Im Saalekreis ist der Ausbildungsmarkt derzeit von einer gegenläufigen Entwicklung geprägt. Während in vielen Regionen weiterhin mehr Ausbildungsplätze als Bewerber zur Verfügung stehen, ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis in den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Gleichzeitig steigt die Zahl der jungen Menschen, die eine Ausbildung suchen.
Für das Ausbildungsjahr 2025/2026 wurden 657 Ausbildungsplätze gemeldet. Im Vorjahr waren es noch 783, zwei Jahre zuvor sogar 822. Damit verzeichnet der Saalekreis einen deutlich stärkeren Rückgang als benachbarte Regionen. In Halle und im Burgenlandkreis nahm die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze zuletzt leicht zu, während sie im Landkreis Mansfeld-Südharz nur geringfügig zurückging.
Dadurch hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verändert. Im Saalekreis kommen inzwischen 127 Bewerber auf 100 gemeldete Ausbildungsplätze. Landesweit besteht dagegen weiterhin ein leichter Überschuss an Ausbildungsstellen.
Nach Einschätzung der Arbeitsagentur reagieren viele Unternehmen auf die wirtschaftlich schwierige Lage mit größerer Zurückhaltung. Unsichere wirtschaftliche Perspektiven, steigende Kosten und eine insgesamt angespannte Konjunktur führten dazu, dass Betriebe ihre Ausbildungsaktivitäten branchenübergreifend vorsichtiger planen.
Gleichzeitig empfehlen die Arbeitsmarktexperten Jugendlichen, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auch Angebote außerhalb des eigenen Landkreises einzubeziehen. Die regionalen Ausbildungsmärkte entwickelten sich unterschiedlich, sodass sich die Chancen in Nachbarregionen teilweise deutlich besser darstellen.
Auch der Ausbildungsverbund Olefinpartner Schkopau (AVO), der rund 400 Auszubildende für etwa 70 Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Metall sowie Elektrotechnik und Mechatronik betreut, spürt die Entwicklung. Während in den vergangenen Jahren regelmäßig zwischen 85 und 90 neue Auszubildende ihre Ausbildung begonnen hätten, werden es in diesem Jahr voraussichtlich nur etwa 70 sein.
Als Ursachen werden neben der schwächeren Konjunktur insbesondere strukturelle Herausforderungen in der Industrie sowie hohe Energiekosten genannt. Viele Unternehmen könnten derzeit nur schwer abschätzen, wie sich ihre wirtschaftliche Situation in den kommenden Jahren entwickeln werde. Diese Unsicherheit wirke sich unmittelbar auf die Ausbildungsplanung aus.
Hinzu kommt, dass einzelne Betriebe Schwierigkeiten haben, offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Besonders in technischen Berufen wie der Elektronik für Betriebstechnik oder der Automatisierungstechnik gehen die Bewerberzahlen teilweise zurück. Vor allem Industriedienstleister spüren diese Entwicklung. In anderen Berufsfeldern, etwa bei Industriemechatronikern, bleibt die Nachfrage nach Auszubildenden hingegen stabil.
Fachleute sehen zudem ungenutztes Potenzial bei jungen Frauen, die in technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungsberufen weiterhin unterrepräsentiert sind. Eine frühzeitige Berufsorientierung an Schulen könne dazu beitragen, mehr Jugendliche für sogenannte MINT-Berufe zu begeistern.
Um den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, empfehlen Arbeitsmarktexperten Praktika. Sie ermöglichen jungen Menschen, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen, eigene Interessen zu entdecken und erste Kontakte zu Unternehmen aufzubauen. Gleichzeitig bieten sie Betrieben die Chance, potenzielle Nachwuchskräfte frühzeitig kennenzulernen.
Auch kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres bestehen noch Möglichkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Berufsberatung, Online-Angebote der Arbeitsagentur sowie Last-Minute-Ausbildungsbörsen unterstützen Jugendliche dabei, auch kurzfristig einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Da zahlreiche Ausbildungen erst Anfang September beginnen und ein Einstieg häufig noch bis Mitte oder Ende Oktober möglich ist, bestehen für Interessierte weiterhin gute Chancen.
Falk Morgenstern





