen Maßstab produzieren. Das Reallabor, das künftig die TotalEnergies-Raffinerie in Leuna versorgen wird, zeigt eindrucksvoll, dass wirtschaftlich tragfähige Wasserstoffprojekte in Deutschland keine Vision mehr sind – sondern Realität werden.

Vom Plan zur industriellen Umsetzung

Die Montage der ersten Elektrolyse-Stacks markiert den Übergang von der Bau- in die Umsetzungsphase. Das Projekt, getragen von Uniper und der VNG Handel & Vertrieb GmbH (VNG H&V), bringt damit das Herzstück der Wasserstoffproduktion an seinen Platz. In Bad Lauchstädt entsteht aus Windstrom und Wasser grüner Wasserstoff – ein Energieträger, der gespeichert, transportiert und flexibel genutzt werden kann. Diese Sektorenkopplung gilt als Schlüssel zur Energiewende: Sie verbindet Strom-, Wärme- und Industriesektoren und schafft so ein integriertes Energiesystem.

„Für das Projektteam ist das ein bewegender Moment“, sagt Cornelia Müller-Pagel, Sprecherin des Konsortiums Energiepark Bad Lauchstädt. „Nach der Inbetriebnahme wird hier erstmalig grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert – bis zu 4.000 Tonnen jährlich. Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung des mitteldeutschen Chemiedreiecks.“ Müller-Pagel betont, dass der Energiepark nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich ein Vorbild sei: „Er zeigt, dass Wasserstoffprojekte in Deutschland machbar und tragfähig sind – ein zentrales Signal für die Energiewende.“

Aron Guttowski, Senior Manager Project Management Electrolysis bei Sunfire, Xenia Papst, Senior Commercial Manager Hydrogen Germany bei Uniper und Sebastian Pflüger, Geschäftsführer der Elektrolyse Mitteldeutschland GmbH / VNG H&V, Foto: Tom Schulze

Technologie aus Sachsen: Präzision und Leistung

Die Elektrolysetechnik stammt vom Dresdner Unternehmen Sunfire, einem führenden Spezialisten für industrielle Wasserstofflösungen. Der Druck-Alkali-Elektrolyseur besteht aus drei Modulen mit jeweils zehn Megawatt Leistung. Jedes Modul enthält zwei Stacks, die wiederum aus vier Blöcken bestehen. Die zwölf Tonnen schweren Blöcke werden in insgesamt 24 Einzellieferungen nach Bad Lauchstädt transportiert und vor Ort montiert.

„Die Stacks sind das Herzstück des Elektrolyseurs“, erläutert Xenia Papst, Senior Commercial Manager Hydrogen Germany bei Uniper. „Sie wandeln erneuerbaren Strom aus Windenergie in Wasserstoff um – effizient, modular und skalierbar. Mit jedem weiteren Stack wächst die Leistung der Anlage, bis wir die volle Kapazität von 30 Megawatt erreichen.“
Auch Aron Guttowski von Sunfire hebt die Bedeutung des Gemeinschaftsprojekts hervor: „In einem Reallabor wie diesem zeigt sich der Wert starker Partnerschaften. Wir bündeln Expertise, lernen voneinander und beweisen, dass Wasserstofftechnologien heute schon industrietauglich sind.“

Ein Pilotprojekt mit Signalwirkung

Besonders innovativ ist die Nutzung bestehender Infrastruktur: Der produzierte Wasserstoff wird über eine ehemalige Erdgaspipeline der ONTRAS Gastransport GmbH zur 25 Kilometer entfernten TotalEnergies-Raffinerie in Leuna transportiert. Diese Umwidmung fossiler Netze für klimaneutrale Energieträger gilt als entscheidender Schritt, um den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft effizient und kostengünstig voranzutreiben.

Der Energiepark Bad Lauchstädt zählt zu den größten Pilotvorhaben dieser Art in Europa. Er vereint die Erzeugung erneuerbarer Energie, modernste Elektrolysetechnik und zukunftsweisende Transportlösungen zu einem funktionalen Gesamtsystem. „Mit dem Start der Elektrolyse sichern wir nicht nur den nächsten Technologiesprung, sondern auch die langfristige Wirtschaftlichkeit des Energieparks“, sagt Sebastian Pflüger, Senior Project Manager Hydrogen bei VNG H&V. „Grüner Wasserstoff wird hier nicht nur produziert, sondern direkt genutzt – das schafft regionale Wertschöpfungsketten und internationale Aufmerksamkeit.“

Energiewende made in Mitteldeutschland

Mit der technischen Inbetriebnahme Ende des Jahres wird der Energiepark Bad Lauchstädt zu einem zentralen Baustein der deutschen Energiewende. Hier wird erstmals die gesamte Prozesskette – von der Erzeugung mit Windstrom über die Elektrolyse bis zur industriellen Nutzung – unter realen Bedingungen erprobt. Das Projekt stärkt die Innovationskraft der Region und positioniert Mitteldeutschland als Vorreiter im Aufbau einer klimaneutralen Industrie.

Darüber hinaus liefert das Reallabor wertvolle Erkenntnisse für den künftigen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Es zeigt, wie ambitionierte Klimaziele durch konkrete industrielle Umsetzung erreicht werden können – und dass die Transformation nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Ein Blick nach vorn

Mit der bevorstehenden Inbetriebnahme rückt das Ziel einer nachhaltigen Energiezukunft ein Stück näher. Der Energiepark Bad Lauchstädt steht exemplarisch für das Zusammenspiel von Innovation, regionaler Stärke und industrieller Kooperation. Er beweist, dass grüne Wasserstoffproduktion nicht länger eine Zukunftsvision ist, sondern Teil einer neuen Realität – einer Realität, die den Weg in ein klimaneutrales Zeitalter ebnet.

Gunnar Redmer

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