Christoph Zeiss, Senior Researcher am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie auf der Veranstaltung CarbonCycleCultureClub (C4) 2025, Foto: Sergei FrostFoto

Quo vadis CMS-Strategie Sachsen-Anhalt

CarbonCycleCultureClub diskutiert Zukunft der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft im Mitteldeutschen Revier

Wie positioniert sich Sachsen-Anhalt zur Carbon-Management-Strategie (CMS) des Bundes? Und welche Perspektiven eröffnen sich für Industrie, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Mitteldeutschen Revier? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Quo vadis CMS-Strategie Sachsen-Anhalt?“, zu der der CarbonCycleCultureClub (C4) am Donnerstag, 26. Februar 2026, von 18 bis etwa 21 Uhr in die Räumlichkeiten des H2O Turmpark e.V., Alt Salbke 110c in Magdeburg, einlädt. Die Veranstaltung findet hybrid statt – in Präsenz sowie digital per Livestream mit interaktivem Diskussionsraum.

Ein Jahr nach Veröffentlichung der vom Forum Rathenau beauftragten Basisstudie „Strukturwandel: Kohlenstoffbasierte Industrien in Mitteldeutschland auf dem Weg in neue Märkte – Schwerpunkt wirtschaftliche Ausgangslage und Entwicklungspotenziale“ soll Bilanz gezogen werden: Welche Fortschritte wurden erzielt? Welche Weichen sind noch zu stellen? Und wie können industrielle Kernstrukturen im Zuge der Transformation gesichert und weiterentwickelt werden?

Carbon Management zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit

Während zahlreiche Unternehmen ihre Produktionsprozesse durch Elektrifizierung oder den Einsatz erneuerbarer Energien bereits nachhaltiger gestalten, bleiben in bestimmten Industriezweigen prozessbedingte, schwer oder nicht vermeidbare CO₂-Emissionen bestehen – etwa in der Kalk- und Zementindustrie, Teilen der Chemiebranche oder der Abfallverbrennung. Klimaneutralitätsstudien gehen daher davon aus, dass Technologien zur Abscheidung von CO₂ (Carbon Capture) und dessen Nutzung (CCU) oder dauerhaften Speicherung (CCS) notwendig sein werden, um Klimaziele zu erreichen.

Doch welche wirtschaftlichen Chancen bieten diese Technologien – jenseits der Einsparung von CO₂-Zertifikaten? Welche Potenziale eröffnet insbesondere die Nutzung von biogenem CO₂ für neue Geschäftsmodelle? Und wie viel Planungssicherheit brauchen Unternehmen, um entsprechende Investitionen zu tätigen?

Ein Blick nach Nordrhein-Westfalen zeigt, wie ein Bundesland diesen Prozess strategisch gestalten kann. Dort wurde bereits eine eigene Carbon-Management-Strategie verabschiedet. Christoph Zeiss, Senior Researcher am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und Hauptautor der genannten Basisstudie, hat diesen Prozess begleitet. Er sieht den Erfolg vor allem im engen Schulterschluss zwischen Industrie, Forschung und Politik:
„In einem intensiven Dialog haben Industrie, Forschung und Politik ihre Ziele miteinander abgeglichen. Daraus wurde eine gemeinsame Zielrichtung: Wir verbinden den Weg zur Klimaneutralität in Nordrhein-Westfalen mit dem Erhalt der industriellen Strukturen und der Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze in der Chemiebranche.“

Sachsen-Anhalt sucht seine Position

In Sachsen-Anhalt läuft die Debatte ebenfalls auf Hochtouren. Stefanie Pötzsch, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt, betont die wirtschaftspolitische Dimension:
„Ein zukunftsweisendes Carbon Management ist eine konkrete wirtschaftspolitische Aufgabe, der sich die Europäische Union, der Bund und die Länder stellen. Wer energieintensive Industrie halten und neue Investitionen anziehen will, muss Klimaschutz mit industrieller Wettbewerbsfähigkeit verbinden. Die Arbeiten an einer Carbon Management-Strategie des Bundes sind für die Unternehmen entscheidend, um ihnen die notwendige Planungssicherheit für ihre Investitionen in klimafreundliche Technologien zu geben. Die Diskussion wird zeigen, welche Chancen sich daraus für Sachsen-Anhalt als Industriestandort ergeben.“

Auch das Umweltressort sieht Handlungsbedarf. Staatssekretär Dr. Steffen Eichner verweist darauf, dass Emissionsminderung zunächst durch direkte Maßnahmen wie Elektrifizierung oder den Umstieg auf erneuerbare Energieträger erfolgen müsse. Für unvermeidbare Restemissionen seien CCS- und CCU-Technologien jedoch eine Option. Umwelt- und Wirtschaftsministerium hätten daher frühzeitig den Dialog mit Stakeholdern gesucht und ein Positionspapier zu CCS/CCU erarbeitet. Auf dieser Grundlage bringe sich Sachsen-Anhalt in die politischen Prozesse auf Bundes- und EU-Ebene ein.

Dialogplattform für Industrie und Politik

Moderiert wird der Abend von Professor Ralf Wehrspohn, Vorstandsvorsitzender des Forum Rathenau. Neben Christoph Zeiss diskutieren Stefanie Pötzsch und Dr. Steffen Eichner mit Carsten Franzke, Vorstand des Forum Rathenau und Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, sowie Dr. Markus Lorenz, Manager Expert Climate & Energy bei Südzucker in Zeitz.

Im Fokus steht die Frage, welche Schritte für Sachsen-Anhalt sinnvoll sind, um klimaneutrale Industrien und neue Technologien im Mitteldeutschen Revier voranzubringen – und gleichzeitig bestehende Arbeitsplätze zu sichern sowie neue zu schaffen.

Transformation als Bildungs- und Innovationsprojekt

Der Forum Rathenau e.V. mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen versteht sich als Impulsgeber des Transformationsprozesses im Mitteldeutschen Revier. Seit seiner Gründung im Jahr 2019 vermittelt das Projekt Innovationen der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft und wird seit 2023 im Rahmen des STARK-Programms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert. Ziel ist der Aufbau eines postfossilen, nachhaltigen Kohlenstoff-Kompetenzclusters in Sachsen-Anhalt.

Die Aktivitäten reichen von schulischer Bildung über Formate des lebenslangen Lernens bis hin zur Unterstützung von Unternehmens­transformationen und Gründungen. Kommunikationsformate wie der CarbonCycleCultureClub sollen die Chancen der postfossilen Kreislaufwirtschaft sichtbar machen und gesellschaftlich diskutieren.

Interessierte können sich bis zum 24. Februar 2026 anmelden.

Anmeldung und weitere Informationen

Die Frage „Quo vadis?“ richtet sich damit nicht nur an die Politik, sondern an eine gesamte Industrieregion im Umbruch – zwischen Klimazielen, Wettbewerbsfähigkeit und dem Anspruch, industrielle Wertschöpfung auch in einer postfossilen Zukunft zu sichern.

Falk Morgenstern

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