Domo bei Nacht, Foto: L. Teschner

»Leuna-Lösung« für Domo-Werk am Standort

Die drohende Stilllegung des Chemiewerks DOMO Caproleuna ist abgewendet: Der Insolvenzverwalter der deutschen Standorte von DOMO Chemicals, Prof. Dr. Lucas F. Flöther, hat das Werk an eine von InfraLeuna und LEUNA-Harze gegründete Auffanggesellschaft übertragen. Damit bleibt das Werk sowie 436 Arbeitsplätze erhalten. Zugleich hat das zuständige Gericht das Insolvenzverfahren über die drei deutschen Unternehmen von DOMO Chemicals eröffnet. 

„Das war eine Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“, betonte Insolvenzverwalter Flöther, der den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember fortführt. Weil im Unternehmen praktisch kein Geld für die Finanzierung des laufenden Betriebs vorhanden war, hätte das Chemiewerk in Leuna unter normalen Umständen bereits im Januar stillgelegt werden müssen. Allerdings war dies aus rein praktischen Gründen nicht möglich: Bei winterlichen Temperaturen lassen sich die Anlagen nicht ohne Umweltgefahren herunterfahren. 

Das Land Sachsen-Anhalt hatte deshalb aus Gründen der Gefahrenabwehr im Wege einer sog. „Ersatzvornahme“ angeordnet, die Anlagen bis längstens Ende März in einem reduzierten Notbetrieb weiterzubetreiben und so zu sichern. Damit blieb die Tür geöffnet für eine Investorenlösung, die nun mit der Übernahme durch Infraleuna und Leuna-Harze gefunden wurde. Der Betrieb ist bereits zum 1. April auf den Erwerber übergegangen. Dieser finanziert ab sofort vollumfänglich den Geschäftsbetrieb, so dass das Land die Unterstützung einstellen und die Ersatzvornahme wie geplant aufheben konnte.

v.l.n.r.: Martin Nauendorf, Geschäftsführer der neuen LEUNA-Polyamid GmbH; Klaus Paur, Geschäftsführer der LEUNA-Harze GmbH; Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der Infraleuna GmbH; Sven Schulze, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt; Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt und Prof. Dr. Lucas F. Flöther, Insolvenzverwalter, Kanzlei Flöther & Wissing

Eine Pressekonferenz am 1. April im cCe Kulturhaus Leuna informiert über die Fortführung der Aktivitäten der DOMO Caproleuna GmbH am Chemiestandort Leuna · alle Fotos: © Lothar Teschner

Martin Naundorf, bisher Bereichsleiter Vertrieb / Standortentwicklung / Öffentlichkeitsarbeit der InfraLeuna GmbH, ist Geschäftsführer der neu gegründeten LEUNA-Polyamid GmbH, die mit dem 1. April den Betrieb der DOMO Caproleuna übernimmt.

Das Unternehmen firmiert künftig als LEUNA – Polyamid GmbH. Die Erwerber­gesellschaft übernimmt den Standort und die Immobilie in Leuna sowie 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten. Der Insolvenzverwalter hat sich mit dem Betriebsrat auf einen Interessenausgleich mit Sozialplan geeinigt. Ein Teil des Personalabbaus erfolgt durch Eigenkündigungen oder Auslaufen befristeter Anstellungsverhältnisse. 39 Beschäftigten mussten betriebsbedingt gekündigt werden. 

Flöther bedankte sich bei den Beschäftigten, der Geschäftsführung, dem Erwerber, dem Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt und den zuständigen Behörden für die gute Zusammenarbeit: „Dass in dieser außergewöhnlichen Konstellation nicht nur ein Investor gefunden werden, sondern der Betrieb auch pünktlich zum Stichtag inklusive aller erforderlichen Zustimmungen und Betriebsgenehmigungen übergeben werden konnte, war nur durch einen Kraftakt aller Beteiligten möglich“, so der Insolvenzverwalter. „Ganz entscheidend war bei alledem, dass die Beschäftigten hochgradig professionell mit dieser schwierigen Situation umgegangen sind und die Anlagen jederzeit sicher am Laufen gehalten haben. Das verdient größten Respekt. Umso mehr freut mich, dass sich der Einsatz gelohnt hat und der Standort sowie ein Großteil der Arbeitsplätze gerettet werden konnte.“

Die DOMO Engineering Plastics GmbH ist nicht Teil der Auffanglösung. Das im brandenburgischen Premnitz ansässige Unternehmen mit rund 70 Beschäftigten wird im eröffneten Insolvenzverfahren bis auf weiteres durch den Insolvenzverwalter fortgeführt. „Die Gläubiger unterstützen die Fortführung des Geschäftsbetriebs, solange die Investorengespräche laufen“, so Flöther. Parallel zum vom Insolvenzverwalter initiierten Investorenprozess versucht auch die belgische Muttergesellschaft Investoren für ihr sogenanntes „Veredelungsgeschäft“ zu finden, zu der auch die Gesellschaft in Premnitz gehört. „Wenn sich in diesem Zusammenhang eine Lösung für den Standort ergibt, sind wir dafür ebenfalls offen“, so Flöther. 

Die drei deutschen Tochterunternehmen der DOMO Chemicals-Gruppe hatten am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt, nachdem über Weihnachten Finanzierungsgespräche mit den Geldgebern gescheitert waren. 

Die DOMO Caproleuna GmbH stellt organische Basisprodukte (z. B. Caprolactam, Phenol, Aceton) und Polyamid 6 als Hauptprodukt her, auch bekannt als Nylon 6. Polyamid 6 ist ein vielseitiger technischer Kunststoff, der sich durch hohe Festigkeit, gute Zähigkeit und eine sehr gute Verarbeitbarkeit auszeichnet. Er wird u.a. in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern für leichte, langlebige und leistungsfähige Bauteile eingesetzt.

Bei der DOMO Engineering Plastics GmbH in Premnitz werden Polyamid 6-Kunststoffe veredelt. Das Unternehmen fertigt sog. Compounds, d.h. technische Kunststoffe, bei denen Polyamid 6 gezielt mit Zusatzstoffen oder Additiven kombiniert wird. Dadurch lassen sich Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit, Steifigkeit oder Schlagzähigkeit präzise einstellen. Solche Compounds werden vor allem in der Automobil-, Elektro- und Konsumgüterindustrie eingesetzt.

Die DOMO Chemicals GmbH in Leuna verfügt über keinen operativen Geschäftsbetrieb. Dort sind die administrativen Funktionen der drei deutschen Unternehmen gebündelt. Das Unternehmen beschäftigt rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Gesellschaft wird nach einer Übergangsphase im April die Stilllegung einleiten müssen. 

Quelle: Flöther & Wissing

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