Von Leuna in die Welt und zurück ins Herz des Chemiedreiecks

ep-cm project management gmbh eröffnet Büro in Merseburg.

Im Mai dieses Jahres eröffnete die ep-cm project management gmbh eine neue Niederlassung in Merseburg – nur wenige Kilometer vom Ursprungsort ihrer Erfolgsgeschichte entfernt. Bereits 1977 war Unternehmensgründer Josef Angeli erstmals für ein Großprojekt in den Leuna-Werken tätig. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, ist er mit ep-cm und seinem Sohn Marco Angeli wieder fest in der Region verankert: als Spezialist für Turnarounds (Anlagenstillstände) und Projektmanagement in der Prozessindustrie.

Herr Angeli, wie kamen Sie 1977 beruflich nach Leuna?

Josef Angeli: Als gebürtiger Österreicher war ich damals für einen österreichischen Konzern tätig, der 1977 ein Großprojekt in der Raffinerie der damaligen Leuna-Werke durchführte. Das Projekt lief bis 1978 – und ich bin gerne geblieben. In den Jahren danach betreute ich zahlreiche Projekte in der damaligen DDR, insbesondere in Leuna, Buna, Schwedt und Eisenhüttenstadt – bis zur Wende und darüber hinaus. 1986 kehrte ich erneut nach Leuna zurück und übernahm dort die Projektleitung für die Konzernaktivitäten im gesamten Chemiedreieck.

Wie haben Sie die Region damals erlebt? Offenbar hat sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Josef Angeli: Ich fühle mich dieser Industrie- und Kulturlandschaft bis heute tief verbunden – mit den Menschen genauso wie mit der Region selbst. Hier habe ich nicht nur beruflich gewirkt, sondern auch meine Familie gegründet. Mein Sohn Marco wurde in Eisenhüttenstadt geboren, viele freundschaftliche Verbindungen aus dieser Zeit bestehen bis heute. Die Eröffnung unserer Niederlassung in Merseburg fühlt sich für mich wie eine Rückkehr an – zurück zu meinen beruflichen Wurzeln im Chemiedreieck Mitteldeutschlands. Und es ist bewegend, dass mich heute noch Menschen aus dieser Zeit wiedererkennen – auch wenn ich seit zwei Jahrzehnten nicht mehr hier lebe.

Erinnern Sie sich noch daran, wie sie Leuna damals erlebt haben?

Josef Angeli: Ich war zuvor in Polen und in der damaligen CSSR im Einsatz – verglichen damit war Leuna ein spürbarer Unterschied in der Arbeitskultur. Nicht nur wegen der gemeinsamen Sprache, sondern vor allem wegen der professionellen Standards. In den Leuna-Werken erlebte ich ein hohes Maß an Arbeitssicherheit, Qualitätsbewusstsein und Leistungsbereitschaft – ganz ähnlich wie in meinem damaligen österreichischen Konzern. Auch kulturell habe ich mich schnell zuhause gefühlt: Unsere Lebensweise und Werte sind sich sehr ähnlich.

Und Sie sind auch nach der Wende in der Region geblieben?

Josef Angeli: Ja, ganz bewusst. In der Wendezeit habe ich meinem damaligen Arbeitgeber vorgeschlagen, ein neues Unternehmen zu gründen – und bekam die Chance, diese Idee umzusetzen. So entstand zunächst eine Konzerntochter in Leipzig, die 1991 als eigenständige Gesellschaft nach Leuna übersiedelte. Dort haben wir rund 40 Mitarbeitende aus dem Bereich Instandhaltung der Leuna-Raffinerie übernommen. 1994 war ich maßgeblich an der Umsetzung eines umfangreichen Outsourcing-Projekts beteiligt, bei dem über 450 Beschäftigte der Leuna Raffinerie Gesellschaft übernommen wurden – ein Meilenstein, der den langfristigen Erfolg der Gesellschaft sicherte. Diese frühere Einheit besteht in ähnlicher Form bis heute und ist deutschlandweit aktiv.

2005 haben Sie dann ep-cm gegründet. Was war der Auslöser dafür?

Josef Angeli: Für mich war das ein konsequenter und sehr wichtiger Schritt. Nach der Trennung von meinem damaligen Arbeitgeber habe ich die Chance genutzt, mein eigenes Unternehmen zu gründen – die ep-cm project management gmbh. Von Beginn an war unser Anspruch, nicht nur regional, sondern auch international tätig zu sein. So konnten wir in den Folgejahren Turnarounds und Projekte in Marokko, den USA, Kanada, Katar, Österreich und Rumänien realisieren. Mit der Firmengründung bin ich auch privat nach Österreich zurückgekehrt, wo meine Familie bereits lebte.

Hier kommt Marco Angeli ins Spiel. Sie haben schon in der Kindheit große Industrieanlagen hautnah erlebt.

Marco Angeli: Ja, rückblickend betrachtet war mein Weg wahrscheinlich vorgezeichnet. Mein erster beruflicher Einstieg war ein Praktikum in Leuna. Später durfte ich bei einem Turnaround mitarbeiten – im Lager, aber auch direkt in der Anlage. Durch diese praktischen Erfahrungen ist mein Interesse an Industrieanlagen enorm gewachsen. Nach meinem Studium der Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft ging ich 2010 für zwei Jahre in unser Unternehmen nach Los Angeles. 2012 folgte ein Jahr in Marokko – dort wurde der Grundstein für mein heutiges Verständnis von Turnaround- und Projektmanagement gelegt. 2013 wurde ich dann in die Geschäftsführung der ep-cm project management gmbh berufen. Ob das
von meinem Vater so geplant war, frage ich mich bis heute. (lacht) Aber es hat funktioniert – und inzwischen weiß ich: Es war die beste Entscheidung, die ich mir vorstellen konnte. Was ich an meinem Vater besonders schätze, ist seine Offenheit für Veränderung und sein Mut, kalkulierte Risiken im Sinne unseres Unternehmens einzugehen – ohne dabei jemals den sozialen Aspekt aus den Augen zu verlieren. Genau das macht uns als Familienunternehmen stark: Weitblick, Verantwortung und ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitenden und Kunden.

Was genau macht ep-cm? Was bieten Sie Ihren Kunden an?

Marco Angeli: Wir sind ein spezialisierter Dienstleister für Turnarounds und Investitionsprojekte im Umfeld industrieller Prozessanlagen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Planung und Ausführungskoordination von Anlagenstillständen sowie der Projektsteuerung bei Großprojekten in der Prozessindustrie. Konkret bedeutet das: Wir unterstützen unsere Kunden dabei, komplexe Vorhaben erfolgreich umzusetzen – entweder als beratender Partner oder durch die Übernahme definierter Leistungspakete. Immer mit dem Ziel, gemeinsam eine sichere, effiziente und termingerechte Umsetzung zu erreichen.

Gibt es weitere Leistungen, die ep-cm abdeckt?

Marco Angeli: Neben der eigentlichen Planung und Steuerung von Turnarounds und Projekten bieten wir mit unserem »TAR-Check« ein strukturiertes Analyseund Beratungstool für Turnaround-Organisationen an. Einfach gesagt: Wir analysieren die aktuelle Leistungsfähigkeit der Organisation, identifizieren Verbesserungspotenziale und begleiten unsere Kunden anschließend aktiv bei der Umsetzung konkreter
Maßnahmen. Mit diesem Ansatz konnten wir bereits zahlreiche Organisationen messbar stärken. Ein weiterer zentraler Bereich ist unser »Staffing«:
Wir stellen gezielt Fachkräfte für Turnaround- und Projektorganisationen zur Verfügung – genau dort, wo unsere Kunden keine eigenen Kapazitäten
haben. Diese Expertinnen und Experten gehören nicht zwingend zur ep-cm-Stammmannschaft, sondern stammen aus unserem langjährig aufgebauten, hochqualifizierten Netzwerk. So können wir unsere Kunden flexibel und punktgenau unterstützen – auch bei komplexen oder kurzfristigen Anforderungen.

vollständiges Interview lesen im Leuna Echo MAGAZIN Ausgabe Juli 2025.

Andrea Weingart

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