Michael Bedla, Bürgermeister der Stadt Leuna Foto: Steffen Wilbrandt

Ein bewegtes Jahr 2025 neigt sich dem Ende entgegen. Wie in den vergangenen Jahren möchte ich diesen Moment nutzen, um gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf 2025 zurückzublicken. 

Für unsere Stadt gibt es einiges, wo ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass wir auf einem guten Weg sind. Es ist unseren Mitarbeitern der Bauverwaltung gelungen, die geplanten Investitionen im Hochbau erfolgreich umzusetzen: 

Neubau Kita Sonnenkäfer in Zöschen, Grundsteinlegung im Januar, Richtfest im Mai und die geplante Fertigstellung und Übergabe im Dezember 2025

Bauhof Leuna, Grundsteinlegung im November 2024, Richtfest im August 2025, geplante Fertigstellung im Februar 2026.

Diese Projekte zeigen uns, dass Bauen nach wie vor zügig ablaufen und im geplanten Kostenrahmen bleiben kann. Besonders letzteres ist in der heutigen Zeit wohl eher eine Ausnahme. Für unsere Kinder, die die Kita Sonnenkäfer in Zöschen besuchen, freut es mich ganz besonders, dass wir die zeitlichen Vorgaben einhalten konnten und die Übergangslösung beendet werden kann. Aber auch für unsere Mitarbeiter des Bauhofes in Leuna freut es mich, dass nun eine neue Ära des städtischen Bauhofes beginnt. Die Arbeitsbedingungen werden sich für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wesentlich verbessern. Natürlich gab es noch viele weitere Investitionen im Straßen- und Wegebau. Auch darauf können wir sehr stolz sein. 

Auch in Sachen Digitalisierung sind wir ein ganzes Stück vorangekommen: Seit Ende März stehen neue Online-Dienste im Serviceportal (unter: https://serviceportal-leuna.de/) zur Verfügung. Mittlerweile bieten wir über das Serviceportal mehr als 20 Dienstleistungen an. 

Es gibt verschiedene Ebenen der Anmeldung in Ihrem Bürgerkonto. Darüber sollten Sie sich, wenn Sie diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchten, im Serviceportal unter https://serviceportal-leuna.de/ informieren. Den Bürgermelder können Sie unter Angabe einer Mail-Adresse auch ohne weitere Anmeldeformalitäten nutzen. Bei einer elektronischen Wohnsitzanmeldung geht das natürlich nur nach vorheriger Autorisierung über Ihren digitalen Personalausweis. Dass es hier bei der Anmeldung noch zu Schwierigkeiten im Umgang kommen wird, verstehe ich. Hierzu sind im Serviceportal der Stadt Leuna Kontaktdaten angegeben, an die Sie sich bei Fragen und Problemen wenden können. Probieren Sie es einfach einmal bei nächster Gelegenheit aus. Einmal die BundID anlegen, damit wird dann die Antragstellung auch gelingen.

Außerhalb unserer Verwaltung erfreut es mich besonders, dass die gute Verbindung zum Chemiestandort weiterhin andauert. Beide Seiten sind in gewissem Maß voneinander abhängig und die Bewältigung der verschiedensten Herausforderungen unserer Zeit schaffen wir gemeinsam viel besser. Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, präsentierte dem Stadtrat im März dieses Jahres die Investitionstätigkeit und die derzeitige wirtschaftliche Situation am Chemiestandort.

Der aktuelle Ausblick für den Standort schließt sich an die Einschätzungen der Vorjahre an. Die Energiekosten sind weiterhin im internationalen Wettbewerb zu hoch. Dennoch versprühte Dr. Günther Optimismus und glaubt an eine Zeit nach dem Rückgang und nach den hohen Energiepreisen. Es gab anschließend ausreichend Gelegenheit, Fragen an Herrn Dr. Günther zu stellen, davon wurde rege Gebrauch gemacht.

Als Bürgermeister hatte ich die Möglichkeit, den Stammtisch der Öffentlichkeitsarbeit und den Geschäftsführerstammtisch des Chemiestandortes einmal in die Räumlichkeiten der Stadt, in die Feuerwehr in Leuna und in die Jahrhunderthalle nach Spergau, einzuladen. Im Mittelpunkt standen verschiedene Themen und es gab ausreichend Zeit, um über die gemeinsamen Interessen zu sprechen. Diese Stammtische sind gewachsene Formate und dienen auch der Transparenz und dem Austausch der Firmen am Standort untereinander.  Mir bot sich die Gelegenheit, den Vertretern vieler Firmen des Standortes unsere facettenreiche Stadt vorzustellen, über derzeitige Pläne und Investitionen vorzutragen und auch über die Entwicklung der Stadt mit ihren Ortschaften zu sprechen. Die Vorstellung der Stadt mit ihren Ortschaften verschaffte den Gästen einen Eindruck davon, welche Probleme es für uns in den nächsten Jahren zu lösen gilt. 

Wir sind als Stadt bestrebt, eng mit dem Standort zusammenzuarbeiten, und forcieren den Austausch und die Unterstützung, welche in unserer Verantwortung liegen. Hier gilt es insbesondere, für eine gute Balance zwischen Beruf und Familie zu sorgen. Dazu gehören die Bereitstellung ausreichender und guter Kita-Plätze; ein bedarfsdeckendes Angebot an saniertem und bezahlbarem Wohnraum sowie die Organisation der Infrastrukturen Wasser und Abwasser, um sie bezahlbar bereitzustellen. Eine weitreichendere Daseinsvorsorge ist durchaus vorstellbar. Ein gutes Beispiel für die Verbindung Standort – Stadt ist auch der alle zwei Jahre stattfindende Tag der offenen Tür am Chemiestandort. Dieser wird gemeinsam mit den Firmen des Standortes, der InfraLeuna, der Wohnungswirtschaft Leuna und der Stadt Leuna veranstaltet.

Besonders stolz hat mich gemacht, dass der MDR einen Film über den Chemiestandort Leuna, die Stadt Leuna und die dazugehörigen Ortschaftengedreht hat. Leuna als Synonym für Industrie, mit den ehemaligen doch umfassenden Umweltbeeinträchtigungen, wandelt sich zu einer lebens- und liebenswerten Stadt. Besonders erwähnenswert ist, dass die Beteiligten durchweg ihre Heimat lieben und sehr gern in Leuna mit ihren Familien leben. Das zog sich durch alle Altersgruppen. Leuna präsentiert sich heute als Magnet und wächst weiter dynamisch. Das macht Mut und Lust auf mehr! Es gäbe noch eine ganze Reihe mehr zu berichten, über die ich mich 2025 gefreut habe.

Worüber haben Sie sich geärgert?

Über die Art und Weise der Umsetzung der Grundsteuerreform durch die Bundes- und Landesregierung habe ich mich sehr geärgert. Obwohl alle Beteiligten die Unwuchten in der Berechnung bei den Wohngrundstücken und Nichtwohngrundstücken erkannten, wurde es nicht bereits in der Gesetzgebung geheilt, vielmehr wurde der „schwarze Peter“ den Städten und Gemeinden zugeschoben. Wir mussten, um unser Ziel der Aufkommensneutralität der Grundsteuer im Auge zu behalten, mit differenzierten Grundsteuerhebesätzen planen, bei der die verfassungsmäßige Rechtmäßigkeit einer obergerichtlichen Entscheidung erst noch standhalten muss. Das hätte man von Seiten der Bundes- und Landesregierung besser regeln müssen.  Dennoch haben wir es aufgrund einer außerordentlich gelebten Transparenz und Einbeziehung aller Ortschaften geschafft, ein durchweg einstimmiges Votum zu erreichen. Das war für mich sehr bemerkenswert.

Weiter habe ich mich sehr über den Diebstahl der Plastiken im Plastikpark Leuna geärgert. Nachdem wir als Stadt Leuna eine Prämie ausgelobt hatten für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter und zum Auffinden der Plastiken „Chemiewerker“, „Annette“ und „Afrikanerin mit Kind“ führten, gab es die Gewissheit, dass die Plastiken unwiederbringlich zerstört waren. Die Diebe hatten es nur auf den materiellen Wert der Plastiken abgesehen. Zukünftig werden die Plastiken elektronisch gesichert werden. Das Kunstmuseum Moritzburg wird in den nächsten Monaten und Jahren die Arbeiten ersetzen. 

Als Bürgermeister habe ich mich auch sehr über die Bewertung der Stadt Leuna im 2. Entwurf des Landesentwicklungsplanes geärgert. Aus städtischer und industrieller Sicht verwehrt die Landesregierung Leuna den Stellenwert, den Leuna aufgrund der Aufgabenwahrnehmung hat. Diese gehen weit über die Versorgung eines Grundzentrums hinaus. Allein der Chemiepark, im Wesentlichen auf der Gemarkung Leuna/Spergau, und der Einzelhandel im Nova mit seiner imposanten Größe und überregionalen Versorgungsgrad, sind Indizien für ein Mittelzentrum. Die Gemeinden in Sachsen-Anhalt haben derzeit die Gelegenheit bekommen, sich mit dem zweiten Entwurf des Landesentwicklungsplans (LEP) nochmals auseinanderzusetzen und Stellungnahmen einzureichen. Auch wir als Stadt Leuna haben davon Gebrauch gemacht.

Im Wesentlichen werden wir in unserer Entwicklung weiter eingeschränkt, da der LEP keine Aufwertung in der Kategorisierung Leunas zu einem Mittelzentrum vornimmt. Aus Sicht der Stadt lange überfällig, da die internationale Bedeutung des Standortes nicht mehr zu übersehen ist. Im LEP wird Leuna als Standort mit regionaler Bedeutung festgehalten! Bei der Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt wird Leuna als einer von 13 Zukunftsstandorten im Land mit dem Slogan „Morgen ist hier“ hervorgehoben!  Auch steuerlich trägt der Standort wesentlich mit Einnahmen bei, wie es in Sachsen-Anhalt nur Oberzentren leisten. Zudem gibt es mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, als die Stadt Einwohner hat. Dies können Sie im Pendleratlas nachlesen. Auch in außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist Leuna mit der Fraunhofer-Gesellschaft als maßgeblicher Trägerin mit Außenstellen für chemisch-biotechnologische-Prozesse CBP Leuna und Hydrogen Lab stark vertreten.  

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Vor allem wünsche ich mir von der Politik grundlegende Strukturreformen hin zu einer globalen Wettbewerbsfähigkeit. Ohne den Mut, die Hemmnisse abzubauen und den Unternehmen gleichwertige Wettbewerbsbedingungen zu verschaffen, werden wir global gesehen das Nachsehen haben.Mein Wunsch ist es, den Bürgerinnen und Bürgern weiter ein Auskommen zu sichern, welches sie für ihre eigene erfüllende Lebensgestaltung und ihre eigenen Wünsche in ihren Familien benötigen. Meine Dankbarkeit und Wünsche richten sich an die Erhaltung des Friedens, den wir in Deutschland seit gut 80 Jahren erleben dürfen. Auch das ist ein hohes Gut, was in der heutigen Zeit nicht mehr als selbstverständlich gilt.

Was tun Sie für die Sicherheit Ihrer Mitarbeiter?

Als Stadtverwaltung sind wir heute auch vor ganz andere Herausforderungen gestellt, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Heute spielen die Datensicherheit und der Cyberschutz eine immer größere Rolle. Dazu gilt es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorzubereiten. Darauf sensibilisieren wir in Schulungen und in Beratungsrunden. 

Das betriebliche Gesundheitsmanagement nimmt einen immer größeren Platz in unserer Verwaltung ein. Selbstverständlich ist die regelmäßige Begutachtung der Arbeitsplätze unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch geschultes Personal hinsichtlich der Ergonomie. Hier wird bereits Gesundheitsvorsorge betrieben, um Erkrankungen der Beschäftigten zu vermeiden. Im kommenden Jahr werden wir Gesundheitstage in der Stadtverwaltung, gemeinsam mit Dienstleistern wie Krankenkassen und Therapeuten, für die Beschäftigten anbieten.

Besonders bewährt haben sich die Maßnahmen zum Austausch der Schreibtische. Alle Beschäftigten in der Stadtverwaltung erhielten auch ohne ärztliche Verordnung bzw. einer Kostenübernahme durch die Versicherung auf Wunsch einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Das führte aus meiner Sicht zur Anerkennung und Wertschätzung der Beschäftigten gegenüber ihrem Arbeitgeber. Wir haben als Verwaltung gezeigt, dass uns die Gesundheit unserer Beschäftigten sehr am Herzen liegt, und das kam sehr gut bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an.

Ich wünsche Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Leserinnen und Leser des Leuna-Echos, von Herzen erholsame und besinnliche Weihnachten, einen guten Rutsch und ein friedliches, erfolgreiches neues Jahr 2026, vor allem Gesundheit und Frieden.