Langjährige Rektorin der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule Leuna in den Ruhestand verabschiedet
Ein Ende ist auch immer ein Anfang. Eine Binse freilich. Für Sabine Sadlo, die ihr Herz für die Schüler, das Lehrer-Team und die Entwicklung »ihrer« Schule hingegeben hat, hat das neben Freude auch mit Wehmut zu tun. Nun ist die Rektorin der Leunaer Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in den Ruhestand verabschiedet worden.
Lehrerin zu sein, das ist immer ihr Traum gewesen, sagt sie. »Weil ich gute Lehrer hatte. Ich hätte mir nichts anderes vorstellen können. Bis heute.« Und dafür hatte sie nach dem Studium auch in Kauf genommen, sechs Jahre im Hort zu arbeiten – bis endlich eine Lehrer-Stelle frei war. Die Wende setzte eine Zäsur: Sabine Sadlo, inzwischen Leiterin der Jahn-Schule, in der die ehemals drei Leunaer Grundschulen zusammengefasst wurden, musste sich quasi im kalten Wasser freischwimmen. Die Grundschule aufbauen, sagt sie.
Ein Brocken Arbeit: aus drei Teams eins formen, gemeinsam neue Wege in einer völlig neuen Bildungslandschaft suchen, Profil und Programm für die Schule finden und vieles mehr. »Das war schon schwierig. Aber wir waren ein tolles Team. Wir haben etwas erreicht, es hat Freude gemacht.« Eine der wohl prägendsten Entscheidungen war, die Schule auszurichten auf einen naturwissenschaftlichen Kurs mit Schwerpunkt Chemie. Wenn nicht in Leuna – wo sonst? Schon die Kleinen sollen erleben und entdecken, was das ist, das quasi die Welt materiell zusammenhält. Was da in dem gigantischen Werk vor ihrer Nase gemacht wird.
Schon längst geht es um mehr als nur Chemie. Die Neugier der 260 Kids ist groß, die Arbeitsgemeinschaft knackevoll. Die Naturwissenschaften haben inzwischen Einzug gehalten in den Unterricht. Zum Experimentieren ist selbstverständlich ein Labor da – mit allem Pipapo für die Kids. »Es gibt Eltern, die nach Leuna gezogen sind, damit ihr Kind in unsere Schule gehen kann. Das freut mich«, sagt Sabine Sadlo. Seit 2010 ist diese zudem Netzwerkschule für Hochbegabtenförderung des Landes. Regelmäßig wird dafür eine strenge Prüfung eingefordert.
Stadt und Hochschule Merseburg, BAL und Firmen des Chemieparks unterstützen nach Kräften das, was hier vor 20 Jahren begann. Mit Erfolg. Und sicher auch mit dem Gedanken an Mitarbeiter – später, wenn aus den wissbegierigen Kleinen echte Wissenschaftler oder Facharbeiter geworden sind. Viele Auszeichnungen und wichtige Preise im kleinen Schul-Museum erzählen ein Stück Geschichte. »Wir geben auch etwas zurück, wir beteiligen uns an Veranstaltungen und machen mit, wo es geht«, sagt Sabine Sadlo und zeigt auf ein Bild, auf dem ihre ChemKids im gelben Outfit einen Stand beim Tag der offenen Tür in Leuna betreuen. Einer der Schüler, sie zeigt auf einen fröhlich blickenden Jungen, ist Chemiker und arbeitet heute bei der InfraLeuna. »Wir freuen uns, wenn wir uns sehen«, sagt sie lächelnd.
Eine Herausforderung war dieser Schritt damals für die Lehrer, blickt Sabine Sadlo zurück. »Wir mussten uns erstmal mit Chemie befassen. Wir haben uns alle richtig qualifiziert.« Und das gilt heute noch: Fortbildung ist Alltag. Der Anklang, den die Schule findet, gibt dem 16-köpfigen Kollegium nicht nur ein tolles Gefühl, es gibt ihm die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben. Ihre Fußstapfen, die sie hier hinterlässt, werden ausgefüllt, da ist sich Sabine Sadlo sicher.
Nun beginnt der Ruhestand. Pläne haben sie und ihr Mann. Mit dem Wohnmobil soll es quer durch Europa gehen, zunächst ans Nordkap. Die Enkel unabhängig von den Ferienzeiten zu besuchen, sich nicht mehr nach einem 45-Minuten-Rhythmus richten zu müssen und endlich mal ausschlafen zu können – darauf freut sie sich.
Christine Färber





