Freigabe des Nordteils am Geiseltalsee, Foto: Landkreis Saalekreis

Nordteil des Geiseltalsees offiziell freigegeben

Meilenstein für Tourismus, Wassersport und Naturschutz im Saalekreis

Mit einer feierlichen Zeremonie wurde heute der nördliche Bereich des Geiseltalsees offiziell für Wassersport und touristische Nutzung freigegeben. Landrat Hartmut Handschak durchschnitt gemeinsam mit Elke Kreische-König, Sanierungsbereichsleiterin Mitteldeutschland bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), sowie den Bürgermeistern der Anrainergemeinden symbolisch das Eröffnungsband. Mit dabei waren Andreas Marggraf (Mücheln), Steffen Schmitz (Braunsbedra) und Christian Runkel (Bad Lauchstädt).

Die Freigabe markiert einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung des ehemaligen Braunkohlereviers zu einer bedeutenden Freizeit- und Tourismusregion in Sachsen-Anhalt. Über 300 Jahre wurde auf dem Gebiet des heutigen Geiseltalsees Braunkohle gefördert. Mit der Einstellung des Bergbaus am 30. Juni 1993 begann der tiefgreifende Wandel der Landschaft. Das Areal wurde rekultiviert und zwischen 2003 und 2011 geflutet.

Bereits 2012 erfolgte die erste Teilfreigabe an der Marina Mücheln, gefolgt von weiteren Nutzungserweiterungen in den Jahren 2014 und 2017. Das seit 2019 laufende Verfahren zur Freigabe des nördlichen Seebereichs konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden. Vorausgegangen waren umfangreiche Abstimmungen zwischen den Kommunen, der Naturschutzbehörde sowie der LMBV.

Mit der neuen Allgemeinverfügung ergeben sich mehrere Neuerungen für Besucher und Wassersportler. Neben der Nutzung des nördlichen Seeteils ist künftig auch das Kite-Surfen erlaubt. Zudem wird die bisherige PS-Beschränkung aufgehoben, während die maximal zulässige Geschwindigkeit auf dem See bestehen bleibt.

Der Geiseltalsee zählt heute mit einer Wasserfläche von 8,4 Quadratkilometern und rund 41 Kilometern Uferlänge zu den größten künstlichen Seen Deutschlands. Entlang des Ufers entstanden in den vergangenen Jahren Ferienanlagen, Campingplätze und moderne Marinas, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Besucher aus ganz Deutschland nutzen das vielseitige Freizeitangebot – vom Segeln und Bootfahren bis hin zu Rad- und Wandertouren rund um den See.

Eine besondere Attraktion stellt der Weinberg „Goldener Steiger“ dar. Auf rekultivierten Flächen gedeihen heute Rebsorten wie Müller-Thurgau und Portugieser – ein Symbol für den erfolgreichen Wandel der Region.

Auch aus ökologischer Sicht besitzt der Geiseltalsee eine herausragende Bedeutung. Rund um den See erstreckt sich ein wertvolles Naturschutzgebiet, das zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Rast- und Zugvögel wie Blässgänse und Tafelenten finden hier ebenso geeignete Bedingungen wie Kormorane, Steppenmöwen oder Bienenfresser. Darüber hinaus leben am See seltene Amphibien, Reptilien sowie zahlreiche Insektenarten. Besonders bemerkenswert ist der Nachweis der sogenannten Furchtbiene, die hier erstmals in Deutschland entdeckt wurde. Auch seltene Pflanzenarten und Orchideen prägen das Landschaftsbild.

Landrat Hartmut Handschak würdigte in seinem Grußwort die Entwicklung des Geiseltalsees als beispielhaften Strukturwandel:

„Als 1993 die letzte Braunkohle gefördert wurde, konnte sich noch niemand vorstellen, welches Kleinod hier einmal entstehen würde. Der Geiseltalsee ist heute ein Ort der Erholung, des Wassersports und zugleich ein wertvoller Naturraum. Mit der heutigen Freigabe gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt für die Entwicklung unserer Region – immer mit dem Ziel, Wirtschaft und Naturschutz in Einklang zu bringen.“

Falk Morgenstern

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