Sven Schulze, Ministerpräsident Sachsen-Anahlt zu Besuch in der Friedrich-Ludwig-Jahn Grundschule, Foto: L. Teschner

Neugier im Klassenzimmer: Wenn Grundschüler zu kleinen Forschern werden


Ministerpräsident Sven Schulze besucht die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Leuna

Leuna. Im Klassenzimmer summt ein 3D-Drucker, im Chemieraum steigt der Duft von gekochtem Rotkohl auf und auf den Tischen stehen Reagenzgläser neben Tablets. An der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Leuna gehört das Experimentieren zum Alltag. Davon überzeugte sich am Freitag auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bei einem Besuch der Schule.

Die Grundschule hat sich seit Jahren einen Namen als MINT-freundliche Schule gemacht. Der Begriff MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – Bereiche, die im Unterricht der Leunaer Einrichtung eine zentrale Rolle spielen.

„Diese Fächer sind bei uns fest im Stundenplan verankert“, erklärt Schulleiter Sandro Knoll. Besonders stark sei dabei die Verbindung zur Chemie ausgeprägt. Das passe gut zum Standort Leuna, der seit Jahrzehnten für seine chemische Industrie bekannt ist.

Früh Begeisterung für Naturwissenschaften wecken

Das Ziel der Schule ist klar: Kinder sollen schon in jungen Jahren Interesse an Naturwissenschaften entwickeln. Dabei steht vor allem praktisches Arbeiten im Mittelpunkt. Statt nur Theorie zu lernen, dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst experimentieren und ausprobieren.

Ein Beispiel dafür ist die Chemie-Arbeitsgemeinschaft, deren Teilnehmer zweimal jährlich am Experimentalwettbewerb Chemkids teilnehmen. Dort können sie ihr Wissen testen und neue Experimente kennenlernen.

Technik und Experimente im Unterricht

Wie der Unterricht konkret aussieht, zeigt ein Blick in die Klasse 3C. Einige Kinder beschäftigen sich mit kleinen Würfeln und versuchen, vorgegebene Formen nachzubauen. Die Aufgabe trainiert ihr räumliches Denken.

Gleich daneben arbeiten drei Schülerinnen und Schüler mit Tablets. Auf den Bildschirmen entstehen digitale Modelle, die anschließend mit dem 3D-Drucker im Klassenraum hergestellt werden sollen.

Währenddessen experimentiert ein anderer Teil der Klasse im Chemielabor. Möglich ist dieser parallele Unterricht, weil eine pädagogische Mitarbeiterin die Lehrkräfte unterstützt.

Im Labor wird gerade ein ungewöhnliches Experiment vorbereitet: Rotkohl wird klein geschnitten und in Wasser gekocht. Der daraus entstehende Sud dient als natürlicher Farbstoff. Vermischt man ihn mit Essig, entsteht eine Flüssigkeit, die hartgekochte Eier blau färbt – ein anschauliches Beispiel für chemische Reaktionen.

Lernen im eigenen Tempo

Auch die jüngsten Schülerinnen und Schüler arbeiten bereits selbstständig. In der ersten Klasse lernen die Kinder an verschiedenen Stationen. Jede Station steht für ein anderes Fach wie Deutsch oder Mathematik.

Alle 16 Minuten ertönt ein Wecker – dann wechseln die Kinder zur nächsten Aufgabe. „Der neue Stoff wird von Montag bis Donnerstag eingeführt“, erklärt Knoll. „Am Freitag können die Kinder ihn beim freien Arbeiten selbstständig vertiefen.“

Dieses Konzept habe sich über die Jahre bewährt und fördere eigenständiges Lernen.

Gespräch über Bildung und Zukunft

Als am Freitag schließlich der letzte Weckerton ertönt, endet für die Schülerinnen und Schüler die Schulwoche. Für Ministerpräsident Schulze und die Schulleitung ging der Termin jedoch noch weiter: In einer Gesprächsrunde mit Vertretern der Schule, des Trägers und des Landes wurde über Bildung, Förderung und die Zukunft solcher Schulkonzepte gesprochen.

Der Besuch machte deutlich, wie früh Kinder für Wissenschaft und Technik begeistert werden können – wenn sie die Chance bekommen, selbst zu forschen, zu experimentieren und zu entdecken.

Falk Morgenstern

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