Leuna. Nur zweieinhalb Monate nach dem Neustart steht das ehemalige Domo-Chemiewerk in Leuna erneut vor einer ungewissen Zukunft. Die LEUNA-Polyamid GmbH hat am 17. Juni beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das teilte das Unternehmen mit.
Als Hauptursache werden drastisch gestiegene Rohstoffpreise infolge der geopolitischen Spannungen in der Golfregion genannt. Besonders wichtige Vorprodukte wie Benzol, Propylen und Schwefel hätten sich innerhalb kurzer Zeit um 40 bis 100 Prozent verteuert. Die Kostensteigerungen hätten die Finanzplanung des Unternehmens erheblich belastet.
Die LEUNA-Polyamid GmbH hatte erst zum 1. April 2026 die Vermögensgegenstände der insolventen DOMO Caproleuna GmbH übernommen und den Betrieb fortgeführt. Gesellschafter des Unternehmens sind die am Chemiestandort etablierten Firmen LEUNA-Harze GmbH und InfraLeuna GmbH. Mit der Übernahme sollte der Fortbestand der Anlagen sowie der stoffwirtschaftlichen und energetischen Verbundstrukturen am Standort gesichert werden.
Gute Auslastung, aber hoher Liquiditätsbedarf
Nach Angaben des Unternehmens verlief der Neustart operativ erfolgreich. Dank der hohen Einsatzbereitschaft der Beschäftigten, der Loyalität der Kunden und einer starken Nachfrage nach den Produkten aus Leuna konnte die Auslastung der Anlagen bereits im April deutlich gesteigert werden. Das Unternehmen erreichte nach eigenen Angaben einen wirtschaftlich tragfähigen Anlagenbetrieb.
Die unerwartet starken Preissteigerungen bei den Rohstoffen trafen jedoch auf ein junges Unternehmen, das noch keine finanziellen Reserven aufbauen konnte. Zusätzlich bestanden wichtige Lieferanten aufgrund der Unternehmenshistorie auf Vorauskasse für Rohstofflieferungen. Dadurch erhöhte sich der Liquiditätsbedarf deutlich über die ursprünglichen Planungen hinaus.
„Das Geschäftsmodell funktioniert, wir haben aber ein Liquiditätsproblem“, erklärte InfraLeuna-Geschäftsführer Christof Günther.
Sanierung unter Eigenverwaltung
Mit dem Verfahren in Eigenverwaltung soll der Geschäftsbetrieb fortgeführt und das Unternehmen saniert werden. Die Geschäftsführung bleibt dabei handlungsfähig und steuert den Restrukturierungsprozess selbst unter gerichtlicher Aufsicht.
Eine zentrale Rolle wird nun die Suche nach einem strategischen Investor spielen, der zusätzliche Liquidität bereitstellt und die langfristige Entwicklung des Unternehmens absichert. Die Verantwortlichen sehen die Ausgangslage dabei deutlich besser als noch zu Beginn des Jahres.
„Die Anlagen laufen, der Markt nimmt unsere Produkte ab“, betont Günther. Die hoch verfügbaren Produktionsanlagen, die erfahrene Belegschaft sowie die Einbindung in den Stoffverbund des Chemiestandorts Leuna würden gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Fortführung bieten.
Bedeutung für den Chemiestandort
Die erneute Insolvenz stellt dennoch einen Rückschlag für den traditionsreichen Chemiestandort Leuna dar. Das Werk ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Chemieindustrie und eng in die Wertschöpfungs- und Versorgungsstrukturen des Standorts eingebunden.
Die kommenden Monate werden nun zeigen, ob es gelingt, einen Investor zu gewinnen und die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen für eine langfristig stabile Zukunft der LEUNA-Polyamid GmbH zu schaffen.
Gunnar Redmer





