Volles Haus bei der Auftaktveranstaltung für eine Gemeinschaftsstudie zur ostdeutschen Wasserstoffnetzinfrastruktur H2-Netz OST. Foto: Jens Schlüter

Großes Interesse an ostdeutscher Wasserstoffinfrastruktur: Auftakt zur Studie H2-Netz OST

Leipzig, 26.02.2026 – Mit einem starken Signal aus Wirtschaft, Netzbetrieb und öffentlicher Hand ist heute in Leipzig die Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST gestartet. Rund 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten das Auftakttreffen vor Ort und im Livestream. Mit der Veranstaltung beginnt offiziell das Interessenbekundungsverfahren für eine Studie, die die Grundlage für den Aufbau einer länderübergreifenden Wasserstoff-Verteilnetzinfrastruktur in Ostdeutschland schaffen soll.

Die Studie wird gemeinsam von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, der DBI-Gruppe sowie der VIONTA GmbH durchgeführt. Initiativpartner sind die ONTRAS Gastransport GmbH, das Wasserstoffnetzwerk HYPOS, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) sowie die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland (IWO).

Dr. Ulf Kreienbrock, Geschäftsführer von der VIONTA GmbH, Gert Müller-Syring, Geschäftsführung und Sprecher der Geschäftsleitung von der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH und Jörn-Heinrich Tobaben Geschäftsführer von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland (v.l.n.r.) stellen rund 200 Teilnehmenden die Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST vor. Foto: Jens Schlüter

Von Mitteldeutschland nach Ostdeutschland

H2-Netz OST knüpft an die Studie „Wasserstoffnetz Mitteldeutschland 2.0“ aus dem Jahr 2024 an. Diese hatte im Auftrag von 54 privatwirtschaftlichen und öffentlichen Partnern das Potenzial und den Bedarf einer gemeinsamen Wasserstoffinfrastruktur in Mitteldeutschland untersucht und damit einen wichtigen Grundstein gelegt.

Seitdem haben sich die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen spürbar verändert. Neue europäische und nationale Vorgaben, die Anforderungen aus Gasnetzgebietstransformationsplänen sowie Langfristprognosen erhöhen den Abstimmungsbedarf zwischen Regionen, Netzbetreibern und Industrie. Vor diesem Hintergrund wird der Betrachtungsraum nun erstmals auf ganz Ostdeutschland ausgeweitet.

H2-Netz OST nimmt damit eine gebündelte ostdeutsche Perspektive ein – und ist nach Angaben der Initiatoren derzeit das einzige Infrastrukturvorhaben auf Verteilnetzebene in dieser Größenordnung in Deutschland.

Gemeinsamer Rahmen für Planungssicherheit

„Mit der Gemeinschaftsstudie schaffen wir einen gemeinsamen Rahmen für Ostdeutschland, um eine Wasserstoff-Verteilnetzinfrastruktur gemeinsam zu planen. Unser Anspruch ist es, Akteure aus Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammenzubringen und regionale Perspektiven über Ländergrenzen hinweg zu bündeln. So legen wir die Grundlage dafür, dass die Energiewende auch ein Standortfaktor für Ostdeutschland wird“, erklärt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland.

Die hohe Beteiligung unterstreicht das große Interesse an einer koordinierten Vorgehensweise. Der Auftakt markiert den Beginn eines strukturierten Dialogs, an dessen Ende eine Gemeinschaftsstudie stehen soll, die Wasserstoffbedarfe, Infrastrukturentwicklung und Erzeugung systematisch zusammenführt.

„Viele Unternehmen beschäftigen sich derzeit sehr konkret mit der Frage, ob Wasserstoff perspektivisch für sie verfügbar sein kann. Für diese Entscheidungen braucht es Transparenz über mögliche Anschlussräume und zeitliche Entwicklungen. H₂-Netz OST eröffnet die Chance, Bedarfe aus Industrie und Wirtschaft sichtbar zu machen und frühzeitig in einen gemeinsamen Zusammenhang zu stellen“, betont Dr. Ulf Kreienbrock, Geschäftsführer der VIONTA GmbH.

Entwicklungspfade bis 2045

Im Fokus steht nicht die Planung einzelner Projekte, sondern die Entwicklung überregional abgestimmter Pfade bis zum Jahr 2045.

„Auf Verteilnetzebene geht es jetzt nicht um einzelne Ausbauprojekte, sondern um überregional abgestimmte Entwicklungspfade bis 2045. Dafür brauchen wir eine gemeinsame methodische Grundlage und einen umsetzungsorientierten ordnungspolitischen Rahmen, der Planungssicherheit schafft und Investitionen ermöglicht“, erläutert Gert Müller-Syring, Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsleitung der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH.

Die Studie soll Nachfrage, Bereitstellung, Infrastruktur und Rechtsrahmen in einem konsistenten Gesamtkonzept integrieren. Sie versteht sich als Ergänzung bestehender Instrumente wie der Langfristprognose 2.0, harmonisiert Annahmen und schafft Transparenz über tragfähige Optionen unter regional unterschiedlichen Bedingungen. Ziel ist ein belastbarer Orientierungsrahmen für Netzbetreiber, Industrie und Politik.

Beteiligung ausdrücklich erwünscht

Das Auftakttreffen diente der Vorstellung von Studienansatz, Schwerpunkten und Beteiligungsmöglichkeiten. Netzbetreiber, Industrieunternehmen sowie weitere privatwirtschaftliche und öffentliche Akteure sind eingeladen, sich aktiv einzubringen und die Ausgestaltung einer ostdeutschen Wasserstoff-Verteilnetzinfrastruktur mitzugestalten.

In den kommenden Monaten werden im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens konkrete Bedarfe, regionale Schwerpunktsetzungen und infrastrukturelle Anforderungen erhoben und gebündelt. Auf dieser Basis soll die Gemeinschaftsstudie erarbeiten, wie eine leistungsfähige, wirtschaftlich tragfähige und regulatorisch anschlussfähige Wasserstoff-Verteilnetzinfrastruktur in Ostdeutschland Schritt für Schritt entstehen kann.

Mit dem offiziellen Start in Leipzig ist damit nicht nur ein Studienprozess angestoßen worden, sondern ein überregionaler Verständigungsprozess zwischen Wirtschaft, Netzbetreibern und Politik. Das große Interesse zum Auftakt deutet darauf hin, dass der Wille zur Zusammenarbeit vorhanden ist. Nun wird sich zeigen, wie schnell aus gemeinsam formulierten Perspektiven konkrete Planungsgrundlagen für die Wasserstoffzukunft Ostdeutschlands werden.

Falk Morgenstern

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