25 Jahre MDV: v.l.n.r.: Hartmut Handschak, Landrat Saalekreis; Juliane Vettermann, Prokuristin und Pressesprecherin Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH (MDV); Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH; Antje Peiser, Geschäftsführerin Saale-Unstrut Tourismus GmbH; Holger Klemens, Geschäftsführer Nordsachsen Mobil GmbH; Peter Panitz, Geschäftsführer der Landesgesellschaft Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) GmbH; Thomas Dienberg, Aufsichtsratsvorsitzender Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH (MDV) und Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau Stadt Leipzig, Sven Haller, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Digitales Land Sachsen-Anhalt; Sören Trillenberg, Staatssekretär im Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung Freistaat Sachsen; Burkhard Jung, 1. Vorsitzender der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und Oberbürgermeister Stadt Leipzig; Steffen Schütz, Minister für Digitales und Infrastruktur Freistaat Thüringen; und Steffen Lehmann, Geschäftsführer Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH (MDV), Foto: Tom Schulze

Jahreskonferenz in Leipzig diskutiert Pendlerverkehr, Finanzierung und regionale Zusammenarbeit

Leipzig. Wie kann der öffentliche Nahverkehr in Mitteldeutschland künftig so gestaltet werden, dass Pendlerinnen und Pendler zuverlässig, schnell und attraktiv an ihr Ziel gelangen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Jahreskonferenz 2026 der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), die am Donnerstag in der Red Bull Arena Leipzig stattfand. Rund 200 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verkehrsbranche und Kommunen diskutierten über die Zukunft regionaler Mobilität und deren Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Bereits zur Eröffnung machte Leipzigs Oberbürgermeister und Vorsitzender der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, Burkhard Jung, deutlich, welche Rolle Mobilität für die Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit der Region spielt. Leistungsfähige Verkehrsangebote seien ein entscheidender Faktor, um Menschen, Unternehmen und Arbeitsplätze miteinander zu verbinden. Besonders in einer wirtschaftlich starken Region wie Mitteldeutschland müsse Mobilität über Ländergrenzen hinweg zuverlässig funktionieren.

Fahrgastzahlen steigen deutlich

Die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs wird durch aktuelle Zahlen unterstrichen. Im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes stieg die Zahl der Fahrgäste von rund 167 Millionen im Jahr 2005 auf etwa 284 Millionen im Jahr 2025. Parallel dazu nahm auch die Zahl der Pendler erheblich zu. So hat sich die Zahl der täglichen ÖPNV-Pendler nach Leipzig und aus Leipzig heraus seit den frühen 2000er Jahren von etwa 37.000 auf nahezu 88.000 mehr als verdoppelt. Auch die Verbindungen nach Halle (Saale) verzeichneten einen starken Anstieg.

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass der öffentliche Nahverkehr längst zu einem wichtigen Standortfaktor für Unternehmen und Arbeitnehmer geworden ist. Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur gilt zunehmend als Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und die Sicherung von Fachkräften.

Jahreskonferenz 2026 diskutiert die Zukunft des Pendelns in Mitteldeutschland, Tom Schulze

25 Jahre grenzüberschreitende Mobilität

Ein besonderer Schwerpunkt der Konferenz lag auf dem 25-jährigen Bestehen des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. In einem gemeinsamen Rückblick beleuchteten MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann und Jörn-Heinrich Tobaben von der Metropolregion Mitteldeutschland die Entwicklung der regionalen Mobilität seit der Gründung des Verbundes.

Thomas Dienberg, Aufsichtsratsvorsitzender des MDV, betonte dabei die besondere Herausforderung, unterschiedliche Interessen und Zuständigkeiten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammenzuführen. Gerade diese länderübergreifende Zusammenarbeit sei jedoch die Grundlage dafür, Mobilität in der Region ganzheitlich zu planen und weiterzuentwickeln.

Blick nach Hamburg

Für einen Blick über die Region hinaus sorgte Senator Dr. Anjes Tjarks, Präses der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg. In seinem Impulsvortrag schilderte er, wie moderne Mobilitätskonzepte in einer wachsenden Metropolregion umgesetzt werden können.

Nach Ansicht Tjarks endet Mobilität für viele Menschen längst nicht mehr an Landesgrenzen. Deshalb seien langfristige Investitionen, moderne Infrastruktur und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig. Leistungsfähige Mobilität stärke nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern erhöhe auch die Lebensqualität der Bevölkerung.

Finanzierung bleibt zentrale Herausforderung

Im Mittelpunkt der anschließenden Podiumsdiskussion stand die Frage, wie die steigenden Anforderungen an den öffentlichen Nahverkehr finanziert werden können. Vertreter der Landesregierungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen diskutierten gemeinsam mit Fachleuten aus der Verkehrsbranche über die Zukunft regionaler Mobilitätsräume und die Herausforderungen wachsender Pendlerströme.

Weitere Impulse kamen von Oliver Wittke, Vorstandssprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), der über die Vernetzung von Wirtschaft und Mobilität in Nordrhein-Westfalen sprach. In einer weiteren Diskussionsrunde wurden konkrete Lösungsansätze für die Verkehrswende in Stadt und Land vorgestellt.

Mobilität als Standortvorteil

Am Nachmittag standen praktische Fragestellungen im Mittelpunkt. In Zukunftswerkstätten diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Industrie, Tourismus, Verkehrsunternehmen und Kommunen darüber, wie Nahverkehr die wirtschaftliche Entwicklung fördern kann und welche Rahmenbedingungen derzeit noch Verbesserungen erschweren.

Zum Abschluss der Konferenz zog MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann eine positive Bilanz der vergangenen 25 Jahre. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs nicht allein von technischen Innovationen abhänge. Entscheidend seien ebenso ein klares politisches Bekenntnis sowie eine langfristig gesicherte Finanzierung.

Die Jahreskonferenz 2026 machte damit deutlich: Eine leistungsfähige und vernetzte Mobilität ist weit mehr als ein Verkehrsangebot. Sie ist ein zentraler Baustein für wirtschaftliche Entwicklung, regionale Zusammenarbeit und gleichwertige Lebensverhältnisse in Mitteldeutschland.

Gunnar Redmer

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