Bad Dürrenberg ist sehenswert und bietet dazu noch Gesundes
Irgendwie hatte er es mit dem Salz – und für dessen Erschließung eben nicht nur ein glückliches Händchen, sondern jede Menge Wissen. Sein Hobby, dem er schon als Tischler-Azubi frönte, brachte Johann Gottfried Borlach letztlich gar den Titel kurfürstlich-sächsischer Bergrat ein. Der Geologe gründete unter anderem die Arterner, die Kösener und die Dürrenberger Saline.
1763 fand man in Dürrenberg die Sole, die er bereits angekündigt hatte. Das überwältigende Gradierwerk am Rande des Kurparks in Bad Dürrenberg mit all seinen Anlagen steht im Mittelpunkt der Landesgartenschau, die von April bis Oktober 2024 Tausende Besucher anlocken soll. Für Millionen Euro und mit großem Aufwand sind die historischen Anlagen in den vergangenen Jahren saniert und modernisiert worden. Für den, der nicht nur flüchtig seine Schritte in die Stadt lenkt, sondern sich auf diese kleine Perle im Chemierevier einlässt, wird es viel zu entdecken und so manche schöne Überraschung geben.
Wer weiß schon, dass das die Stadt dominierende Gradierwerk – übrigens das längste zusammenhängende in Deutschland überhaupt – im Gegensatz zu allen anderen erhaltenen Gradierwerken nie speziell für die Kurinhalation umgestaltet wurde? Die Anlage, heute Denkmal, ist so weitgehend im technischen Zustand des frühen 19. Jahrhunderts erhalten. Auch die Anlagen zur Verteilung der Sole auf dem Gradierwerk sind beachtliche Zeugen des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts. Ein Kleinod für Freaks der historischen Technik.
Wer interessiert ist, kann so ursprüngliche Fundamente und Röhren noch sehen und nachvollziehen, wie die Anlage zur Salzgewinnung einst funktionierte. Im Museum im Borlachturm, dem Ort, an dem die Solequelle erschlossen wurde, wird heute die Geschichte der Salzgewinnung erzählt. Das weiße Gold hat ihre Entwicklung geprägt. Das Museum zeigt anhand von historischen Exponaten, wie aus Sole Salz wurde, wie die Wasserkunst funktionierte, wie sich das Kurwesen etablierte und vieles mehr. Derzeit allerdings ist das Borlachmuseum bis auf weiteres geschlossen und Besichtigungen sind nur im Rahmen einer gebuchten Führung möglich. Apropos Kurwesen: Die feine Zerstäubung von Sole über Schwarzdorn-Reisig brachte einen schönen Nebeneffekt, der der Stadt letztlich eine weitere Blüte und den Namenszusatz Bad bescherte: Ab 1846 begann die medizinische Nutzung, die ersten Kurgäste reisten an. Man hatte gemerkt, dass das Salz in der Luft um das Gradierwerk herum ein Meeresklima schafft, das den Atemwegen gut tut.
Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt? So ist es durchaus kein Wunder, hier und da noch eine feine Kurstadt-Villa zu sehen. Und nicht nur das. Flanierende Kurgäste wussten schon damals, dass die Grünanlage hinter dem Gradierwerk mit dem Palmen- und Vogelhaus und der Kaltinhaliergrotte der Hit ist. Hier in der Grotte wird heute wieder Sole zerstäubt. Der Kurpark, der mit seiner Gartenkunst eine der schönsten historischen Parkanlagen Sachsen-Anhalts ist, steht längst unter Denkmalschutz. Seit 2017 ist er Teil des Netzwerks »Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt«.
Christine Färber





