Diskussion im CarbonCycleCultureClub in Bitterfeld-Wolfen zur Zukunft von Energie, Rohstoffen und Wettbewerbsfähigkeit
Bitterfeld-Wolfen. Wie kann die Industrie in Deutschland klimaneutral und zugleich wettbewerbsfähig bleiben? Diese zentrale Frage steht im Mittelpunkt des nächsten hybriden CarbonCycleCultureClubs (C4), der am Donnerstag, 23. April 2026, von 18 bis etwa 21 Uhr im Industrie- und Filmmuseum Bitterfeld-Wolfen stattfindet.
Unter dem Titel „Wann kommt die neue Infrastruktur für unsere Industrie?“ diskutieren hochkarätige Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über die dringend benötigten Veränderungen in Energieversorgung und Rohstoffinfrastruktur – insbesondere mit Blick auf das Mitteldeutsche Revier.
Die Herausforderungen sind groß: Die Chemieindustrie kämpft aktuell mit hohen Energiepreisen und steht gleichzeitig vor der Aufgabe, ihre Produktionsprozesse grundlegend umzustellen. Denn viele Alltagsprodukte wie Kunststoffe, Farben oder Kosmetika basieren noch immer überwiegend auf fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas. Dabei wird Kohlenstoff freigesetzt, der als CO₂ zum Klimawandel beiträgt.
Im Zuge der Klimaschutzziele rücken daher alternative Kohlenstoffquellen wie Biomasse oder Kunststoffabfälle stärker in den Fokus. Doch dafür braucht es neue Infrastrukturen – nicht nur für Energie, sondern auch für Rohstoffe.
„Am vorteilhaftesten wäre eine Kombination aus dem Ausbau von Strom- und Wasserstoffnetzen“, erklärt Dr. Fabian Neumann von der Technischen Universität Berlin. Eine solche integrierte Infrastruktur könnte die Grundlage für eine nachhaltige Industrie der Zukunft bilden.
Ein konkretes Beispiel für den Wandel ist bereits in der Region sichtbar: Der Bau einer Wasserstoffleitung von Lubmin an der Ostsee bis nach Bobbau bei Bitterfeld-Wolfen ist in Planung. Perspektivisch soll die Leitung bis nach Thüringen verlängert werden. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2029 vorgesehen. Dr. Dirk Flandrich von der GASCADE Gastransport GmbH wird dazu Einblicke in Planung und Zeitrahmen geben.
Auch überregionale Konzepte spielen eine wichtige Rolle. So arbeitet die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland derzeit an der Studie „H2-Netz OST“, die eine abgestimmte Wasserstoffinfrastruktur für Ostdeutschland entwickeln soll. Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben wird die Perspektiven dieses Projekts vorstellen.
Ergänzt wird die Diskussion durch die Sicht von Energieversorgern und Innovatoren: Matthias Kunath, Geschäftsführer der enviaTHERM GmbH, berichtet über die Rolle erneuerbarer und konventioneller Energieerzeugung in der Praxis. Dr. Martin Chaumet von der beventum GmbH gibt Einblicke in neue Windkrafttechnologien – darunter ein 365 Meter hohes Höhenwindrad in Brandenburg, das als Vorbild für eine „zweite Etage“ in bestehenden Windparks gilt.
Moderiert wird die Veranstaltung von Patrice Heine, Geschäftsführer des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen und Vorstand des Forum Rathenau, sowie Elena Herzel, Geschäftsführerin der EWG Anhalt-Bitterfeld.
Der CarbonCycleCultureClub lädt alle Interessierten ein, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen – vor Ort oder digital per Livestream. Ziel ist es, konkrete Antworten auf die Frage zu finden, wie der Fahrplan für die Infrastruktur der Zukunft aussehen kann.
Das Forum Rathenau e.V. engagiert sich seit 2019 für den Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier und fördert die Entwicklung einer nachhaltigen Kohlenstoffkreislaufwirtschaft. Unterstützt wird das Projekt seit 2023 durch das STARK-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Falk Morgenstern





