Fördermittelbescheid feierlich in Dessau übergeben
Dessau/Bitterfeld-Wolfen. Mit einer feierlichen Übergabe des Fördermittelbescheids ist am Donnerstag in Dessau das Projekt „Zukunftsschmiede Industriekultur: Jugend gestaltet Wandel“ offiziell gestartet. Staatsminister Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, würdigte das Vorhaben als wegweisenden Beitrag für Bildung, Strukturwandel und regionale Entwicklung.
Das Projekt zählt zu den ambitioniertesten Initiativen im Kontext des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB) in Sachsen-Anhalt. Es verfolgt das Ziel, Jugendliche ab der siebten Klassenstufe für die Zukunft ihrer Region zu begeistern – praxisnah, kreativ und mit direktem Bezug zur Lebenswelt. Im Mittelpunkt steht die Verknüpfung von Industriekultur, nachhaltiger Innovation, digitaler Bildung und moderner Berufsorientierung.
Getragen wird die „Zukunftsschmiede Industriekultur“ vom Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e. V. und dem Forum Rathenau e. V. Gemeinsam erhalten sie Fördermittel aus dem JTF/NEB-Programm der Investitionsbank Sachsen-Anhalt. Insgesamt stehen für das Verbundprojekt bis zu 1,29 Millionen Euro zur Verfügung, die Laufzeit reicht bis Ende November 2027.
Neue Wege der Berufsorientierung
Kern des Projekts sind mehrere innovative Module: Geplant sind mobile Pop-up-Lernstationen, ein mit Virtual-Reality-Technik ausgestattetes „Zukunftsmobil“, kreative Werkstätten sowie industriekulturelle Erlebnisräume und Exkursionen. Ergänzt wird das Angebot durch eine interaktive Ausstellung zum Werkstoff Aluminium und ein öffentliches Abschlussformat, bei dem Jugendliche ihre Zukunftsvisionen präsentieren.
„Wir wollen Berufsorientierung neu denken – näher an der Lebenswelt und näher an den realen Transformationsprozessen der Region“, betonte Markus Hampel, Geschäftsführer des Bildungszentrums Wolfen-Bitterfeld. Ziel sei es, junge Menschen nicht nur zu informieren, sondern aktiv zu begeistern und ihnen konkrete Perspektiven aufzuzeigen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf aufsuchender Bildungsarbeit. Die Angebote sollen direkt an Schulen, in Jugendzentren und im öffentlichen Raum stattfinden. So sollen gezielt auch Jugendliche erreicht werden, die bisher wenig Zugang zu klassischen Orientierungsformaten hatten.
Industriekultur als Zukunftsthema
Inhaltlich knüpft das Projekt an die industrielle Geschichte und Gegenwart des mitteldeutschen Reviers an. Gleichzeitig richtet es den Blick klar nach vorn. Die geplante Mitmach-Ausstellung „Aluminium – von Bitterfeld in die Welt“ steht beispielhaft für diesen Ansatz: Sie verbindet historische Entwicklung mit Themen wie Kreislaufwirtschaft, Materialinnovation und Klimaschutz.
„Junge Menschen brauchen Erfahrungsräume, in denen sie selbst entdecken können, was Wandel bedeutet“, sagte Dr. Nadine Slomma vom Forum Rathenau. Genau hier setze das Projekt an, indem es naturwissenschaftliche Neugier, kreatives Arbeiten und gesellschaftliche Verantwortung zusammenführe.
Auch Projektleiter Sándor Mohácsi sieht in der Initiative mehr als ein Bildungsangebot: „Es ist eine Einladung an eine ganze Generation, die Region neu zu entdecken – als Ort der Möglichkeiten und der Mitgestaltung.“
Signal für den Strukturwandel
Staatsminister Robra hob in seiner Rede die Bedeutung des Projekts für den Strukturwandel hervor. Es knüpfe an die Tradition des Bauhauses an und übertrage dessen Ideen in die Gegenwart: „Damals wie heute gestalten junge Menschen von Sachsen-Anhalt aus die Welt – kreativ, nachhaltig und mutig.“
Die Partner verstehen den offiziellen Start bewusst als Auftakt für einen breiten Dialog in der Region. In den kommenden Monaten sollen Schulen, Unternehmen, Kultureinrichtungen und zivilgesellschaftliche Akteure eng eingebunden werden.
Mit der „Zukunftsschmiede Industriekultur“ entsteht damit nicht nur ein innovatives Bildungsprojekt, sondern auch ein neues Narrativ für den Wandel in Sachsen-Anhalt: eines, das Zuversicht vermittelt, Beteiligung stärkt und Zukunft konkret erlebbar macht.
Falk Morgenstern





