Bitterfeld-Wolfen. Vom 12. bis 27. September wird die Region Bitterfeld-Wolfen erneut zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Kulturereignisses. Das Festival OSTEN geht in seine dritte Ausgabe und bespielt unter dem Titel „Kraftwerk – Zukunft“ erstmals zwei markante Orte der Industrie- und Transformationsgeschichte: das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz sowie Wolfen-Nord. Mit rund 100 Veranstaltungen aus Kunst, Theater, Musik, Wissenschaft und gesellschaftlichem Dialog lädt das Festival Besucherinnen und Besucher dazu ein, über die Zukunft der Region und die Herausforderungen gesellschaftlicher Veränderungen nachzudenken.
Die Entwicklung des Festivals zeigt, wie groß das Interesse an kulturellen Formaten ist, die regionale Geschichte mit aktuellen Zukunftsfragen verbinden. Die erste Ausgabe „Welcome to Bitterfeld“ lockte 2022 mehr als 5.000 Besucher an. 2024 kamen zur Ausgabe „Welt Weit Wolfen“ bereits über 7.000 Gäste. Auch das Festivalwochenende „Osten unter Strom“ im Jahr 2025 setzte die erfolgreiche Entwicklung fort und machte deutlich, dass sich das Festival längst als fester Bestandteil der Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt etabliert hat.
„Festival Osten – da, wo die Sonne aufgeht“, beschreibt Thies Schröder die Idee hinter dem Kulturereignis. Der Satz steht sinnbildlich für den Anspruch des Festivals, den Osten Deutschlands nicht als Randlage, sondern als Ausgangspunkt neuer Perspektiven zu begreifen. Zwischen den historischen Orten Zschornewitz und Wolfen-Nord sollen Begegnungen entstehen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden.
Seine Wurzeln hat das Projekt in einer Initiative von Kulturschaffenden, die sich nach den gesellschaftlichen Debatten rund um die Bundestagswahl 2017 mit den Umbruchserfahrungen Ostdeutschlands auseinandersetzen wollten. Ziel war und ist es, Kunst als Plattform für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven zu nutzen. Das Festival versteht sich als Ort des gesellschaftlichen Diskurses und will Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Lebenswirklichkeiten zusammenbringen. Dabei geht es nicht nur um die Geschichte des Ostens, sondern auch um die Frage, wie Regionen im Wandel ihre Zukunft selbst gestalten können.
Festival für die Region – und weit darüber hinaus
Das Festival richtet sich bewusst nicht nur an ein klassisches Kulturpublikum. Angesprochen werden Menschen aus Bitterfeld-Wolfen und der Region ebenso wie Gäste aus ganz Deutschland, die den Osten aus einer neuen Perspektive kennenlernen möchten. Kunst wird dabei zum Anlass, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen. Theater, Konzerte, Ausstellungen, Gesprächsformate, Workshops und gemeinsame Aktionen schaffen Räume für Begegnung und Beteiligung.




Kraftwerk Zschornewitz als Symbol des Wandels
Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe steht das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz. Das 1916 in Betrieb genommene Werk galt einst als größtes Braunkohlekraftwerk der Welt und war über Jahrzehnte ein Symbol industrieller Leistungsfähigkeit. Von hier aus wurden Städte, Fabriken und Haushalte mit Strom versorgt. Nach der Stilllegung in den 1990er Jahren blieb eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Deutschlands zurück.
Untrennbar mit dem Kraftwerk verbunden ist die Siedlung Zschornewitz. Sie entstand als Wohnort für die Beschäftigten und entwickelte sich zu einer der größten Kraftwerkssiedlungen Deutschlands. Nach dem Vorbild einer Gartenstadt geplant, verfügte sie über Wohnhäuser, Schule, Kirche und Freizeiteinrichtungen. Das Leben der Menschen war eng mit dem Schichtbetrieb des Kraftwerks verbunden. Heute steht die Siedlung ebenso wie das Kraftwerk für die industrielle Geschichte Mitteldeutschlands und für die tiefgreifenden Veränderungen, die die Region in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat.
Das Festival nutzt diesen besonderen Ort, um über Energie in einem umfassenden Sinn nachzudenken: über die Energie vergangener Industrien ebenso wie über gesellschaftliche Energie, die für die Zukunft notwendig ist. Gemeinsam mit dem Forum Rathenau werden dabei Fragen zu Klimawandel, Energieversorgung, Kohlenstoffkreisläufen und regionalen Entwicklungsperspektiven diskutiert.
Wolfen-Nord als Ort der Begegnung
Neben Zschornewitz wird Wolfen-Nord zum zweiten Festivalzentrum. Der Stadtteil entstand einst als Wohngebiet für die Beschäftigten der Filmfabrik Wolfen und zählte zu DDR-Zeiten rund 35.000 Einwohner. Nach der Wiedervereinigung verlor Wolfen-Nord einen Großteil seiner Bevölkerung und wurde zu einem Symbol des Strukturwandels in Ostdeutschland.
Rund um den ehemaligen Jugendclub 84 entsteht während des Festivals ein lebendiger Ort für Kunst, Nachbarschaft und Zukunftsfragen. Zahlreiche Projekte wurden gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelt. So entstehen persönliche Klanglandschaften, gemeinschaftliche Kunstprojekte und neue Treffpunkte im Quartier. Wolfen-Nord wird damit selbst zur Bühne für Geschichten über Wandel, Zusammenhalt und neue Perspektiven.
Hochkarätiges Programm mit prominenten Gästen
Zu den Gästen des Festivals gehören unter anderem Schauspieler Charly Hübner, die Philosophin Eva von Redecker, Mitglieder des RIAS Kammerchors, das Performancekollektiv She She Pop, Rimini Protokoll und der Künstler Mats Staub. Ergänzt wird das Programm durch wissenschaftliche Formate des Forum Rathenau sowie zahlreiche Projekte aus der Region.
Insgesamt umfasst das Festival nahezu 100 Veranstaltungen – von Konzerten und Performances über Ausstellungen und Filmvorführungen bis hin zu Workshops, Diskussionen und Exkursionen. Viele Projekte wurden über Monate gemeinsam mit Menschen aus Bitterfeld-Wolfen entwickelt und greifen deren Erfahrungen und Perspektiven auf.
Ticketvorverkauf hat begonnen
Der Vorverkauf für das Festival OSTEN ist bereits gestartet. Angeboten werden Tageskarten, die den Zugang zu beiden Festivalstandorten ermöglichen. Die Veranstalter setzen auf ein solidarisches Preismodell mit unterschiedlichen Preisstufen, um möglichst vielen Menschen den Besuch zu ermöglichen. Tickets und das vollständige Programm sind online unter www.osten-festival.de erhältlich.
Zelten in Wolfen-Nord
Für Besucherinnen und Besucher, die mehrere Tage auf dem Festival verbringen möchten, sind in Wolfen-Nord Übernachtungsmöglichkeiten mit Zeltflächen vorgesehen. Dadurch können Gäste das Programm über mehrere Tage hinweg erleben und gleichzeitig die besondere Atmosphäre zwischen den beiden Festivalorten genießen. Die Verbindung zwischen Kraftwerk Zschornewitz und Wolfen-Nord übernimmt ein Festivalbus, der regelmäßig zwischen den Standorten pendelt.
Mit seinem einzigartigen Zusammenspiel aus Industriekultur, Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlichem Dialog setzt das Festival OSTEN auch 2026 ein Zeichen für die kulturelle Strahlkraft der Region. Wo einst Energie für Fabriken und Städte erzeugt wurde, entstehen heute neue Ideen für die Zukunft – und Räume für Begegnungen, die weit über das Festival hinaus wirken.
Gunnar Redmer





