Bei der Paneldiskussion im cCe Kulturhaus Leuna (v. l. n. r.): Ulrich Bobinger, Moderator der Veranstaltung, Eva Ackermann, Referatsleiterin im Bundesministerium fรผr Digitales und Verkehr, Dr. Christof Gรผnther, Geschรคftsfรผhrer der Infra Leuna GmbH, Prof. Dr.- Ing. Martin Kaltschmitt, Institut fรผr Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der TU Hamburg und Benedikt Wirmer, Bereichsleiter Energie- und klimapolitische Regulierung im en2x โ€“ Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. Foto: Birgit Brockmann

Strombasierte Kraftstoffe: die Energie mit Zukunft

Das Deutsche Zentrum fรผr Luft- und Raumfahrt (DLR) errichtet am Chemiestandort Leuna die deutschlandweit grรถรŸte Forschungsanlage fรผr die industrielle Produktion von Power-to-Liquid-Kraftstoffen.

Im kommenden Jahr soll er starten โ€“ der Bau der Technologieplattform Power-to-Liquid-Kraftstoffe, kurz TPP, des Deutschen Zentrums fรผr Luft- und Raumfahrt. Im Mittelpunkt der in Form und GrรถรŸe einzigartigen Forschungs- und Demonstrationsanlage werden Technologien und groรŸtechnische Verfahren stehen, um strombasierte Kraftstoffe, zeitnah in industriellem MaรŸstab herzustellen. Fรผr die Planungsphase hat das Bundesverkehrsministerium bis zu 12,7 Millionen Euro zur Verfรผgung gestellt.

Die Bewilligung der Umsetzungsphase in Hรถhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags soll Ende des Jahres erfolgen. Der Betrieb der Forschungsanlage ist zunรคchst bis 2035 geplant, ein Weiterbetrieb darรผber hinaus ist angedacht. Wie das DLR informiert, werden circa 100 Arbeitsplรคtze in den Bereichen Bau, Anlagenbetrieb und Forschung entstehen.

Blick in die Zukunft

Am 16. Oktober 2023 hat das DLR vor Ort seine Planung fรผr die neue Anlage vorgestellt und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien ins cCe Kulturhaus Leuna eingeladen.

Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR, betonte in ihrer Ansprache, welch wichtiger Baustein strombasierte Kraftstoffe sind, um die Mobilitรคt der Zukunft insbesondere auch im Luftverkehr klima- und umweltvertrรคglicher zu machen. ยปMit der TPP wird das DLR gemeinsam mit namhaften Industrieunternehmen sowie Forschungseinrichtungen die dafรผr notwendigen Technologien entwickeln und demonstrieren โ€ฆ So entsteht einmaliges Know-how mit dem wir den Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland weiter stรคrkenยซ, sagte sie anlรคsslich der Veranstaltung in Leuna.

Die Suche nach einem geeigneten Standort fรผr den Aufbau der Technologieplattform erfolgte Deutschlandweit in einem intensiven Auswahlverfahren mit รผber 60 Standorten. Dass nun der Chemiestandort Leuna ausgewรคhlt wurde, liegt an den idealen Voraussetzungen und Synergien, die der Stoffverbund und die ansรคssigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen bieten. ยปDas industrielle Umfeld und die professionellen Infrastrukturen und Dienstleistungen am Chemiestandort Leuna werden dazu beitragen, den Weg erneuerbarer Kraftstoffe vom Technikum in die Praxis zu ebnenยซ, erlรคuterte Dr. Christof Gรผnther, Geschรคftsfรผhrer des Standortbetreibers InfraLeuna GmbH.

ยปDie Auswahl des Standortes Leuna motiviert uns fรผr die weitere Transformation in Richtung Nachhaltigkeit und die aktive Verknรผpfung von Forschung, Entwicklung und industrieller Praxis.ยซ Auch Ministerprรคsident Dr. Reiner Haseloff freut sich. ยปSachsen-Anhalt ist der ideale Standort fรผr die Technologieplattform zu strombasierten Kraftstoffen. Wir haben eine moderne und leistungsfรคhige Chemische Industrie mit รผber hundertjรคhriger Erfahrung. Wir sind fรผhrend bei der Nutzung regenerativer Energien und hier sind hervorragende Forschungseinrichtungen zu Hause.

Die Technologieplattform ist ein wichtiger Baustein fรผr den erfolgreichen Strukturwandel in der Region. Von Sachsen-Anhalt aus werden in den kommenden Jahren wesentliche Grundlagen fรผr die Gestaltung der Energiewende in Deutschland geschaffen. Darauf kรถnnen wir stolz sein.ยซ

Besichtigung des Baufelds

Doch wo genau wird die Technologieplattform entstehen? Wie soll sie aussehen? Diese und weitere Fragen wurden bei der Besichtigung des Baufelds am Chemiestandort beantwortet. Noch ist nicht viel zu sehen. Nur ein paar rot-weiรŸe Absperrbรคnder lassen erahnen, wo die TPP im Westen des Chemiestandortes Leuna auf einem knapp fรผnf Hektar groรŸen Gelรคnde entstehen wird. Umso anschaulicher wird es im eigens fรผr die Veranstaltung errichteten Zelt. Auf einem groรŸen Schaubild ist die komplette Anlage zu sehen, an dem Prof. Dr. Martin Kaltschmitt, Experte fรผr erneuerbare Energien, den modularen Aufbau und die Funktionsweise erlรคutert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Manfred Aigner vom DLR-Institut fรผr Verbrennungstechnik und Projektleiter der TPP sowie weiteren Experten beantwortet er die Fragen der neugierigen Gรคste.

Visualisierung der Technologieplattform Power-to-Liquid (TPP) Foto: DLR

Demonstrations- und Forschungsstrang

Die Technologieplattform besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Anlagenstrรคngen โ€“ einem Demonstrationsstrang und einem Forschungsstrang. Der Schwerpunkt der Demonstration liegt auf dem Betrieb einer semi-industriellen Anlage zur Produktion strombasierter Kraftstoffe. Die Kapazitรคt betrรคgt bis zu 10.000 Tonnen pro Jahr.

Mit dem Demonstrationsstrang gehen die Forschenden Fragen nach, wie Herstellungsprozesse mรถglichst effizient skaliert und Betriebsparameter optimiert werden kรถnnen. Aus Wasser und Strom aus erneuerbaren Quellen soll hier mittels Elektrolyse zunรคchst Wasserstoff produziert werden. Der Wasserstoff wird in groรŸen Speichern mit einer Kapazitรคt von 24 Stunden Volllast-Betrieb zwischengelagert. Dann wird er mit CO2 aus der Luft und aus biogenen Quellen โ€“ zum Beispiel Biogas-Anlagen โ€“ in ein Synthesegas umgewandelt. AnschlieรŸend folgt die sogenannte Fischer-Tropsch-Synthese. In diesem bereits industriell ausgereiften Prozess wird aus dem Synthesegas ein synthetisches Rohรถl gewonnen, das anschlieรŸend zu normgerechten Kraftstoffen weiterverarbeitet wird. Die gewonnenen Kraftstoffe taugen sowohl fรผr die klimavertrรคgliche Luft- und Schifffahrt und den bodengebundenen Verkehr.

Im Forschungsstrang โ€“ mit einer Kapazitรคt von 100 Tonnen pro Jahr โ€“ will das DLR mit Wissenschaft und Industrie bestehende Technologien weiterentwickeln und neue Ansรคtze erproben, um Produktionsprozesse und Kraftstoffeigenschaften zu verbessern. Die chemische Zusammensetzung dieser Kraftstoffe lรคsst sich so optimieren, dass z. B. beim Verbrennungsprozess kein RuรŸ oder Feinstaub mehr entsteht. Das wรผrde insbesondere die Luftfahrt durch die Senkung sogenannter Nicht-CO2-Effekte umweltfreundlicher machen. Das DLR will in der Anlage aber auch untersuchen, wie sich strombasierte Kraftstoffe auf Basis von ยปgrรผnem ยซ Methanol herstellen lassen.

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