Grüner Wasserstoff, Grafik: AdobeStock_491260502

Grüner Wasserstoff aus Ostdeutschland: VNG startet 2025 mit eigener Produktion

Ein Meilenstein für die Energiewende: Die Leipziger VNG AG wird ab dem dritten Quartal 2025 erstmals grünen Wasserstoff in industriellem Maßstab produzieren – und setzt damit ein starkes Signal für die Transformation des deutschen Energiesektors.

Wasserstoffproduktion im Energiepark Bad Lauchstädt

Im Herzen Mitteldeutschlands, genauer gesagt in Sachsen-Anhalt, entsteht derzeit eines der ambitioniertesten Wasserstoffprojekte Europas: der Energiepark Bad Lauchstädt. Hier wird die VNG AG gemeinsam mit Partnern einen 30-Megawatt-Elektrolyseur in Betrieb nehmen, der künftig jährlich rund 2.700 Tonnen grünen Wasserstoff aus Windstrom erzeugen soll. Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2025 geplant.

Das Projekt ist Teil eines größeren Konsortiums, an dem neben VNG auch TotalEnergies, ONTRAS Gastransport und die Terrawatt Planungsgesellschaft beteiligt sind. Ziel ist es, den aus lokal erzeugtem Windstrom gewonnenen Wasserstoff nicht nur effizient zu produzieren, sondern auch zu speichern und über ein eigens konzipiertes Netz an industrielle Abnehmer weiterzuleiten.

Die TotalEnergies-Raffinerie im nahegelegenen Leuna gilt als erster Hauptabnehmer. Durch die Substitution von grauem Wasserstoff – bislang aus fossilen Quellen gewonnen – durch das grüne Pendant, soll ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrieprozesse geleistet werden.

„H2-ready“ bis 2025 – Die Strategie „VNG 2030+“

Mit der Initiative untermauert VNG ihre strategische Ausrichtung, sich als zentraler Akteur der deutschen Wasserstoffwirtschaft zu positionieren. Im Rahmen der Unternehmensstrategie „VNG 2030+“ verfolgt das Unternehmen das Ziel, in allen Geschäftsbereichen „H2-ready“ zu sein. Das bedeutet konkret: Technologien, Infrastrukturen und Geschäftsmodelle werden so ausgelegt, dass ein schneller Markthochlauf erfolgen kann, sobald regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen es erlauben.

„Wir wollen nicht auf den Markt warten, wir wollen ihn mitgestalten“, betont Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG. Die frühzeitige Vorbereitung und das gezielte Engagement im Bereich Wasserstoff sollen dabei helfen, Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern – und gleichzeitig Wertschöpfung und Beschäftigung in strukturschwächeren Regionen Ostdeutschlands zu fördern.

Wasserstoff als Grundpfeiler der Energiewende

Grüner Wasserstoff – erzeugt durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien – gilt als Schlüsselfaktor für die Energiewende. Besonders in Sektoren, die schwer zu elektrifizieren sind, wie etwa der Schwerlastverkehr, die Stahl- oder Chemieindustrie, ist Wasserstoff eine dringend benötigte Alternative zu fossilen Brennstoffen.

Laut Bundeswirtschaftsministerium wird sich der Wasserstoffbedarf in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppeln. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein erheblicher Teil des Bedarfs importiert werden muss – umso wichtiger ist der Aufbau eigener Produktionskapazitäten im Inland. Projekte wie das der VNG setzen hier entscheidende Impulse.

Das Projekt GreenRoot: Nächster Schritt in Richtung Großskalierung

Doch Bad Lauchstädt ist nur der Anfang. Gemeinsam mit dem niederländischen Wasserstoffspezialisten HyCC plant VNG bereits das nächste Großprojekt: „GreenRoot“ in der Lutherstadt Wittenberg. Dort soll ein Elektrolyseur mit bis zu 500 Megawatt Leistung entstehen – fast das 17-fache der Kapazität von Bad Lauchstädt. Die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen.

Das Ziel: grüner Wasserstoff für die lokale Industrie, insbesondere zur Substitution von Erdgas bei energieintensiven Prozessen. Perspektivisch könnte „GreenRoot“ nicht nur regionale Industriepartner versorgen, sondern auch überregional als Einspeisungspunkt in ein zukünftiges Wasserstoffnetz fungieren.

Regionale Wertschöpfung und Infrastrukturentwicklung

Beide Projekte zeigen, wie regionale Infrastrukturentwicklung, industrielle Transformation und Klimaschutz miteinander verzahnt werden können. Der Fokus liegt nicht nur auf der Erzeugung von Wasserstoff, sondern auch auf seiner Speicherung und dem Aufbau eines leistungsfähigen Transportnetzes.

ONTRAS, eine Tochtergesellschaft von VNG, arbeitet dabei bereits an Konzepten, wie bestehende Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umgerüstet werden können. Der Vorteil: große Teile der Infrastruktur sind bereits vorhanden, müssen aber technisch angepasst werden. Erste Testläufe sind in Planung.

Ausblick: Vom Pilot zur Blaupause für Europa

Das Engagement der VNG AG wird in der Branche mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Mit der Verbindung aus Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung bietet der Energiepark Bad Lauchstädt eine Blaupause für zukünftige Wasserstoffprojekte – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.

Der geplante Start der Wasserstoffproduktion 2025 markiert dabei nicht nur einen technischen Meilenstein, sondern auch einen strategischen Wendepunkt. Denn je mehr Unternehmen wie VNG mutig voranschreiten, desto schneller kann Deutschland eine führende Rolle im globalen Wasserstoffmarkt einnehmen – und so auch seine energie- und klimapolitischen Ziele erreichen.

Gunnar Redmer

Nacht der Ideen im Kraftwerk Zschornewitz: Zukunft gemeinsam gestalten

Nacht der Ideen im Kraftwerk Zschornewitz: Zukunft gemeinsam gestalten

Gräfenhainichen. Das Industriedenkmal Kraftwerk Zschornewitz wurde am vergangenen Donnerstag zum Treffpunkt für Wissenschaft, Kultur und gesellschaftlichen Austausch. Im Rahmen der „Nacht der Ideen“ diskutierten zahlreiche Gäste aus Deutschland und Frankreich über die Frage, wie die Erde auch für kommende Generationen ein lebenswerter Ort bleiben kann. Die Veranstaltung brachte Fachleute, Kunstschaffende und interessierte Bürgerinnen und Bürger…

Digitalisierung und KI verständlich erklärt

Digitalisierung und KI verständlich erklärt

Merseburg. Anlässlich des bundesweiten Digitaltags 2026 lädt das Zukunftszentrum Digitale Arbeit Sachsen-Anhalt Unternehmen zu zwei kostenfreien Veranstaltungen an die Hochschule Merseburg ein. Am Donnerstag, 25. Juni, findet von 13 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde statt. Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte sowie Beschäftigte können sich individuell zu Digitalisierungsthemen beraten lassen. Die Expertinnen und Experten des Zukunftszentrums…

Förderbescheid für H2HUB in Sachsen-Anhalt übergeben

Förderbescheid für H2HUB in Sachsen-Anhalt übergeben

Hochschule Merseburg stärkt Wasserstoffkompetenzen in Mitteldeutschland Merseburg. Mit der offiziellen Übergabe der Förderbescheide für das Verbundprojekt „H2HUB in Sachsen-Anhalt“ ist am 4. Juni 2026 an der Hochschule Merseburg ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft in Mitteldeutschland erreicht worden. Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann überreichte den Förderbescheid für die Hochschule persönlich an den kommissarischen…

Schweren Schrittes zum Strukturwandel

Schweren Schrittes zum Strukturwandel

Wo sind die Jobs nach dem Kohleausstieg? Deutscher Gewerkschaftsbund richtet Konferenz aus Die Wirtschaft in Deutschland ist auf Talfahrt. Ihr setzen teure Energie, der Wettbewerb mit Asien, schwache Konjunktur und teilweise Überkapazitäten sowie ausufernde Bürokratie und tiefgreifende Regulierungen durch die EU zu. Insbesondere die Chemie, ein energieintensiver Sektor, leidet. Problem im Doppelpack Im so genannten…

Grüne Chemie zwischen Tradition und Transformation

Grüne Chemie zwischen Tradition und Transformation

Experten diskutieren beim Forum Rathenau über KI, Kreislaufwirtschaft und die Zukunft der Industrie Die Chemieindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Weg von fossilen Rohstoffen, hin zu klimaneutralen und zirkulären Produktionsprozessen. Wie dieser Umbau gelingen kann und ob die „12 Prinzipien der Grünen Chemie“ auch heute noch Orientierung bieten, stand im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Veranstaltung…