Die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zur Reform der Primärversorgung stoßen in Sachsen-Anhalt auf breite Zustimmung. Laut einer aktuellen repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Sachsen-Anhalt befürworten 59 Prozent der Befragten die Idee, Facharzttermine künftig grundsätzlich über eine Überweisung zu vergeben – ausgenommen davon wären lediglich Zahn-, Frauen- und Kinderärzte.
Für Kay Nitschke, Leiter des Geschäftsbereichs ambulante und stationäre Versorgung der AOK Sachsen-Anhalt, ist das ein positives Signal: „Das ist eine gute Ausgangslage für die angestrebte Reform.“ Gleichzeitig verweist er darauf, dass knapp 35 Prozent der Befragten die vorgeschlagene Steuerung ablehnen. Diese Bedenken müsse man ernst nehmen.
Wunsch nach effizienterer Terminvergabe
Die geplante Primärversorgung soll den Zugang zu Facharztpraxen besser steuern, Wartezeiten verkürzen und Ressourcen gezielter einsetzen. Die Umfrage zeigt, dass dieser Ansatz auf breiten Rückhalt trifft:
- 81 Prozent wünschen sich eine bedarfsorientierte Vergabe von Facharztterminen.
- 80 Prozent erwarten aktivere Unterstützung bei der Terminsuche durch ihre Krankenkasse.
Nitschke betont: „Wir würden es begrüßen, wenn die Krankenkassen künftig stärker zur Versorgung beitragen könnten. Dafür müssten aber freie Termine verbindlich in zentrale Pools eingespeist werden.“
Großes Bedürfnis nach Orientierung im System
Deutlich wird außerdem, dass viele Menschen das Gesundheitssystem als unübersichtlich empfinden. 80 Prozent der Befragten halten einen festen Ansprechpartner für wichtig, der sie durch die Versorgung begleitet. Unter den über 60-Jährigen steigt die Zustimmung sogar auf 87 Prozent.
Notaufnahmen werden häufig fehlbeansprucht
Die Studie zeigt auch Defizite in der Inanspruchnahme der Notfallversorgung:
- 37 Prozent würden am Wochenende bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden – etwa hohem Fieber – direkt die Notaufnahme aufsuchen.
- Wochentags würden hingegen 85 Prozent zuerst eine Haus- oder Facharztpraxis kontaktieren; nur fünf Prozent würden eine Notaufnahme wählen.
Immerhin würden 51 Prozent am Wochenende bei solchen Beschwerden die Patientenservicenummer 116 117 nutzen. Aus Sicht der AOK sollte diese künftig eine stärkere Rolle in der Steuerung übernehmen. Geplant ist, dass sowohl Primärversorgungspraxen als auch eine bei den Kassenärztlichen Vereinigungen angesiedelte Akutleitstelle über ein standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren die Patienten in passende Versorgungswege leiten. Das könne auch die Notfallambulanzen entlasten.
Zustimmung für teambasierte Versorgung
Zuspruch erhält auch ein weiterer Reformvorschlag der AOK-Gemeinschaft: die Weiterentwicklung der hausärztlichen Versorgung hin zu multiprofessionellen Teams. Diese sollen Ärztinnen und Ärzte entlasten und gemeinsam mit Pflegefachpersonen und anderen Gesundheitsberufen die Grundversorgung übernehmen.
Laut forsa bewerten 63 Prozent der Befragten diesen Ansatz positiv – bei den 18- bis 39-Jährigen beträgt die Zustimmung sogar 73 Prozent.
„Wir müssen weg von der reinen Arztfokussierung“, so Nitschke. Ein solcher Teamansatz habe sich international bewährt und könne auch in Deutschland Versorgungslücken schließen.
AOK Sachsen-Anhalt





