Ein Meilenstein für die Energiewende: Die Leipziger VNG AG wird ab dem dritten Quartal 2025 erstmals grünen Wasserstoff in industriellem Maßstab produzieren – und setzt damit ein starkes Signal für die Transformation des deutschen Energiesektors.
Wasserstoffproduktion im Energiepark Bad Lauchstädt
Im Herzen Mitteldeutschlands, genauer gesagt in Sachsen-Anhalt, entsteht derzeit eines der ambitioniertesten Wasserstoffprojekte Europas: der Energiepark Bad Lauchstädt. Hier wird die VNG AG gemeinsam mit Partnern einen 30-Megawatt-Elektrolyseur in Betrieb nehmen, der künftig jährlich rund 2.700 Tonnen grünen Wasserstoff aus Windstrom erzeugen soll. Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2025 geplant.
Das Projekt ist Teil eines größeren Konsortiums, an dem neben VNG auch TotalEnergies, ONTRAS Gastransport und die Terrawatt Planungsgesellschaft beteiligt sind. Ziel ist es, den aus lokal erzeugtem Windstrom gewonnenen Wasserstoff nicht nur effizient zu produzieren, sondern auch zu speichern und über ein eigens konzipiertes Netz an industrielle Abnehmer weiterzuleiten.
Die TotalEnergies-Raffinerie im nahegelegenen Leuna gilt als erster Hauptabnehmer. Durch die Substitution von grauem Wasserstoff – bislang aus fossilen Quellen gewonnen – durch das grüne Pendant, soll ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrieprozesse geleistet werden.
„H2-ready“ bis 2025 – Die Strategie „VNG 2030+“
Mit der Initiative untermauert VNG ihre strategische Ausrichtung, sich als zentraler Akteur der deutschen Wasserstoffwirtschaft zu positionieren. Im Rahmen der Unternehmensstrategie „VNG 2030+“ verfolgt das Unternehmen das Ziel, in allen Geschäftsbereichen „H2-ready“ zu sein. Das bedeutet konkret: Technologien, Infrastrukturen und Geschäftsmodelle werden so ausgelegt, dass ein schneller Markthochlauf erfolgen kann, sobald regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen es erlauben.
„Wir wollen nicht auf den Markt warten, wir wollen ihn mitgestalten“, betont Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG. Die frühzeitige Vorbereitung und das gezielte Engagement im Bereich Wasserstoff sollen dabei helfen, Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern – und gleichzeitig Wertschöpfung und Beschäftigung in strukturschwächeren Regionen Ostdeutschlands zu fördern.
Wasserstoff als Grundpfeiler der Energiewende
Grüner Wasserstoff – erzeugt durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien – gilt als Schlüsselfaktor für die Energiewende. Besonders in Sektoren, die schwer zu elektrifizieren sind, wie etwa der Schwerlastverkehr, die Stahl- oder Chemieindustrie, ist Wasserstoff eine dringend benötigte Alternative zu fossilen Brennstoffen.
Laut Bundeswirtschaftsministerium wird sich der Wasserstoffbedarf in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppeln. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein erheblicher Teil des Bedarfs importiert werden muss – umso wichtiger ist der Aufbau eigener Produktionskapazitäten im Inland. Projekte wie das der VNG setzen hier entscheidende Impulse.
Das Projekt GreenRoot: Nächster Schritt in Richtung Großskalierung
Doch Bad Lauchstädt ist nur der Anfang. Gemeinsam mit dem niederländischen Wasserstoffspezialisten HyCC plant VNG bereits das nächste Großprojekt: „GreenRoot“ in der Lutherstadt Wittenberg. Dort soll ein Elektrolyseur mit bis zu 500 Megawatt Leistung entstehen – fast das 17-fache der Kapazität von Bad Lauchstädt. Die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen.
Das Ziel: grüner Wasserstoff für die lokale Industrie, insbesondere zur Substitution von Erdgas bei energieintensiven Prozessen. Perspektivisch könnte „GreenRoot“ nicht nur regionale Industriepartner versorgen, sondern auch überregional als Einspeisungspunkt in ein zukünftiges Wasserstoffnetz fungieren.
Regionale Wertschöpfung und Infrastrukturentwicklung
Beide Projekte zeigen, wie regionale Infrastrukturentwicklung, industrielle Transformation und Klimaschutz miteinander verzahnt werden können. Der Fokus liegt nicht nur auf der Erzeugung von Wasserstoff, sondern auch auf seiner Speicherung und dem Aufbau eines leistungsfähigen Transportnetzes.
ONTRAS, eine Tochtergesellschaft von VNG, arbeitet dabei bereits an Konzepten, wie bestehende Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umgerüstet werden können. Der Vorteil: große Teile der Infrastruktur sind bereits vorhanden, müssen aber technisch angepasst werden. Erste Testläufe sind in Planung.
Ausblick: Vom Pilot zur Blaupause für Europa
Das Engagement der VNG AG wird in der Branche mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Mit der Verbindung aus Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung bietet der Energiepark Bad Lauchstädt eine Blaupause für zukünftige Wasserstoffprojekte – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.
Der geplante Start der Wasserstoffproduktion 2025 markiert dabei nicht nur einen technischen Meilenstein, sondern auch einen strategischen Wendepunkt. Denn je mehr Unternehmen wie VNG mutig voranschreiten, desto schneller kann Deutschland eine führende Rolle im globalen Wasserstoffmarkt einnehmen – und so auch seine energie- und klimapolitischen Ziele erreichen.
Gunnar Redmer





