Der Fachbereich Bahnlogistik der InfraLeuna GmbH ist verlässlicher Dienstleister und gleichzeitig Betreiber
der Gleisinfrastruktur am Chemiestandort Leuna. Das Leuna-Echo besuchte Fachbereichsleiter Sebastian Ludwig (Mitte)
und einige seiner Mitarbeiter, die während und nach den GDL-Streiks bei der Deutschen Bahn alle Hände voll zu tun hatten
und so die Streiksituation gut bewältigt haben. Foto: Birgit Brockmann

Streik zwingt in die Warteschleife

Auch die Werksbahn war vom Streik der GDL betroffen. Für den Standort gab es keinen gravierenden Schaden.

»Wir bewegen was« – unter diesem Slogan fährt die Werksbahn Leuna. Und sie bewegt viel: Immerhin rund 65 Prozent der in den Unternehmen des Chemiestandortes hergestellten Produkte werden über die ca. 93 km des Werksschienennetzes transportiert. Im Vergleich zu ganz Deutschland, wo nur circa 20 Prozent der Güter mit der Eisenbahn transportiert werden, ist das absolut Spitze.

Doch wenn die Gewerkschaft der Lokführer zum Streik aufruft, wie es bei der Deutschen Bahn im Januar gleich zweimal der Fall war, kommt es im Rahmen der Einzelwagenfrachten zu Einschränkungen. Im Wesentlichen trifft das dann die Chemiekunden, die auf das Netz der DB Cargo angewiesen sind. In der Regel werden circa 40 bis 50 Wagen pro Tag am Chemiestandort zu- und abgeführt, die als Konsequenz der treikauswirkungen an Ort und Stelle verweilen müssen. In Großkorbetha werden die Einzelwagenfrachten dem öffentlichen Netz der Deutschen Bahn übergeben, um von dort aus mittels Güterzügen von Verkehrsknoten zu Verkehrsknoten und letztlich zu den Kunden gebracht zu werden.

Doch wenn die GDL-Lokführer im öffentlichen Netz kein Rad mehr bewegen, dann ist hier Ruhe. Denn ab hier liegt das Schicksal der Kunden in der Hand der DB Cargo, der Gütertransportsparte der Deutschen Bahn. Und da hat die DB eine Monopolstellung. »Dadurch gibt es kaum Alternativen für uns und unsere Kunden. Man ist mit den Einzelwagentransporten auf die DB Cargo angewiesen«, erklärt Sebastian Ludwig, Fachbereichsleiter
Bahnlogistik der Werksbahn Leuna. »Bei den Ganzzügen, die von hier bis zum Kunden als eine Einheit bestehen bleiben, ist das dagegen kaum ein Problem.« Das sind vor allem Züge für die Mineralölindustrie, die gegebenenfalls durch private Transporteure wie die InfraLeuna befördert werden können.

Die Züge stehen still Foto: Birgit Brockmann

»Dass wir durch den Streik nichts aus dem Werk heraus transportieren konnten, ist das eine«, sagt Ludwig. »Es kam ja aber auch nichts über die Schiene rein, also keine Rohstoffe, die die Firmen für die Produktion brauchen. Die DB Cargo lässt es ungern zu, dass wir selbst Wagen abholen.« Und dass Unternehmen von heute auf morgen von der Schiene auf die Straße umsteigen können, ist nahezu unmöglich. Diese Konsequenz wäre auch das falsche Signal für den Verkehrsträger Schiene, so Ludwig. Letztendlich aber, sagt er, habe man die Streik-Situation dank eines umsichtigen Managements der InfraLeuna und der hiesigen Unternehmen gut bewältigt. Und dank vieler Erfahrungen aus vergangenen Jahren, in denen die Gewerkschaft der Lokführer auch Streiks geführt hat.

»Wir haben gelernt und sind so auch diesmal relativ gut durchgekommen.« Ein einziger Fall sei ihm bekannt, wo es für ein Unternehmen kritisch wurde. »Hier haben wir mit DB Cargo einen Weg gefunden, damit der Kunde seine Anlage nicht runterfahren musste.« Sechs Tage Streik wie im Januar sind laut Ludwig eine Herausforderung. Die Auswirkungen seien bis in diese Tage hinein zu spüren. Das, was nach dem Streik kommt, sagt er, sei das, was noch schwieriger ist: den Motor wieder in Gang zu kriegen, die Normalität wieder herzustellen. Und das so schnell wie möglich. Denn dass ein Bahnstreik für die ohnehin sensible Wirtschaft schädlich ist, ist keine Frage. Zuverlässigkeit und Qualität sind in seinen Augen das A und O für die Firmen.

»Den großen Stau aufzulösen, hat Zeit und Kraft gebraucht. Das war einer unserer Hauptschwerpunkte in den letzten Wochen. Die Übernahme unserer Einzelwagen lief schleppend. Wir hatten eine starke Kommunikation mit der DB, haben Sonderzüge etc. gefordert. DB Cargo hat sich im Rahmen der Möglichkeiten gekümmert und nach Lösungen gesucht.« Allerdings hoffe er, dass baldigst eine Einigung zwischen den Lokführern der GDL und der Chefetage der Deutschen Bahn zustande kommt.

Kurz nach Redaktionsschluss erreichte das Leuna-Echo die Nachricht, dass die GDL den Tarifkonflikt fortsetzen wird. Die Streikwelle trifft so erneut den Güterverkehr. Das stellt eine weitere Herausforderung für die Werksbahn am Standort Leuna dar.

Christine Färber

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