Thomas Micka auf dem jährlichen von der LENA organisierten »Energieberatertreffen Sachsen-Anhalt«. Foto: Dirk Mahler

Mit der Landesenergieagentur durch die Energiewende

Unternehmen wollen nachhaltiger und ressourcenschonender wirtschaften. Auf dem Weg zur Klimaneutralität werden sie in Sachsen-Anhalt von der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH (LENA) unterstützt. Thomas Micka, Fachbereichsleiter Wirtschaft bei der LENA, berichtet von Beratungsangeboten und Förderinstrumenten.

Herr Micka, Welche Aufgabe hat Ihr Fachbereich Wirtschaft?

Die Wirtschaft beansprucht circa 45 Prozent des Gesamt-Endenergiebedarfs in Sachsen-Anhalt. Eine unserer Aufgaben ist es, Unternehmen auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu begleiten. Dazu haben wir ein umfangreiches Informations- und Unterstützungsangebot entwickelt – von Auslegungs- und Dimensionierungshilfen für Querschnittstechnologien, über Systeme für erneuerbare Energien und Energieeffizienzsteigerungen durch Prozessoptimierung bis zu einer Vielzahl an Best-Practice-Beispielen.

Wie groß ist der Wille zur ressourcenschonenden und nachhaltigen Produktion, und wie kann die LENA helfen?

Die Bestrebungen sind groß, die Energieversorgung unabhängiger von fossilen Energieträgern zu gestalten, Prozesse zu optimieren und die Energieeffizienz zu steigern. Dabei können auch die Anreize des Bundes zur Planung von Transformationsprozessen helfen. Die Anfragen für klimaneutrales Wirtschaften haben sich vervielfacht. Darum bieten wir jetzt den »THG-Check Sachsen-Anhalt« an. Mit diesem LENA-eigenen Instrument ertüchtigen wir Energieberater im Land, normkonforme Treibhausgasbilanzen für Unternehmen zu erstellen und somit den ersten Schritt hin zur klimaneutralen Transformation zu gehen.

Die Fördermittelberatung und die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft bzw. Forschung sind weitere Angebote der LENA. Auch Mess- und Prüfsysteme stellen wir bei Bedarf zur einmaligen Nutzung kostenfrei zur Verfügung. Mit einem Ultraschallprüfsystem können Leckagen an Druckluftanlagen geortet und bewertet werden. Außerdem verleihen wir ein Analysegerät, mit dem elektrische Verbräuche und Lastverläufe gemessen werden.

Welche Förderinstrumente gibt es im Land?

Mit dem Förderprogramm »Sachsen-Anhalt ENERGIE« konnten in den vergangenen Jahren in hunderten Projekten über 140 Millionen Euro Investitionen in Energieeffizienz und nachhaltiger Energieversorgung umgesetzt werden. Noch in diesem Jahr soll es wieder die Möglichkeit geben, Fördermittel aus diesem Programm zu beantragen. Weitere Förderprogramme werden vom Energieministerium derzeit vorbereitet. Und: Die LENA organisiert Veranstaltungen und bietet Beratungen zur Orientierung in Unternehmen an. Fördermöglichkeiten des Bundes und des Landes veröffentlichen wir regelmäßig in unserem elektronischen Newsletter.

Thomas Micka von der LENA (links) erklärt bei der BNT Chemicals GmbH in Bitterfeld-Wolfen ein Ultraschallprüfgerät zur Bewertung der Druckluftanlage. Fotos: Dirk Mahler

Welche Rolle spielt das Thema »Grüne Energie« bei Unternehmen in Sachsen- Anhalt?

Der Anteil Erneuerbarer Energien im Strombereich liegt in unserem Bundesland bei 62 Prozent, im Bereich der Wärmeerzeugung ist das nicht inmal ein Drittel. Dem gegenüber stehen die Kosten für Wärmeerzeugung und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas. Dies erkennen viele Unternehmen und suchen Alternativen. Wir wollen Wärmeerzeuger mit Wärmeverbrauchern besser zusammen bringen.

Welchen Bedarf nach Wasserstoff gibt es aktuell im Land?

Noch nutzen Unternehmen im Land mehrheitlich Erdgas. Daher gibt es insbesondere bei Hochtemperaturprozessen ein großes Interesse an Wasserstoff. Dementsprechend hat die Landesregierung mit der Wasserstoffstrategie unter anderem die Einrichtung der Landeskoordinierungsstelle Wasserstoff veranlasst, die seit Herbst 2022 bei der LENA angesiedelt ist. Mein Kollege Dr. Stefan Scharf verantwortet diesen Bereich. Wasserstoff hat in Sachsen-Anhalt eine lange Tradition. Bereits seit 150 Jahren spielt er in der regionalen Chemieindustrie eine zentrale Rolle. Nun gilt es, diesen Energieträger klimaneutral herzustellen und ihn für weitere Anwendungen zugänglich zu machen. Sachsen-Anhalt hat den bedeutenden Standortvorteil, dass es bereits Wasserstoff-Pipelines gibt, die an die geplanten europaweiten Netze angebunden werden.

Björn Menzel, IMG

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