Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland erhält rund 690.000 Euro Fördermittel aus dem Bundesprogramm STARK, um die CCUS-Initiative Ostdeutschland weiter auszubauen. Ziel des Vorhabens ist es, Ostdeutschland stärker in den bundesweiten Diskurs über Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlendioxid (CCUS) einzubinden und gleichzeitig konkrete Grundlagen für eine zukünftige CO₂-Infrastruktur zu schaffen.
Mit dem Projekt sollen insbesondere industrielle Regionen in Ostdeutschland besser auf den Umgang mit unvermeidbaren CO₂-Emissionen vorbereitet werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Planung einer überregionalen Transportstruktur für abgeschiedenes CO₂. Geplant ist dazu eine Gemeinschaftsstudie mit dem Titel „CO₂-Sammelnetz Ostdeutschland“, die Potenziale, Bedarfe und mögliche Trassen für ein solches Netz untersuchen soll. Perspektivisch könnte eine entsprechende Infrastruktur CO₂ aus verschiedenen Industrieanlagen bündeln und entweder zur Nutzung weiterleiten oder zur dauerhaften Speicherung transportieren.
„Wir freuen uns sehr über die Förderung, mit der wir die Aktivitäten der CCUS-Initiative Ostdeutschland weiter ausbauen können. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit von Industrie, Wissenschaft und Infrastrukturbetreibern, um konkrete Projekte zur CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung voranzubringen“, erklärt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland.
Schlüsseltechnologie für schwer vermeidbare Emissionen
CCUS-Technologien gelten international als wichtiger Baustein für den Klimaschutz – insbesondere in Industriezweigen, in denen prozessbedingte Emissionen kaum vermeidbar sind. Dazu zählen etwa die Zement-, Kalk- und Chemieindustrie, bei denen CO₂ nicht nur durch Energieverbrauch, sondern direkt durch chemische Produktionsprozesse entsteht.
Während erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen viele Emissionen reduzieren können, bleibt in diesen Branchen ein Rest, der technisch schwer zu vermeiden ist. Hier setzen CCUS-Verfahren an: CO₂ wird direkt an der Quelle abgeschieden, anschließend transportiert und entweder weiterverwendet – etwa für synthetische Kraftstoffe oder chemische Produkte – oder dauerhaft in geologischen Formationen gespeichert.
Deutschland befindet sich derzeit in einer politischen und regulatorischen Phase der Neuorientierung beim Thema CO₂-Speicherung. Lange Zeit war diese Technologie politisch umstritten. Angesichts der ambitionierten Klimaziele und der schwierigen Dekarbonisierung bestimmter Industrien rückt CCUS jedoch zunehmend wieder in den Fokus von Bundesregierung, Industrie und Forschung.
Plattform für Zusammenarbeit in Ostdeutschland
Die CCUS-Initiative Ostdeutschland wurde von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland gemeinsam mit dem House of Transfer des Fraunhofer-Instituts für Windenergiesysteme IWES ins Leben gerufen. Ziel ist es, Akteure aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenzubringen und den Austausch entlang der gesamten CO₂-Wertschöpfungskette zu fördern.
Die Initiative organisiert Dialogformate, stößt Studien an und macht regionale Potenziale sichtbar. Gerade in Ostdeutschland sehen viele Akteure Chancen, frühzeitig industrielle Netzwerke und Infrastruktur für CO₂-Management aufzubauen. Neben Industrieunternehmen beteiligen sich auch Forschungseinrichtungen sowie potenzielle Infrastrukturbetreiber.
Die Förderung stammt aus dem Bundesprogramm STARK (Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerksstandorten). Das Programm unterstützt Projekte in Regionen, die vom Kohleausstieg betroffen sind, und soll neue wirtschaftliche Perspektiven im Zuge der Energiewende schaffen.
Mit der jetzt bewilligten Förderung will die Metropolregion Mitteldeutschland einen Beitrag dazu leisten, dass Ostdeutschland künftig eine aktive Rolle beim Aufbau einer nationalen CO₂-Management-Infrastruktur spielt. Langfristig könnten entsprechende Netze und Technologien eine wichtige Rolle dabei übernehmen, die Industrie klimaneutral auszurichten und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Falk Morgenstern





