Rund 200 Forschende aus dem In- und Ausland diskutieren über nachhaltige Chemie, Kreislaufwirtschaft und Künstliche Intelligenz – Fortsetzung 2027 in Halle geplant
Mit rund 200 Teilnehmenden ist in Leipzig der erste Transforming Chemistry Summit des Center for the Transformation of Chemistry (CTC) zu Ende gegangen. Zwei Tage lang kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern zusammen, um über die Zukunft der Chemie zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen nachhaltige Chemie, Kreislaufwirtschaft, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue Stoffkreisläufe. Der Kongress soll künftig jährlich stattfinden.
Zum Auftakt begrüßten Prof. Dr. Peter H. Seeberger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des CTC, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, Rektorin der Universität Leipzig, und Prof. Dr. Heike Graßmann, Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, die Gäste. Seeberger betonte die Bedeutung interdisziplinärer Forschung und internationaler Zusammenarbeit. Mitteldeutschland und Leipzig böten gute Voraussetzungen, um wissenschaftliche Exzellenz in den Bereichen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Chemie miteinander zu verbinden.






KI und Kreislaufwirtschaft im Fokus
Das wissenschaftliche Programm reichte von Plenarvorträgen und Fachsessions bis zu Posterpräsentationen und Diskussionsformaten. Themen waren unter anderem KI-gestützte Chemieforschung, nachhaltige Katalyse, chemisches Recycling, erneuerbare Rohstoffe, automatisierte Syntheseplattformen und datengetriebene Verfahren zur Entwicklung neuer Moleküle und Materialien.
Zu den internationalen Gästen gehörte Prof. Bartosz Grzybowski vom Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea. Er zeigte, wie moderne Algorithmen chemisches Wissen analysieren und neue Reaktionswege identifizieren können. Weitere Impulse kamen unter anderem von Forschenden der University of Cambridge, der EPFL Lausanne, der KU Leuven und der Universität Graz.
Knapp 50 Forschende hatten sich zudem für die Posterpräsentationen beworben. Den Posterpreis 2026 erhielt Nora Beier von der Universität Leipzig. Ihr Konzept eines „Navigationssystems für Atome“ soll sichtbar machen, welchen Weg einzelne Atome während chemischer Reaktionen nehmen.
Forschung für den Strukturwandel in Mitteldeutschland
Über die wissenschaftlichen Fragestellungen hinaus besitzt der Summit eine besondere Bedeutung für Mitteldeutschland. Das CTC soll Forschung und wirtschaftlichen Strukturwandel miteinander verbinden. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow verwies darauf, dass Innovationen aus dem Großforschungszentrum über die Chemie hinaus wirtschaftliche Impulse geben und zu neuen Arbeitsplätzen und Wachstum in der vom Kohleausstieg betroffenen Region beitragen sollen.
Das Ende 2025 gegründete CTC ist das erste Großforschungszentrum Deutschlands, das sich der Kreislaufwirtschaft in der Chemie widmet. Bis 2038 soll es auf bis zu 1.000 Mitarbeitende wachsen. Dauerhafte Standorte entstehen in Delitzsch und Merseburg. Zu den langfristigen Forschungszielen gehören ein vollständig recycelbares Auto und ein autonomes Labor. Damit soll das CTC zugleich einen Beitrag zur Transformation der chemischen Industrie und zum Strukturwandel in Mitteldeutschland leisten.
Die Fortsetzung des neuen Kongressformats ist bereits geplant: Der nächste Transforming Chemistry Summit soll Mitte September 2027 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stattfinden. Damit rückt die internationale Chemieforschung im kommenden Jahr noch stärker in das mitteldeutsche Chemiedreieck.
Falk Morgenstern





