Realistisches Szenario eines Chlorgasaustritts trainiert
Schkopau. Am 18. April 2026 wurde das Gelände des ValuePark Schkopau zum Schauplatz einer umfangreichen Katastrophenschutzübung des Landkreises. Rund 250 Teilnehmende, darunter etwa 180 Einsatzkräfte, probten gemeinsam den Ernstfall eines Chlorgasaustritts – ein Szenario, das hohe Anforderungen an Koordination, Kommunikation und Fachwissen stellt.
Ausgangspunkt der Übung war ein simulierter Unfall: Ein Lastwagen kollidierte mit einer Versorgungsleitung, wodurch Chlorgas austrat. Der Fahrer wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr befreit werden. Parallel dazu galt es, die beschädigte Leitung schnellstmöglich abzudichten, um weiteren Gasaustritt zu verhindern. Insgesamt wurden zehn Personen als verletzt und kontaminiert angenommen. Aufgrund der Lage wurde ein sogenannter Massenanfall von Verletzten (MANV) ausgelöst.


Die Einsatzkräfte arbeiteten unter erschwerten Bedingungen in Chemikalienschutzanzügen. Verletzte mussten zunächst dekontaminiert, anschließend gesichtet (Triage) und medizinisch versorgt werden. Die weiterführende Behandlung erfolgte im Carl-von-Basedow-Klinikum, das parallel seinen Krankenhaus-Alarm- und Einsatzplan testete.
Die Übung gliederte sich in vier große Bereiche: den Bereitstellungsraum inklusive Logistik, das eigentliche Einsatzszenario, die medizinische Versorgung im Klinikum sowie den Gesamtaufbau. Neben der Werkfeuerwehr des Chemiestandortes (VSU Schkopau) waren auch mehrere Freiwillige Feuerwehren aus Schkopau, Leuna und Merseburg beteiligt. Unterstützt wurden sie durch Polizei-Verbindungsbeamte, eine Drohneneinheit der Führungsunterstützung sowie die Fachdienste Sanität, Betreuung, Logistik und ABC. Auch leitende Notärzte und Rettungsdienste waren im Einsatz.
Die Alarmierung erfolgte über die Leitstelle der Werkfeuerwehr, während die Integrierte Leitstelle Saalekreis die Einheiten aus dem Bereitstellungsraum koordinierte. Die Einsatzleitung lag in den Händen des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Paul Bartoszek. Mitarbeitende des Brand- und Katastrophenschutzes sorgten für die Koordination an den Schnittstellen.
Auch die Industrie war eingebunden: Die Einsatzstäbe des Chemieparkbetreibers Dow sowie des Unternehmens Synthos trainierten ihre internen Notfallprozesse und die Zusammenarbeit mit externen Kräften. Der simulierte Gasaustritt fand in unmittelbarer Nähe des Synthos-Geländes statt.
Ziel der Übung war es, insbesondere die Abläufe bei einer MANV-Lage zu erproben und das Kommunikationskonzept zu überprüfen. Zudem wurde der Aufbau eines Behandlungsplatzes 50 sowie einer Dekontaminationsstrecke erfolgreich geübt.
„Ein Massenanfall von Verletzten ist immer eine Herausforderung für alle Beteiligten. Regelmäßige Übungen sind elementar wichtig, um im Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein“, betonte Sabine Faulstich, Dezernentin für Kreisentwicklung.
Auch aus Sicht der Industrie hat die Zusammenarbeit große Bedeutung: „Sicherheit hat für uns am Chemiestandort oberste Priorität. Gemeinsame Übungen wie diese tragen maßgeblich dazu bei, im Ernstfall schnell, effizient und sicher handeln zu können“, erklärte Lars Domogalla, Geschäftsführer von Dow in Mitteldeutschland.
Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie entscheidend das Zusammenspiel unterschiedlichster Organisationen ist – und dass Vorbereitung der Schlüssel für einen erfolgreichen Einsatz im Ernstfall bleibt.
Falk Morgenstern





