Wer sich mit dem Chemiestandort Leuna beschäftigt, liest schnell den Namen Klaus Paur. Der Inhaber und Geschäftsführer der LEUNA-Harze GmbH ist auch Gesellschafter bei der InfraLeuna, Vorsitzender des Aufsichtsrates und als Experte gefragt.
Herr Paur, Sie feiern in diesem Jahr ihr 60-jähriges Dienstjubiläum. Wie sind Sie ins Berufsleben gestartet?
Ich habe am 1. September 1963 in der Nähe von Augsburg bei einer Tochtergesellschaft der Siemens AG meine kaufmännische Lehre begonnen.
Sie haben 1995 das Unternehmen LEUNA-Harze gegründet. Was hat Sie damals motiviert?
Ich bin kein Chemiker, glaube aber, dass ich unternehmerisches Gespür mitbringe. Im Marktumfeld gab es damals nur ein paar große internationale Unternehmen auf dem Gebiet der Epoxidharze. Die Marktkonstellation hat mich interessiert. Ich bin schon 1990 nach Leipzig gekommen und habe einen Anlagenbauer übernommen. Die Erwartungen und der Optimismus hier im Osten waren 1990 ungeheuer hoch. Ich habe Land und Leute sofort spannend gefunden, gemocht und bin gerne geblieben. Mit Anfang 40 habe ich meinen Traum der Selbstständigkeit wahr gemacht. Ich hatte 1995 in Leuna ein gutes Team mit hoher technischer Kompetenz. Gemeinsam haben wir einen guten Start hingelegt.
Bei LEUNA-Harze dreht sich alles um die Epoxidharze. Können Sie uns kurz erklären, wofür diese gebraucht werden?
Das Unternehmen stellt Epoxidharze her, die in der Bauchemie eingesetzt werden. Sie sind das Ausgangsmaterial für Klebstoffe. Und sie sind ein wichtiges Material für die Herstellung von Compositen, so beispielsweise für Rotorblätter von Windkraftanlagen. Aber auch die Lack- und die Elektro-Industrie brauchen die Kunstharze aus Leuna.
Sie stehen für Nachhaltigkeit. Können Sie ein Beispiel nennen?
Wir beliefern heute mit rund 40 Prozent die Windindustrie und versuchen, immer mehr nachhaltige Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Ein wichtiger Rohstoff in der Herstellung ist das biobasierte Epichlorhydrin. Der Kohlenstoffanteil des Epichlorhydrins wird aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Wir stellen es auf Basis von Glycerin her, welches wiederum aus Abfallstoffen gewonnen wird – damit sind wir der einzige Hersteller in Europa und sparen bei der Produktion rund 30 Prozent CO2 ein. Derzeit steigt die Nachfrage.
Mehr als 400 Millionen Euro haben Sie inzwischen in Leuna investiert. Ihren Umsatz hatten Sie schon 2020 auf das 16-fache erhöht. Eine beeindruckende Leistung. Wie schaffen Sie das?
Wir haben ein hervorragendes Produkt oder vielmehr inzwischen mehr als 100 Produkte, die wir heute in mehr als 40 Länder weltweit exportieren. Wir bleiben am Ball und entwickeln uns laufend weiter. Und wir sind ein gutes Team mit hoher Fachkompetenz und Engagement. Das erlebe ich auch heute noch jeden Tag hier in Leuna.
Inzwischen haben sie mehr als 100 junge Menschen in Ihrem Unternehmen ausgebildet. Sie tun etwas, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Ich erinnere mich an Zeiten, in denen 500 Bewerbungen für eine neue Anlage eingetroffen sind. Inzwischen spüren wir den Fachkräftemangel. Daher war unsere Strategie, selbst auszubilden und die Fachkräfte im Unternehmen zu halten, genau richtig. Wir bilden in mehreren technischen Berufen aus und viele Ausgebildete arbeiten auch heute unter unseren 200 Beschäftigten.
Was fasziniert Sie am Chemiestandort Leuna?
Ich bin fasziniert von der dynamischen Entwicklung des Standorts. Ich habe noch Bilder von 1994 vor Augen, als es hier aus den Rohrleitungen tropfte, Gebäude waren zerfallen und in einem maroden Zustand. Wer sich heute hier umsieht, kann sich das gar nicht mehr vorstellen. Heute ist in Leuna sichtbar, wie hervorragend sich die Unternehmen entwickelt haben. Das spornt immer wieder an.
Woher nehmen Sie Ihre Energie?
Ich bin jeden Tag unterwegs in meinen Unternehmen in Leipzig und Leuna und am Wochenende in Augsburg bei meinem kleinen Unternehmen. Meine Energie gewinne ich aus der Motivation und aus dem Erfolg. Über all die Jahre bin ich auch gerne als Botschafter zwischen Ost und West unterwegs.
Andrea Weingard





