VCI Foresight-Studie, Grafik: NORMALS

Mehr Mut für das Morgen nötig

Zehn Handlungsempfehlungen für eine starke Chemie-, Pharma- und Biotechindustrie

Deutschland steht industriepolitisch unter Zugzwang. Eine aktuelle Studie des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) zur Zukunft der Chemie-, Pharma- und Biotechbranche zeigt deutlich: Ohne entschlossene Reformen droht der Industriestandort weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Die vom Foresight-Team der Evonik Industries AG erarbeitete Analyse „Deutschland 2045“ entwirft fünf mögliche Zukunftsszenarien – und macht klar, welche Rolle Innovationen der Branche dabei spielen können.

Die Botschaft ist eindeutig: Abwarten ist keine Option. Stattdessen braucht es eine mutige, vorausschauende Industriepolitik, die den Standort stärkt und neue Wachstumschancen eröffnet.

Zehn Empfehlungen für eine starke Industrie

Auf Grundlage der Szenarien hat der VCI gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen zehn zentrale Handlungsempfehlungen formuliert. Sie zeigen Wege auf, wie Deutschland seine Innovationskraft, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit gezielt ausbauen kann.

Im Fokus stehen dabei sowohl kurzfristige Maßnahmen als auch langfristige Strategien. Dazu zählen insbesondere wettbewerbsfähige Energiepreise, der konsequente Abbau bürokratischer Hürden sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig wird betont, dass neue Wachstumsfelder – etwa in der Biotechnologie oder nachhaltigen Chemie – über mehrere Legislaturperioden hinweg strategisch entwickelt werden müssen.

Nur mit klaren Prioritäten und ausreichenden Ressourcen könne es gelingen, den industriellen Wandel aktiv zu gestalten.

„Zukunft wird gemacht“

Ulrike Zimmer, Bereichsleiterin Wissenschaft, Technik und Umwelt beim VCI, bringt es auf den Punkt:
„Zukunft passiert nicht – sie wird gestaltet. Und die Entscheidung, welche Zukunft wir wollen, fällt nicht 2045, sondern heute.“

Deutschland stehe an einem Scheideweg. Die Gefahr, international den Anschluss zu verlieren, liege nicht im Mangel an Wissen oder technologischen Fähigkeiten, sondern vielmehr im fehlenden politischen und gesellschaftlichen Willen zur Veränderung.

Auch Björn Theis, wissenschaftlicher Leiter der Studie bei Evonik, unterstreicht die Bedeutung strategischer Vorausschau:
„Szenarien sind keine Vorhersagen – sie sind Denkwerkzeuge. Sie helfen, Unsicherheiten zu strukturieren, um bessere Entscheidungen zu treffen.“

Wie könnte Deutschland im Jahr 2045 aussehen, Grafik: NORMALS

Fünf Wege in die Zukunft

Die Studie beschreibt fünf unterschiedliche Entwicklungspfade für Deutschland bis zum Jahr 2045. Sie reichen vom Fortschreiben des Status quo („Lange Bank“) bis hin zu einem koordinierten Aufbruch („Mission 2045“). Weitere Szenarien beleuchten eine stärkere europäische Integration („Europäischer Frühling“), ein sicherheitsorientiertes System („Resilienzparadigma“) sowie eine neue wirtschaftspolitische Balance zwischen Markt und Nachhaltigkeit („Ökoliberale Wende“).

Alle Szenarien zeigen: Die Zukunft ist offen – aber sie hängt maßgeblich von den Entscheidungen ab, die heute getroffen werden.

Kein Sparen in die Zukunft

Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet: Die Chemie-, Pharma- und Biotechbranche kann sich nicht in die Zukunft sparen. Innovationen, Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Ein Verharren im Status quo oder das Ignorieren absehbarer Herausforderungen sei keine Option – weder für die Industrie noch für den Standort Deutschland insgesamt.

Die Studie versteht sich daher auch als Impuls für einen breiteren gesellschaftlichen Dialog. Themen wie Arbeitswelt, sozialer Zusammenhalt und wirtschaftspolitische Weichenstellungen werden bewusst aufgegriffen.

Die Kernaussage bleibt klar: Eine positive Zukunft entsteht nicht von allein. Sie ist das Ergebnis mutiger Entscheidungen – und die müssen jetzt getroffen werden.

Zur Studie:
Die vollständige VCI-Foresight-Studie „Deutschland 2045“ ist online abrufbar.

Gunnar Redmer

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