Leuna Polyamid GmbH, ehemals DOMO Caproleuna bei Nacht, Foto: L. Teschner

Leuna-Polyamid GmbH fährt Anlagen herunter – Investorensuche ohne Erfolg

Trotz intensiver Gespräche konnte für die LEUNA-Polyamid GmbH kein neuer Investor gefunden werden. Nach Abschluss der noch für September vorgesehenen Produktion sollen die Anlagen Anfang Oktober kontrolliert heruntergefahren werden. Für den Chemiestandort Leuna ist dies ein weiterer schwerer Rückschlag.

Leuna. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Fortführung der LEUNA-Polyamid GmbH hat sich vorerst zerschlagen. Der seit Beginn der Insolvenz in Eigenverwaltung laufende Investorenprozess ist ohne ein belastbares Angebot zu Ende gegangen. Das Unternehmen bereitet deshalb einen geordneten Abfahrbetrieb seiner Produktionsanlagen vor.

Nach Angaben des Unternehmens soll die für September geplante Produktion noch vollständig umgesetzt werden. Damit sollen die bestehenden Vertragskunden ihre bestellte Ware erhalten. Mit der erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang Oktober soll anschließend der Abfahrbetrieb beginnen. Für das kontrollierte Herunterfahren der Anlagen werden etwa 15 bis 20 Tage veranschlagt. Danach müssen die technischen Einrichtungen entleert und umfangreich gereinigt werden.

Schwierige Marktbedingungen belasten Unternehmen

Die wirtschaftlichen Probleme hatten sich bereits kurz nach dem Neustart der Gesellschaft verschärft. LEUNA Polyamid hatte die Aktivitäten der insolventen DOMO Caproleuna übernommen. Doch unerwartet starke Preissteigerungen und Engpässe bei wichtigen Rohstoffen belasteten das junge Unternehmen erheblich. Hinzu kamen Vorauszahlungen an Lieferanten. Die Kombination aus gestiegenen Beschaffungskosten und hohem Liquiditätsbedarf führte schließlich im Juni zum Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung.

Im Zuge des Verfahrens wurde Deloitte damit beauftragt, einen Investor oder finanzstarken Partner für das Unternehmen zu finden. Dieser sollte insbesondere die Finanzierung der Rohstoffbeschaffung sichern, eine höhere Auslastung der Anlagen ermöglichen und damit die Voraussetzungen für einen langfristig wirtschaftlichen Betrieb schaffen.

Bis Ende August gingen jedoch keine konkreten Angebote ein. Auch die letzten beiden Interessenten, die sich noch im Investorenprozess befanden, sagten schließlich ab. Trotz weiterer Bemühungen und Gespräche konnten sie nicht zu einer Rückkehr in das Verfahren bewegt werden.

Erdgaspreise seit Juni um rund 80 Prozent gestiegen

Als wesentliche Gründe für das Scheitern nennt das Unternehmen die weiterhin schwierigen Bedingungen auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten. Besonders gravierend ist die Entwicklung beim Erdgas: Die für Energie-, Wasserstoff- und Ammoniakkosten maßgeblichen Erdgasmarktpreise seien seit dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung nochmals um rund 80 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig bleibt die Nachfrage auf den Absatzmärkten schwach. Zusätzlich sorgt die Sorge vor zunehmenden Importen aus China für erheblichen Preisdruck und Unsicherheit. Unter diesen Voraussetzungen ließ sich nach Einschätzung des Unternehmens keine tragfähige wirtschaftliche Perspektive für potenzielle Investoren darstellen.

Damit treffen bei LEUNA Polyamid mehrere Probleme aufeinander: hohe Energie- und Rohstoffkosten, ein erheblicher Finanzierungsbedarf für die Beschaffung sowie ein internationaler Markt, auf dem europäische Produzenten zunehmend unter Konkurrenzdruck stehen.

Beschäftigte werden weiterhin gebraucht

Mit dem Ende der Produktion endet die Arbeit für die Beschäftigten zunächst noch nicht. Für das sichere Herunterfahren sowie das anschließende Entleeren und Reinigen der komplexen Chemieanlagen ist weiterhin qualifiziertes Fachpersonal notwendig. Wie lange diese Arbeiten dauern und in welchem Umfang Mitarbeiter dafür benötigt werden, hängt nach Angaben des Unternehmens insbesondere von den behördlichen Anforderungen ab.

Parallel dazu will LEUNA Polyamid gemeinsam mit der Arbeitsagentur und Unternehmen am Chemiestandort nach neuen beruflichen Perspektiven für die Beschäftigten suchen. Das Unternehmen verweist dabei ausdrücklich auf die hohe fachliche Qualifikation und das Engagement seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Einschnitt für den Stoffverbund in Leuna

Das Aus für die laufende Produktion reicht in seiner Bedeutung über das einzelne Unternehmen hinaus. Chemieparks wie Leuna leben vom engen Stoff- und Energieverbund ihrer Unternehmen. Produkte und Nebenprodukte eines Betriebes dienen häufig als Rohstoffe für andere Anlagen. Fällt ein Teil dieser industriellen Kette weg, können deshalb auch andere Unternehmen am Standort betroffen sein.

Die weitere Entwicklung hängt nun wesentlich davon ab, wie der Abfahrbetrieb organisiert wird und welche Perspektive sich anschließend für die Anlagen ergibt. Fest steht zunächst, dass die laufende Produktion beendet werden soll.

LEUNA Polyamid dankte zum Abschluss des Investorenprozesses seinen Lieferanten, Dienstleistern und insbesondere den Kunden für die langjährige Zusammenarbeit. Eine Fortführung der Geschäftsbeziehungen sei ausdrücklich gewünscht gewesen. Unter den gegenwärtigen Marktbedingungen sei eine wirtschaftlich tragfähige Produktion am Standort jedoch nicht möglich.

Gunnar Redmer

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