Mehr als 70 Bürgerinnen und Bürger folgten am 12. März 2026 der Einladung zum ersten Bürgerdialog des Center for the Transformation of Chemistry (CTC) in Sachsen-Anhalt. Die Veranstaltung an der Hochschule Merseburg stand unter dem Motto „Wandel regional spüren“ und bot der Öffentlichkeit erstmals einen umfassenden Einblick in den Aufbau des neuen Forschungs- und Innovationsstandorts.
Ziel des Abends war es, die regionale Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen und transparent zu zeigen, wie sich der CTC-Standort in den kommenden Jahren entwickeln soll. Zugleich wurde deutlich: Der neue Forschungsstandort versteht sich als wichtiger Impulsgeber für die Region.
Starke Partner für den Standort
Den Auftakt bildeten Grußworte aus Politik, Stadt und Hochschule. Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt, Sebastian Müller-Bahr, Oberbürgermeister der Stadt Merseburg, sowie Prof. Markus Krabbes, Rektor der Hochschule Merseburg, betonten die Bedeutung des CTC für Wissenschaft, Wirtschaft und regionale Entwicklung.
Im Anschluss stellte das CTC seine wissenschaftliche Ausrichtung sowie die nächsten Schritte für den Standort auf dem Campus der Hochschule vor.


Chemietradition trifft Zukunftsvision
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Seeberger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des CTC, ordnete Merseburg als traditionsreichen Chemie-Standort ein und beschrieb zugleich die zukünftige Aufgabe des Zentrums: Chemie neu zu denken und Lösungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.
Ein zentraler Ansatz dabei ist die Automatisierung von Forschung. Durch automatisierte und digital gesteuerte Prozesse sollen chemische Entwicklungen schneller, präziser und ressourcenschonender werden. Die enge Verbindung der Hochschule Merseburg mit der Industrie im Mitteldeutschen Chemiedreieck bietet dafür hervorragende Voraussetzungen.
Vision eines autonomen Labors
Ein besonderer Schwerpunkt des Abends lag auf den zukünftigen Forschungsinhalten. Dr. Lenz Fiedler, CTC-Wissenschaftler und Head of Data Management, stellte den sogenannten Moonshot „Autonomes Labor“ vor.
Dabei geht es um modulare, digital gesteuerte Laborumgebungen, in denen Experimente automatisiert durchgeführt und ausgewertet werden können. Diese Technologien könnten wissenschaftliche Prozesse deutlich beschleunigen und gleichzeitig ihre Qualität und Reproduzierbarkeit verbessern. Der Standort Merseburg soll bei der Entwicklung solcher Systeme eine zentrale Rolle spielen.
Planung für den neuen Campusstandort
Auch über die bauliche Entwicklung informierte der Bürgerdialog. Lars Reinhold, Leiter Bau- und Projektmanagement des CTC, gab einen Überblick über die Planungen für das neue Forschungsgebäude.
Der Baubeginn auf dem Campus der Hochschule Merseburg ist derzeit ab 2029 vorgesehen, wobei ein genauer Termin für den Spatenstich noch nicht feststeht. Die Entwicklung des Standorts folgt dem Förderzeitraum bis 2038. Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit der Hochschule, der Stadt und regionalen Partnern – unter anderem mit Blick auf Infrastruktur, Mobilität und Anbindung.
Der zukünftige CTC-Standort entsteht in unmittelbarer Nähe zum Chemie-Museum Merseburg. Damit sollen Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation räumlich eng miteinander verbunden werden.
Dialog mit der Region
Im Anschluss an die Vorträge nutzten viele Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre Perspektiven einzubringen. Themen waren unter anderem die Einbindung des Gebäudes in den Campus, Mobilitätsfragen sowie Chancen für junge Menschen und Kooperationen mit der regionalen Wirtschaft.
Die lebhafte Diskussion zeigte, wie groß das Interesse an der Entwicklung des neuen Forschungsstandorts ist.
Das Center for the Transformation of Chemistry befindet sich seit 2023 im wissenschaftlichen Aufbau und wurde 2025 mit der Gründung der CTC gGmbH rechtlich eigenständig. Bis 2038 sollen in Merseburg rund 300 Arbeitsplätze entstehen. Der Bürgerdialog machte deutlich, dass sich der Standort von Beginn an im Austausch mit der Region entwickelt – ein Dialog, den das CTC auch künftig fortführen möchte.
Falk Morgenstern





