Prof. Aigner, während der Präsentation zum Projektstart der Power-to-Liquid-Anlage in Leuna, Foto: B. Brockmann

Kolloquium in Merseburg: Fortschritte bei klimaneutralen Kraftstoffen im Fokus

Merseburg. Am 16. April 2026 lädt der Verein Sachzeugen der Chemischen Industrie (SCI e.V.) zum 285. Kolloquium an die Hochschule Merseburg ein. Ab 17 Uhr spricht Prof. Dr. Manfred Aigner, ehemaliger Koordinator für nachhaltige Kraftstoffe am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), über den aktuellen Stand der Power-to-Liquid-Anlage (PtL) am Chemiestandort Leuna.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht eines der ambitioniertesten Energieprojekte Deutschlands: die Errichtung einer großtechnischen Forschungs- und Demonstrationsanlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe. Die Anlage, die seit Oktober 2024 im Bau ist, soll künftig jährlich mehrere tausend Tonnen sogenannter E-Fuels produzieren – Kraftstoffe, die mithilfe erneuerbarer Energien aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestellt werden.

Diese sogenannten Power-to-Liquid-Kraftstoffe gelten als vielversprechender Ansatz, um insbesondere schwer elektrifizierbare Bereiche wie Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerlastverkehr klimafreundlicher zu gestalten. Anders als fossile Brennstoffe können sie – bei Nutzung regenerativer Energiequellen – nahezu CO₂-neutral hergestellt werden.

RWGS-Synthesegasherstellung: Bei der Produktion von strombasierten Kraftstoffen (PtL) wird das CO2 bei hoher Temperatur durch eine umgekehrte Wasser-Gas-Shift-Reaktion (RWGS) aktiviert. Das erzeugte Synthesegas wird dann über die Fischer-Tropsch-Synthese (FTS) in Kohlenwasserstoffe umgewandelt, Quelle: DLR

Die Anlage in Leuna, betrieben vom DLR, soll dabei eine zentrale Rolle spielen: Sie verbindet erstmals die gesamte Prozesskette von der Wasserstofferzeugung über die CO₂-Nutzung bis hin zur Synthese flüssiger Energieträger an einem Standort. Damit soll der Schritt von der Forschung in die industrielle Anwendung beschleunigt werden.

Mit einem Investitionsvolumen von rund 130 Millionen Euro zählt das Projekt zu den bedeutenden Vorhaben der deutschen Energiewende. Der Beginn des Forschungsbetriebs ist für das Jahr 2028 vorgesehen. Fachleute sehen in der Anlage einen wichtigen Baustein für die Transformation der chemischen Industrie und die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätslösungen.

Das Kolloquium richtet sich nicht nur an Fachpublikum, sondern steht auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen. Der Eintritt ist frei. Neben technischen Einblicken in den Anlagenbau dürfte der Vortrag auch Fragen zur Wirtschaftlichkeit und zur zukünftigen Rolle synthetischer Kraftstoffe im Energiesystem beleuchten.

Mit der Veranstaltung setzt der SCI e.V. seine traditionsreiche Reihe fort, aktuelle Entwicklungen der chemischen Industrie einem breiten Publikum zugänglich zu machen – und bietet zugleich einen Ausblick auf die Energieversorgung von morgen.

Gunnar Redmer

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