Magdeburg. Wie kann Klimaschutz gelingen, ohne industrielle Wertschöpfung zu gefährden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Quo vadis CMS-Strategie Sachsen-Anhalt?“, zu der der CarbonCycleCultureClub (C4) Ende Februar in den H2O-Turmpark in Magdeburg eingeladen hatte. Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Industrie diskutierten über die Zukunft der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft im Mitteldeutschen Revier.
Moderiert wurde die Runde von Professor Ralf Wehrspohn, Vorstandsvorsitzender des Forum Rathenau. Zu den Gästen gehörten unter anderem Christoph Zeiss vom Wuppertal Institut, Stefanie Pötzsch, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts, Dr. Steffen Eichner, Staatssekretär im Umweltministerium, Carsten Franzke, Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, sowie Dr. Markus Lorenz von Südzucker.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Rolle von Carbon-Management-Technologien wie CO₂-Abscheidung, Speicherung und Nutzung (CCS/CCU). Sie gelten als mögliche Lösung für Branchen, deren Emissionen sich technisch nur schwer vollständig vermeiden lassen – etwa in der Chemie-, Zement- oder Kalkindustrie.

Carsten Franzke betonte die wirtschaftliche Bedeutung einer funktionierenden Kohlenstoffkreislaufwirtschaft. „Kohlenstoffkreislaufwirtschaft ist eine entscheidende Lösung für den Klimaschutz“, sagte er. Technologien zur Abscheidung und Nutzung von CO₂ könnten als Übergangslösung dienen, um Klimaziele zu erreichen, ohne die industrielle Basis zu gefährden. CO₂ müsse dabei nicht nur als Emission gesehen werden, sondern auch als Rohstoff für industrielle Prozesse.
Auch die Landespolitik sieht im Carbon-Management einen wichtigen Baustein für die Transformation der Wirtschaft. Staatssekretärin Stefanie Pötzsch berichtete von einem Stakeholder-Treffen zur geplanten Carbon-Management-Strategie des Landes. Ziel sei es, gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft ein Positionspapier zu entwickeln.
Sachsen-Anhalt stehe vor der Aufgabe, ehrgeizige Klimaziele mit dem Erhalt der industriellen Wertschöpfung zu verbinden, sagte Pötzsch. Gerade im Mitteldeutschen Revier gebe es großes Potenzial: „Ich bin davon überzeugt, dass sich die Region zu einer Vorreiterregion für eine moderne Kohlenstoffkreislaufwirtschaft entwickeln kann.“
Einen Blick auf mögliche Wege dorthin lieferte Christoph Zeiss vom Wuppertal Institut. Er erläuterte den Prozess zur Entwicklung der Carbon-Management-Strategie in Nordrhein-Westfalen, die bereits 2021 verabschiedet wurde. Entscheidend seien dabei zwei Faktoren gewesen: Konstanz und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie. Diese breite Einbindung habe dazu geführt, dass die Strategie auch nach einem Regierungswechsel fortgeführt wurde.
Eine zusätzliche Perspektive brachte Dr. Markus Lorenz von Südzucker ein. Er hob die Rolle von biogenem Kohlenstoff hervor. In einer klimaneutralen Industrie könne Kohlenstoff weiterhin genutzt werden – etwa für Kunststoffe oder synthetische Kraftstoffe –, sofern er nicht aus fossilen Quellen stammt, sondern aus Biomasse oder durch Technologien zur CO₂-Abscheidung aus der Luft gewonnen wird. Verfahren wie BECCU oder BECCS könnten sogar zu negativen Emissionen beitragen.
Auch Staatssekretär Dr. Steffen Eichner unterstrich die Bedeutung des Dialogs zwischen Politik und Wirtschaft. Vorrang habe zunächst die direkte Reduktion von Emissionen, etwa durch Elektrifizierung oder den Einsatz erneuerbarer Energien. Für unvermeidbare Emissionen könnten Technologien des Carbon-Managements jedoch eine wichtige Rolle spielen – auch, um Arbeitsplätze im Industrieland Sachsen-Anhalt zu sichern.
Die Diskussion soll im März fortgesetzt werden. Beim nächsten Treffen des CarbonCycleCultureClub im Industrie- und Filmmuseum Bitterfeld-Wolfen steht die Frage im Mittelpunkt, welche wirtschaftlichen Chancen Technologien zur CO₂-Entnahme aus der Umwelt für das Mitteldeutsche Revier eröffnen könnten.
Falk Morgenstern





