Die Girls und Boys, die in Leuna an dem Aktionstag teilnahmen
Die Girls und Boys, die in Leuna an dem Aktionstag teilnahmen

Der Girls’- und Boys’Day bietet seit vielen Jahren erfolgreiche Berufsorientierung

Der jährlich wiederkehrende Girls’Day versucht seit 2001 in ganz Deutschland mehr Aufmerksamkeit für das Thema der klischeefreien Berufs- und Studienorientierung zu schaffen. 2011 kam der Boys’Day hinzu. Seither haben über 2,6 Millionen Mädchen und rund 500.000 Jungen an dem Aktionstag teilgenommen. Die Inititative zählt zu den größten Berufsorientierungsprojekten im Land. Unternehmen und Institutionen nutzen den Tag, um ihre Bekanntheit bei jungen Menschen zu steigern. 57 Prozent von ihnen gewinnen potenzielle Praktikantinnen und Praktikanten und 48 Prozent finden sogar mögliche Auszubildende. 

Der Girls’ und Boys’Day 2026 fand am Donnerstag, den 23. April statt. Am Standort beteiligten sich die Linde GmbH, die Bildungsakademie Leuna (BAL) und die InfraLeuna an dem Aktionstag. Treffpunkt war um 9.00 Uhr bei herrlichem Sonnenschein am Haupttorplatz. 26 Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 waren der Einladung gefolgt und konnten zunächst das Betriebsgelände der Linde GmbH besichtigen. Anschließend fuhr ein Bus sie zur BAL, wo ihnen Ausbilderin Marlen Albrecht und Vertriebsleiter Matthias Engel die getrennte theoretische und praktische Ausbildung in Berufsschule und BAL erläuterte und anschließend die verschiedenen Berufsfelder vorstellte. In zwei Gruppen führten sie die Schüler:innen durch die Labore und Werkstätten und beantworteten manche Frage. Natürlich nutzte Herr Engel die Gelegenheit, die anwesenden Girls und Boys zu fragen, wer von ihnen sich vorstellen könne, in Leuna einen Chemie-, Metall oder Elektroberuf zu erlernen. Etliche Hände gingen in die Höhe.

Matthias Engel begrüßt die 26 Girls und Boys in der Bildungsakadamie Leuna
Matthias Engel begrüßt die 26 Girls und Boys in der Bildungsakademie Leuna
Marlen Albrecht, Ausbilderin bei der BAL, erklärt den Schüler:innen die Chemieberufe und Ausbildungsmöglichkeiten
Marlen Albrecht, Ausbilderin bei der BAL, erklärt den Schüler:innen die Chemieberufe und Ausbildungsmöglichkeiten
Marlen Albrecht, Ausbilderin bei der BAL, erklärt den Schüler:innen die Chemieberufe und Ausbildungsmöglichkeiten
Neugieriger Blick in die Metallwerkstätten der BAL

Nach den Führungen an der BAL fuhren die Kinder mit dem Bus zum Haupttor, wo sie in der Kantine von der InfraLeuna ein Mittagessen spendiert bekamen und anschließend im Besucher- und Informationszentrum von Claudia Donath, Personalrefentin bei der InfraLeuna, empfangen wurden.  Donath informierte über den Standort, die Karrierechancen und Ausbildunsgmöglichkeiten bei der InfraLeuna und beantwortete offene Fragen. Der Tag endete für die Schüler:innen mit einem Quiz und der Übergabe der Teilnahmezertifikate. Die in der Vergangenheit übliche Busrundfahrt über den Standort, die immer als Highlight galt, musste leider ausfallen.

Insgesamt standen beim deutschen Girls’- und Boys’Day 2026 über 24.000 Angebote und knapp 180.000 Plätze für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Mädchen erhalten dabei vor allem Einblicke in technische, naturwissenschaftliche und handwerkliche Berufe, während Jungen soziale, pflegerische und erzieherische Tätigkeiten kennenlernen. Mädchen und Jungen lernen so Bereiche kennen, in denen sie jeweils bislang unterrepräsentiert sind.

Barbara Schwarze, Vorsitzende vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V., das die Aktionen in der Bundesrepublik koordiniert, erklärt: „Wer Berufe praktisch erlebt, erweitert die eigenen Perspektiven und entdeckt neue Möglichkeiten für die eigene Zukunft. Unsere Studien zeigen: Im IT-Bereich steigt das Interesse von Schülerinnen nach dem Girls’Day von 12 auf fast 21 Prozent, im Handwerk zeigt sich ein ähnlicher Effekt. Und beim Boys’Day wächst die Zahl der Jungen, die sich soziale oder erzieherische Berufe vorstellen können, von 17 auf fast 27 Prozent.“

Zahlen belegen, wie stark sich viele Jugendliche noch immer bei der Berufswahl einschränken: In Deutschland gibt es rund 330 duale Ausbildungsberufe, doch mehr als die Hälfte der Mädchen konzentriert sich auf lediglich zehn Berufe – ohne einen einzigen gewerblich-technischen. Jungen wählen überwiegend aus nur rund 20 Ausbildungsberufen. Der Aktionstag will neue Wege aufzeigen, Horizonte erweitern und helfen, festgefahrene Rollenbilder aufzubrechen. Erste Veränderungen sind bereits sichtbar: Der Anteil von Frauen in MINT-Studiengängen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und lag 2024 bei 32,9 Prozent. Gleichzeitig wächst auch das Interesse von Jungen an sozialen und erzieherischen Berufen. Insgesamt zeigt sich die langfristige Wirkung der Initiative deutlich: Girls’Day und Boys’Day ermöglichen Einblicke in die Arbeitswelt, helfen Jugendlichen, eigene Stärken zu entdecken, und unterstützen sie dabei, selbstbewusste Entscheidungen für ihren beruflichen Weg zu treffen. 

Und wem von den Leunaer Jugendlichen der Tag zu kurz oder zu theoretisch war, sei an das ebenfalls jährlich stattfindende Sommer-Camp der BAL erinnert. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 7. bis 11. Klasse und findet immer in der ersten Sommerferienwoche statt. An fünf Tagen haben die Jugendlichen jeweils von 9 bis 14 Uhr die Chance in alle drei Ausbildungsgänge (Chemie, Metall, Elektro) reinzuschnuppern, in Laboren und Werkstätten praktisch zu arbeiten und vielleicht schon ihre zukünftigen Mitlehrlinge kennenzulernen. Die Ausbilderinnen und Ausbilder freuen sich bereits jetzt auf ihre Kurzzeit-Azubis. 

Text und Fotos: Steffen Wilbrandt

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